Die Stadt Selm und die Sekundarschule wollen in diesem Jahr ein Projekt gegen Schulabsentismus starten. Doch wie verbreitet ist das Problem in Selm eigentlich und was können Eltern tun?

Selm

, 14.01.2020, 20:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Schüler nicht zu Schule gehen, dann kann das ganz verschiedene Gründe haben. Kirsten Solberg, Schulpsychologin beim Kreis Unna für Selm, Werne und Bergkamen hat öfter mit Schulschwänzern zu tun. Wobei sie direkt klar macht, dass das Wort „Schulschwänzer“ zu kurz greift: „Wir nennen das Schulabsentismus“, sagt sie.

Schuleschwänzen sei das bewusste Fehlen ohne Grund. Es gebe aber auch Schüler, die nicht zur Schule gehen, weil sie zum Beispiel Mobbing erleben, Angstzustände haben oder Probleme mit anderen Schülern oder Lehrern haben. Solberg und ihre Kollegen haben vor allen Dingen mit den Kindern zu tun, die wegen Problemen fehlen und nicht absichtlich schwänzen.

„Die Bandbreite ist einfach riesig“, sagt auch Karin Vogel, die Schulleiterin der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule. Die Schule arbeitet in diesem Jahr gemeinsam mit der Stadt zusammen, um ein Projekt über Schulabsentismus zu starten. Das Thema hatten Kämmerin Sylvia Engemann und der Selmer Schulamtsleiter Wolfgang Strickstrock unter anderem im Jugendhilfeausschuss im Dezember vorgestellt.

Stadt Selm plant Projekt gegen Fehlen in der Schule

Wie groß das Problem mit Schülern ist, die nicht zu Schule gehen, konnte Strickstrock für Selm allerdings nur bedingt sagen. „Uns liegen dazu keine Statistiken vor.“ Allerdings gebe es durchaus Einzelfälle von Schülern, die der Schule auch in Selm fernbleiben. „Deshalb ist es wichtig, dass sich die einzelnen Stellen gut absprechen“, so Strickstrock. Kämmerin Sylvia Engemann betonte: „Jeder Fall ist einer zu viel.“

Das sagt auch Karin Vogel, die Schulleiterin der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule. „Im Laufe der Jahre ist das in den verschiedenen Schulen in Selm immer wieder mal aufgetreten“, sagt Vogel. Schulabsentismus sei „einfach ein großes Thema“, auch wenn es „Gott sei Dank kein dauerhaftes Problem“ in der Sekundarschule sei. Wenn so etwas auftrete, sei es allerdings wichtig, schnell zu handeln. Weswegen es gut sei, ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen.

Planung hat in Selm gerade erst angefangen

Wie genau das aussehen soll, ist aber noch nicht klar. „Zurzeit befinden wir uns noch ganz zu Beginn des Prozesses“, sagt Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage. Anfang dieses Jahres solle in die konkrete Planung und Umsetzung eingestiegen werden.

Tipps für Eltern (und Lehrer) von Diplom-Psychologin Kirsten Solberg:

  • Dem Kind eine direkte Rückmeldung geben, wenn man das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt. Fragen stellen, wie: „Was ist los? Wie können wir helfen?“
  • Gut kommunizieren. Das heißt, als Eltern nicht der Schule die Schuld geben oder anders herum.“ „Alle sitzen im gleichen Boot“, sagt Kirsten Solberg.
  • Eltern sollten sich an die Schule wenden, nachdem sie mit dem Schüler gesprochen haben. Dann kann die Schule zum Beispiel einen gemeinsamen Termin mit der Schulpsychologin ausmachen und beide Parteien können klären, wie dem Schüler am besten geholfen werden kann.

Beim Kreis Unna wird das Thema im Jahr 2020 auch noch eine größere Rolle spielen. „Wir haben uns das Thema auch auf die Fahne geschrieben“, sagt Anja Seeber, Fachbereichsleiterin Schulen und Bildung beim Kreis Unna. Hier hätten sich unter anderem Jugendamt, Schulamt, Schulen und die Schulverwaltung in Arbeitsgruppen zusammengetan, um gemeinsam Strategien gegen Schulabsentismus zu erarbeiten. „Da sind wir auf dem Weg, aber es gibt noch kein Ergebnis zu präsentieren“, sagt Seeber.

Erkennen des Problems für Eltern gar nicht so einfach

Für Eltern ist es oftmals gar nicht so leicht zu merken, dass das Kind möglicherweise ein Problem hat. Wenn das Kind öfter sagt, es fühlt sich nicht wohl, kann schnell die Grenze zum normalen Fehlen wegen Krankheit überschritten sein, sagt Schulpsychologin Kirsten Solberg. „Wenn man irgendeinen Hinweis darauf hat, dass etwas nicht stimmt, sollte man reagieren“, sagt sie.

Ein wichtiges Warnsignal könne auch das passive Vermeiden im Unterricht sein. Das heißt, der Schüler sei anwesend, verweigere aber jegliche Unterrichtsbeteiligung. Offenkundiger ist es beim Schwänzen: Wenn die Schule Bescheid gibt und das Kind eine Woche lang unbemerkt von den Eltern nicht im Unterricht war, „dann ist Handlungsbedarf gegeben“, sagt Solberg.

Eltern und Schüler sollten sich früh melden

In jedem Fall gilt: je schneller, desto besser: „Wir machen gute Erfahrungen damit, wenn Eltern und Schüler sich früh melden und frühzeitig reagiert werden kann“, sagt Solberg. Dann würden sich Ängste bei Schülern mit psychischen Erkrankungen nicht verfestigen und sich auch keine zu großen unüberwindbaren Lücken beim Schulstoff auftun.

Bei den „klassischen Schulschwänzern“ komme ohnehin noch die Frage hinzu, was die Schüler denn tun, wenn sie eben nicht im Unterricht sind. Hier könnte das Fehlen auch in Zusammenhang mit Kriminalität stehen, wenn die Schüler zum Beispiel stehlen oder Drogen nehmen, erklärt Solberg.

Überraschend: „Wir therapieren nicht, sondern wir arbeiten vor allen Dingen mit Eltern und Schülern zusammen, weil sie dem Schüler am besten helfen können“, sagt die Schulpsychologin. Das heißt, wenn schnell reagiert werde, sei es nicht mal nötig, dass der Schüler mit in die Beratung komme. Eltern und Lehrer könnten gemeinsam Strategien entwickeln, wie man dem Schüler bei seinen Problemen helfen kann und man ihn wieder dazu bringt, regelmäßig den Unterricht zu besuchen.

Kontakt zur Schulpsychologin des Kreises Unna:
Für Bergkamen, Selm und Werne Dipl.-Psych. Kirsten Solberg Telefon: (02303) 274440 Telefonzeit: Freitag von 12 bis 14 Uhr E-Mail kirsten.solberg@kreis-unna.de
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