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Stadt Lünen will Maßregelvollzug auf Victoriabrache wegrücken vom Wohnquartier

Forensik

Wie die Victoriafläche genutzt werden kann, das erklärte die Verwaltung bei einer Bürgerinformation in der Stadtkirche. In der Planung ist die Forensik vorgesehen – aber an anderer Stelle.

Lünen

, 12.07.2018
Stadt Lünen will Maßregelvollzug auf Victoriabrache wegrücken vom Wohnquartier

Zahlreiche Bürger ließen sich am Mittwoch die Pläne zur Entwicklung der Victoriafläche I/II von der Verwaltung in der Stadtkirche erläutern. Ein Teil ist als Sonderfläche Forensik vorgesehen. © Magdalene Quiring-Lategahn

Das Gotteshaus war am Mittwoch nicht ganz gefüllt, die Diskussion verlief ruhig und sachlich. Ein Zeichen, dass das Thema nicht mehr so emotional geführt wird. Weil die Bürger weniger Fragen hatten als angenommen, war die Veranstaltung schon vorzeit zu ende.

„Wir sind an einem Punkt, an dem wir die Chance haben, den Knoten zu durchschlagen“, sagte Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns zu Beginn der von Wolfram Kuschke, Staatsminister a.D., moderierten Veranstaltung. Man könne das Areal fit machen für die Zukunft.

Baurecht auf RWE-Fläche schaffen

Die Pläne der Stadt sehen vor, Baurecht für eine Forensik auf einem Teil RWE-Fläche im Südwesten zu schaffen. Damit rückt der Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter weiter weg vom Wohnbereich. Das Land hat jedoch nach wie vor einen rechtskräftigen Bauvorbescheid für die näher an der Victoria-Siedlung liegende RAG-Fläche. Dort kann sich die Stadt nutzungseingeschränktes Gewerbe und einen Quartiersplatz vorstellen.

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Kleine-Frauns verwies auf Gespräche mit Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und eine schriftliche Notiz. Danach gebe es Hoffnung auf eine Verschiebung der Forensik auf die weiter entfernte Fläche. Weil die Stadt mit dem Land verhandelt und gleichzeitig einen Rechtsstreit in puncto Forensik führt, hatte die SPD im Vorfeld der Versammlung gefordert, „das falsche Spiel“ zu beenden.

„Ohne Klage wären Fundamente gegossen“

Dazu erklärte Kleine-Frauns: „Wenn wir den Klageweg nicht gegangen wären, wären schon längst die Fundamente gegossen worden an einer Stelle, wo eine breite Schicht sie nicht will.“

Die Politik hat die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung des Bebauungsplanes „Viktoria-Ost“ bereits auf den Weg gebracht. Bei den Planungen spielt auch das Stadtgartenquartier Münsterstraße eine Rolle, wie ein Landschaftspark oder die Internationale Gartenausstellung 2027, zu der es jetzt einen Beschluss in Düsseldorf gab. „Ich hoffe, wir sind dabei“, so Arnold Reeker, Technischer Beigeordneter.

Dieter Mendrina, Anwohner und im Vorstand der 210 Mitglieder zählenden Barbara-Siedlung, ist direkt von den Planungen betroffen. „Ich bin gegen eine Forensik. Aber wenn es keine andere Möglichkeit gibt, dann soll sie lieber weiter weg.“

Fragen nach Altlasten

Die Fragen der Bürger drehten sich darum, ob Altlasten abgetragen würden oder Grundwasser genutzt werden könne? Altlasten würden unter einen drei Meter dicken Deckschicht versiegelt, Grundwasser sei nicht zu nutzen, würde aber künftig durch Brunnen mit Aktivkohlefilter gereinigt. Es werde aber noch Baugrund-Untersuchungen geben. Eine Frage drehte sich auch um das Grubenwehrheim, das mitten auf einer Altlastenfläche steht. Hier gibt es die Idee, ein Bürgerzentrum am Viktoriaplatz zu errichten oder mögliche Gebäude der Internationalen Gartenausstellung zu nutzen.

Letztlich ging es um die Frage, ob das Bauen auf der RWE-Fläche teurer werde und die Stadt sich beteiligen müsse? „Unsere Aufgabe ist es, Baurecht zu schaffen. Über alles andere müssen sich Land und Eigentümer verständigen. Das ist wie bei einem privaten Grundstücksgeschäft“, so Reeker.

  • Die Aufstellung des Bebauungsplans „Viktoria -Ost“ wurde mit Zweidrittel-Mehrheit im Mai m Rat beschlossen. Der B-Plan umfasst 23 Hektar Fläche.
  • Er sieht neben Wohnnutzung und Quartiersplatz sowie Sonderfläche Forensik auch 10 Hektar Gebwerbefläche vor, die über die Zwolle Allee erschlossen werden sollen.
  • Der Zeitplan ist ehrgeizig: Bis November sollen weitere Fachgutachten eingeholt werden und die Planung weiterentwickelt werden. Bürger können in dem Prozess Anregungen und Bedenken vorbringen.
  • Im Juni/Juli 2019 soll es einen Satzungsbeschluss zum B-Plan geben.