Neue Ermittlungen im Fall Jenny Böken wieder eingestellt

Der Tod der „Gorch Fock“-Kadettin Jenny Böken bleibt für die Kieler Staatsanwaltschaft ein Unglücksfall. Die neuen Ermittlungen in dem Fall wurden bereits wieder eingestellt. Die Aussage einer Zeugin sei nicht glaubwürdig. Der Vater der Soldatin hat Beschwerde eingelegt.

26.11.2019, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kieler Staatsanwaltschaft hat ihre neuerlichen Ermittlungen zum mysteriösen Tod der „Gorch Fock“-Kadettin Jenny Böken wieder eingestellt. „Wir glauben den Angaben einer Zeugin nicht“, sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Michael Bimler am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Für die Anklagebehörde gibt es weiterhin keine ausreichenden Anzeichen für ein Tötungsdelikt.

Im Rahmen der Ermittlungen sei auch der Bekanntheitsgrad von der Zeugin und Jenny Böken überprüft worden, sagte Bimler. Allerdings seien keine ausreichenden Anhaltspunkte gefunden worden, die deren Darstellung stützten.

Im Juni hatte die Staatsanwaltschaft das Todesermittlungsverfahren wieder aufgenommen. Grund war die Aussage der Zeugin. Diese beruhten laut der Behörde im Wesentlichen auf Hörensagen. Die Zeugin sei im Jahr 2008 bei der Bundeswehr gewesen, habe aber weder zur Marine noch zur Besatzung der „Gorch Fock“ gehört.

Der Vater der Kadettin, Uwe Böken, hat gegen die erneute Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft bereits Beschwerde eingelegt. Er habe keine andere Entscheidung der Staatsanwaltschaft erwartet, sagte Böken der dpa. „Die wollen nicht aufklären.“

Der Anwalt der Bökens, Rainer Dietz aus Aachen, warf der Kieler Behörde vor, in dem Fall lediglich oberflächlich ermittelt zu haben. Sollte die Beschwerde von der Staatsanwaltschaft abgewiesen werden, will sich der Jurist an Schleswig-Holsteins Generalstaatsanwalt wenden. Er kritisierte, dass die Eltern der Soldaten von der Behörde nicht gehört wurden. „Das Gesprächsangebot der Eltern wurde abgelehnt. Das ist schlechter Stil.“

Die ursprünglichen Ermittlungen im Fall Böken waren 2009 eingestellt worden. Die damals 18-jährige war in der Nacht zum 4. September 2008 während einer Ausbildungsfahrt des Segelschulschiffs der Marine bei einer Wache über Bord gegangen. Die Todesumstände blieben ungeklärt. Der Leichnam wurde erst nach elf Tagen aus der Nordsee geborgen. Die Ermittler hielten ein Unglück bisher für am wahrscheinlichsten.

Die Eltern sahen dagegen Hinweise für einen Mord. Sie stützten sich dabei auf eine eidesstattliche Aussage eines früheren Bundeswehrangehörigen, der im April dieses Jahres - nach einer Geschlechtsumwandlung - von der Kieler Staatsanwaltschaft als Zeugin vernommen wurde. Laut Anwalt Dietz soll die Zeugin erklärt haben, kurz nach dem Auffinden der Leiche hätten mehrere Männer, darunter Marineangehörige, sie in einer Kaserne besucht. Sie sollen angedeutet haben, dass die junge Frau erdrosselt worden sei.

Weitere Meldungen