Staatsanwältin fordert viereinhalb Jahre Haft im Babyleichen-Prozess

Lünerin angeklagt

Im Prozess um die toten Babys von Lünen hat die Staatsanwaltschaft für die angeklagte Mutter viereinhalb Jahre Haft gefordert. „Das war ein Martyrium", hieß es am Dortmunder Landgericht.

Lünen/Dortmund

13.08.2018 / Lesedauer: 3 min
Staatsanwältin fordert viereinhalb Jahre Haft im Babyleichen-Prozess

Die angeklagte Mutter (rechts) beim Prozessauftakt im April 2018 an der Seite ihrer Verteidigerin. © Werner von Braunschweig

Keine Nahrung, keine Zuneigung, keine Fürsorge: Oberstaatsanwältin Carola Jakobs nannte das Vorgehen der Mutter aus Lünen in ihrem Plädoyer nicht nur einmal wörtlich so: „Grausam". Die Angeklagte habe sich nach den heimlichen Hausgeburten ihrer Mädchen Marie und Emma in den Jahren 2010 und 2012 als wahre „Verdrängungskünstlerin" entpuppt und ihre neugeborenen Kinder letztlich schlichtweg „im Stich gelassen". „Diese zwei toten kleinen Menschen haben ein unfassbar grausames Schicksal erlitten. Sie hatten Durst, sie hatten Hunger und sie hatten keine Zuwendung. Das war ein Martyrium", so die Oberstaatsanwältin in ihrem Plädoyer.

„Scham größer als Angst“

Letztlich seien die tödlichen Schicksale von Marie und Emma fast deckungsgleich verlaufen. Die Mutter sei jeweils ungewollt schwanger geworden, habe die Schwangerschaft dann aber - warum auch immer - geheim gehalten. Das Risiko für die Säuglinge und sich selbst, habe sie offensichtlich ausgeblendet. "Offenbar war die Scham größer, als die Angst vor einer Geburt ohne Hilfe", sagte Oberstaatsanwältin Carola Jakobs. Um im Freundes- und Kollegenkreis nicht aufzufallen, hatte sich die Mutter sogar eine Krankheit ausgedacht, mit der sie die optische Veränderung erklären konnte. Beide Mädchen waren von der Angeklagten letztlich unter größten Schmerzen alleine in der Badewanne zur Welt gebracht worden. Marie im November 2010 - sie starb mit nur fünfeinhalb Monaten im April 2011. Nach dem qualvollen Hunger-Tod von Marie auf der Wohnzimmer-Couch habe die Mutter, so die Oberstaatsanwältin, das Zimmer fortan einfach nicht mehr betreten. Jakobs: "Sie lebte ihr Leben weiter."

Im Wäschekorb entsorgt

Umso negativer falle der zweite Hunger-Tod ins Gewicht. Obwohl vorgewarnt, habe die Mutter erneut genauso grausam gehandelt und auch Emma furchtbar vernachlässigt. Emma war im März 2012 geboren worden - und verstarb bereits nach dreieinhalb Wochen im April 2012. In ihrem Fall hatte die Lüner Mutter das tote Baby in ein Bettlaken gewickelt und einfach im Wäschekorb entsorgt. "Sie dachte sich, besser ist auch dieses Kind tot weg, als dass ich mich offenbare", so die Oberstaatsanwältin. Es sei einfach unfassbar, dass die Angeklagte aus der ersten Tat nicht gelernt habe.

Den Tod von Emma bewertete Carola Jakobs daher als Totschlag durch Unterlassen. Bei Marie müsse man zumindest von Aussetzung mit Todesfolge ausgehen hieß es. Die skelettierten Kinderleichen von Marie und Emma waren im Herbst 2012 bei Aufräumarbeiten nach einem Wohnungsbrand an der Reuterstraße entdeckt worden.

Die Lünerin verfolgte das Plädoyer der Oberstaatsanwältin teils mit abgewendetem Gesicht. Ihre Fäuste hatte sie fast ständig in den langen Ärmeln ihrer Kleidung vergraben. Am nächsten Prozesstag, 3. September, wird ihre Verteidigerin plädieren.

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