Spielplätze in Schwerte: Fröhliches Kinderlachen, sozialverträglicher Lärm, Ruhestörung?

dzKinder in Schwerte

Ärger mit Vandalismus, wenig Geld, Eltern, die sich mehr Spielgeräte wünschen und Nachbarn, die keinen Lärm hören wollen. Wenn es um Spielplätze in Schwerte geht, gibt es viele Meinungen.

Schwerte

, 05.10.2018, 18:38 Uhr / Lesedauer: 4 min

Für neue Spielgeräte auf den 44 Spielplätzen in Schwerte sind im städtischen Haushalt 50.000 Euro eingeplant. Für Reparaturen an Spielgeräten noch einmal 40.000 Euro. Bei den Preisen für Schaukel, Kletterturm und Co. bleibt da nicht viel Spielraum. Das führt oft zu Ärger mit Eltern und Kindern, denen die Sanierung der Plätze zu langsam voran geht oder, die sich über gesperrte Plätze beschweren. Doch es gibt auch den umgekehrten Fall: Nachbarn ärgern sich über den Spielplatz, weil er zu laut ist oder auch Jugendliche anzieht, die hier feiern. Alle diese Beschwerden landen bei Klaus-Peter Langener vom Jugendamt, der sich selber als entschiedener Vertreter der Interessen von Kindern und Jugendlichen sieht.

Recht auf Disziplin und Ruhe

Beim Ortstermin in Holzen hätte Langner eigentlich auf glückliche Gesichter stoßen müssen. Es ist schon ein echter Glücksfall, wenn plötzlich eine große Nestschaukel unverhofft zur Verfügung steht, wie jetzt für den Spielplatz an der Friedrich-Hegel-Straße. Doch statt einhelliger Begeisterung musste sich Klaus-Peter Langer am Donnerstagmorgen mit verärgerten Anwohner auseinandersetzen. „Wir haben das gleiche Recht wie Kinder, und zwar auf Disziplin und Ruhe“, erklärte ein Nachbar. Der Spielplatz ist dem Anwohner schon lange ein Dorn im Auge. Seine Beschwerden reichen von Lärm über den Vandalismus Jugendlicher bis zum Müll, der hier oft zurückbleibe.

Spielplätze in Schwerte: Fröhliches Kinderlachen, sozialverträglicher Lärm, Ruhestörung?

Nachbarn und Vertreter von Stadt und Polizei diskutieren über den Spielplatz an der Friedrich-Hegel-Straße.

Ob er damit für seine Nachbarschaft gesprochen hat, bezweifelt Hubert Sparfeld. Er wohne auch unmittelbar an dem Spielgelände zwischen der Paulinen- und der Friedrich-Hegel-Straße und finde es schön, dass dort Kinder spielen können. Auch der Lärm vom Bolzplatz halte sich in Grenzen.

Vandalismus ist ein Problem

Dennoch der Spielplatz gehört zu den Sorgenkindern unter den 44 Plätzen in der Ruhrstadt. Denn das Areal ist weit und breit einer der wenigen Plätze, auf denen sich auch Jugendliche in dieser Gegend treffen können.

Und genau das führt eher zu Problemen. Der VSI ist hier mit Sozialarbeitern tätig. Das habe auch schon einiges bewirkt, sind sich die Nachbarn einig. Doch es gibt immer wieder auch durchaus berechtigten Anlass zum Ärger.

Wie im Februar vergangenen Jahres: Da hatten unbekannte Täter über Nacht einen fest installierten Metalltisch und zwei Bänke mit Kaminholz in Brand gesetzt. Der Schaden betrug damals 2500 Euro. „Wenn ich so etwas sehe, dann bin ich natürlich auch stinksauer“, sagt Jugendamtsmitarbeiter Langner. Aber das spräche ja nicht grundsätzlich gegen den Spielplatz. Und er machte auch den Beschwerdeführern wenig Hoffnung: „Der normale Betrieb auf einem Spielplatz ist sozialverträglicher Lärm, und den haben sie hinzunehmen.“

Generationen-Spielplatz darf auch von Älteren genutzt werden

Die Leiterin der benachbarten Kindertagesstätte Zappelkiste, Manuela Kuske, sieht die Problematik eher differenziert. Natürlich gebe es Jugendliche, die hier feiern und auch Müll hinterlassen. Sie habe aber die Erfahrung gemacht, dass man die durchaus ansprechen könne.

„Das hier ist ja schließlich auch ein Generationen-Spielplatz, der auch von älteren genutzt werden kann“, ergänzt Langner. „Und für diejenigen, die sich daneben benehmen, ist es egal, ob da ein Spielgerät mehr oder weniger steht“, ergänzt Jugendamtsleiter Andreas Pap.

Und wie viel Vandalismus und Ruhestörungen gibt es tatsächlich dort? Der zuständige Bezirksbeamte der Polizei, Dieter Meckelburg, sieht eine gewisse Wellenbewegung bei den Beschwerden. „Es gibt Zeiten, da gehen einige Anrufe bei uns ein. Dann aber auch über längere Zeiträume nichts“, sagt er.

Nachbar Hubert Sparfeld weiß: „Vor zehn Jahren, da gab es mal in Holzen echte Probleme mit Jugendlichen.“ Doch diese Zeiten sind vorbei.

Gesperrte Plätze wegen Kieselrot

Die Nestschaukel wird wohl aufgebaut, auch wenn ein Nachbar dagegen eine Beschwerde eingelegt hat. Dass die Stadt dieses wertvolle Spielgerät übrig hat, ist übrigens eine eher traurige Geschichte. Denn die Schaukel war für den Spielplatz an der Lichtendorfer Straße bestimmt. Der ist jedoch seit 2017 gesperrt, weil dessen Boden mit Kieselrot belastet ist. Zurzeit diskutieren der Gutachter und die Stadt noch über Einzelheiten der Sanierung. Die könne dann auch einige Monate in Anspruch nehmen, schätzt Pap.

Nachbarn wollen mehr Geräte auf ihrem Spielplatz

Genau das Gegenteil erlebt Langner beim Ortstermin am Sachsenweg auf de Schwerterheide. Hier trifft er auf eine engagierte Nachbarschaft, die sich darüber geärgert hatte, dass der kleine Spielplatz in der Eigenheimsiedlung drei Monate wegen Sanierungsarbeiten gesperrt war. Und in der Tat, der Platz ist eher bescheiden ausgelegt. „Der Spielplatz wurde von der GWG, die hier die Häuser gebaut und die Siedlung erschlossen hat, angelegt“, erläutert Langner. Nach zwei Jahren ging das Areal an die Stadt, die jetzt für die Pflege zuständig ist.

Spielplätze in Schwerte: Fröhliches Kinderlachen, sozialverträglicher Lärm, Ruhestörung?

Nachbarn und die Stadt diskutieren über den Spielplatz am Sachsenweg.

Und da liegt in diesem Fall das Problem. Die Wohnungsbaugenossenschaft hatte die Schaukel bei einer italienischen Firma gekauft, die mittlerweile insolvent ist. Einen neuen Querbalken zu besorgen, dauerte mehrere Monate. Auch der Untergrund unter dem Platz ist problematisch. Denn hier wurden Betonsteine als Dränage eingebaut, sie sich durch den Sand wieder nach oben arbeiten. Die Sandreinigung, die man bei einer Firma in Auftrag geben hatte, bringt da nicht den gewünschten Erfolg. Die Nachbarn haben mit einem Kinderspaten Schotter und faustgroße Brocken aus dem Sand geholt.

Spielplätze in Schwerte: Fröhliches Kinderlachen, sozialverträglicher Lärm, Ruhestörung?

Dirk Neumeister und Klaus-Peter Langner zeigen Steine, die sich im Sand unter den Spielgeräten des Spielplatzes am Sachsenweg befunden haben.

„Da wohnen doch keine Kinder“

Sie ärgern sich auch über die eher spärlichen Spielgeräte. Die Stadt hatte bei der Planung aller Spielplätze, das Areal auf der Ostenheide als Stadtteilspielplatz mit Vorrang beim Ausbau festgelegt. „Da wohnen doch gar keine Kinder, sondern fast nur Ältere“, sagt eine Nachbarin.

Hier am Sachsenweg würde man sich über ein neues Spielgerät freuen. Doch zum einen, sind die großen Spielgeräte nur für die Stadtteilspielplätze eingeplant, zum anderen hätte die große Nestschaukel hier auch keinen Platz.

Spielplatzpaten können helfen

Dafür wird vereinbart, einen Sandkasten anzulegen. Denn der Sand auf dem Gelände ist eigentlich nur als Fallschutz gedacht. Wenn er aufgebuddelt wird, ist man schnell an der Dränage mit ihren Betonbrocken. Die Nachbarn hier entscheiden sich gerne, eine Spielplatzpatenschaft zu übernehmen. Das ist längst nicht immer so. „Spielplatzpaten stehen nicht gerade Schlange bei uns“, sagt der Leiter des Jugendamtes, Andreas Pap. Meist sind es Vereine, die sich bereit erklären, ab und an auf einem Spielplatz nach dem rechten zu sehen. So kümmern sich Parteien um die großen Areale und richten dort auch Spielplatzfeste aus.

„Die Aufgaben halten sich in Grenzen“, erklärt Christian Struwe von der SPD-Schwerte-Nord. Der Ortsverein der Partei kümmert sich um den Spielplatz an der Kopernikusstraße. „Wir sind da auch nicht immer vor Ort, aber die Nachbarn melden sich, wenn etwas los ist.“ Manchmal säuberte man den Platz, meistens werden die Beschwerden aber an die Stadt weitergereicht. Und zwar relativ zeitig, sodass aus kleinen Reparaturen nicht schnell eine große Sanierung wird. Denn die sorgt meist dafür, dass der Platz länger geschlossen werden muss.

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