Spahn verschärft Verbot von Therapien gegen Homosexualität

Homosexualität

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat seine Pläne für das Verbot von sogenannten Konversionstherapien gegen Homosexualität verschärft. Im Interview erklärt der CDU-Politiker, warum.

Berlin

von Rasmus Buchsteiner

, 18.12.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Spahn verschärft Verbot von Therapien gegen Homosexualität

Jens Spahn (CDU) verschäft seine ursprünglichen Pläne für das Verbot der Konversionstherapien gegen Homosexualität. © Julian Stratenschulte/dpa

Herr Spahn, Sie planen ein Verbot sogenannter Konversionstherapien gegen Homosexualität. Warum ist das Thema ein Fall für den Gesetzgeber?

Wir setzen damit ein gesellschaftliches Zeichen an alle, die mit ihrer sexuellen Orientierung hadern: „Es ist ok, wie Du bist. Das bedarf keiner Therapie. Denn Du bist nicht krank.“ Homosexualität ist keine Krankheit. Außerdem ist diese so genannte Konversionstherapie eine Gefahr für die Betroffenen. Dadurch entsteht oft schweres körperliches und seelisches Leid. Jeder Arzt, jede Ärztin, der oder die diese Therapie anbietet, muss sich den Vorwurf der Körperverletzung gefallen lassen. Und schließlich ist dieses Gesetz ein Kinder- und Jugendschutzgesetz. Konversionstherapie bei Kinder und Jugendlichen ist verboten. Wer gegen dieses Verbot verstößt, kann mit Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr bestraft werden. Eindeutiger geht’s nicht.

Kürzlich erst haben Sie den Gesetzentwurf präsentiert – an diesem Mittwoch soll er ins Bundeskabinett. Hat sich noch etwas geändert?

Wir haben das Verbot noch schärfer gefasst. Vorher gab es Ausnahmen für Heranwachsende. Das wurde gestrichen, denn gerade in dieser Altersphase finden die meisten Therapieversuche statt. Daher wird auch bei 16- bis 18-Jährigen die Konversionstherapie künftig verboten. Diese angebliche Therapie ist viel zu gefährlich für Leib und Seele, als dass man Grau-Bereiche zulassen dürfte.

Wie wollen Sie eigentlich sicherstellen, dass das Verbot auch eingehalten wird?

Das Verbot der Konversionstherapie soll im Strafrecht verankert werden. Verstöße werden wie bei anderen Strafrechts-Delikten auch je nach Schwere der Tat von Ordnungsämtern oder von Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgt. Selbst Werbung, das Anbieten und das Vermitteln von Konversionstherapie soll übrigens verboten sein. Darauf steht dann ein Bußgeld von bis zu 30.000 Euro. Ich setze deshalb auf den Abschreckungseffekt. Momentan werden Schätzungen zufolge in Deutschland jedes Jahr bis zu 2000 Konversionstherapien durchgeführt. Das sind 2000 zu viel.

RND

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