Verband: Ruhrgebiet bei Armut „Problemregion Nummer Eins“

Das Ruhrgebiet ist weiter Sorgenkind bei der Armut. Aber auch die Entwicklung im Großraum Köln/Düsseldorf ist hoch problematisch - sagt die Studie eines Sozialverbands.

12.12.2019, 06:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Ruhrgebiet als größter Ballungsraum Deutschlands zählt einer Untersuchung zufolge zu den ärmsten Regionen bundesweit. Die Industrieregion mit rund 5,8 Millionen Einwohnern sei mit einer Armutsquote von 21,1 Prozent „Problemregion Nummer Eins“ hierzulande. Das sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, laut Mitteilung am Donnerstag in Berlin bei Vorstellung des „Armutsberichts 2019“. Aber auch die Entwicklung im Großraum Köln/Düsseldorf sei stark problematisch.

Bundesweit sei die Armutsquote 2018 zwar erfreulich auf 15,5 Prozent gesunken, es zeichneten sich aber „neue Problemregionen insbesondere in Westdeutschland ab“. Den „wohlhabenden“ Ländern Bayern und Baden-Württemberg mit einer Armutsquote von zusammen 11,8 Prozent stehe Nordrhein-Westfalen mit 18,1 Prozent gegenüber. Und im Ruhrgebiet lebe sogar mehr als jeder Fünfte in Armut.

Aber auch auf den Großraum Köln/Düsseldorf mit gut fünf Millionen Einwohnern solle ein besonderes Augenmerk gerichtet werden, betonte die Analyse. Der Sozialverband sprach von einer „armutspolitischen Problemregion“. Dort seien 17,4 Prozent - rund 910 000 Menschen - im vergangenen Jahr von Armut betroffen gewesen. Das waren 198 000 Personen mehr als zehn Jahre zuvor.

Beim Blick auf das Sorgenkind Ruhrgebiet schneidet der Raum Emscher-Lippe - etwa mit Bottrop, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Datteln oder Gladbeck - am schlechtesten unter insgesamt vier „Raumordnungsregionen“ ab. 2018 waren dort 22,0 Prozent armutsgefährdet - immerhin aber deutlich weniger als 2017 mit 24,6 Prozent. Die Region mit Dortmund, Hamm und dem Landkreis Unna sieht die Studie bei einer leicht verbesserten Quote von 21,1 Prozent. Der Raum Duisburg/Essen - auch mit Oberhausen und Mülheim - komme auf 20,9 (2017: 21,4) und die Region Bochum/Hagen auf 20,7 Prozent (2017: 22,5 Prozent).

Die Caritas kritisierte, dass etwa jedes dritte Kind im Ruhrgebiet in Armut lebe. Es sei katastrophal, wenn in Gelsenkirchen 40 Prozent, in Essen 33 Prozent oder in Duisburg 29 Prozent aller unter 15-Jährigen von Hartz IV abhängig seien. Sozialleistungen für Kinder sollten gebündelt und unbürokratisch gewährt werden, forderte der Caritasverband im Ruhrbistum. Die derzeit diskutierte Grundsicherung müsse kommen.

Das Statistische Landesamt geht für NRW von einer Armutsgefährdungsquote von 16,6 Prozent für 2018 aus. Dabei liege sie bei Minderjährigen sogar bei 22,6 Prozent, berichtete IT.NRW am Donnerstag. Zehn Jahre zuvor waren 20,1 Prozent der Heranwachsenden von Armut bedroht.

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens zur Verfügung hat. Für die Armutsquote wurden laut dem Paritätischen Wohlfahrtsverband alle Personen gezählt, die in solchen Haushalten leben. Basis waren unter anderem Daten des Statistischen Bundesamts.

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