Großer Ärger über Schwimmzeiten: „Wenn das Solebad unser Geld nicht will, gehen wir halt nach Hamm“

dzSolebad Werne

Christel Hoffmann kommt seit 20 Jahren jede Woche mit einer großen Truppe ins Solebad. Doch plötzlich geht nichts mehr. Die Bahnen sind für Schulen und Vereine reserviert - und der Frust ist groß.

Werne

, 09.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einmal in der Woche kommt Christel Hoffmann (78) aus Lünen zum Schwimmen ins Solebad. Zusammen mit gut 15 Bekannten aus dem gesamten Umkreis hält sie sich seit 20 Jahren an jedem Mittwoch fit: erst mit Wassergymnastik, dann mit Schwimmen. Doch nach dem Aus des Lehrschwimmbeckens in Stockum ist die Gruppe frustriert.

Es gibt keinen Platz mehr für sie, denn der ist im Sportbecken an diesem Tag für Schulen und Vereine reserviert. „Plötzlich hat man uns im Solebad gesagt, dass wir das Sportbecken nicht mehr nutzen können“, beschreibt Hoffmann ihre Erlebnisse. Gymnastik ist also noch möglich, doch Schwimmen nicht. Warum kein Platz mehr für ihre private Gruppe im Bad ist, kann Hoffmann nicht verstehen.

Erst Solebad, dann einkaufen und essen in der Werner Innenstadt

„Wir könnten donnerstags oder freitags kommen, hat man uns gesagt“, so Hoffmann. Mit solch einer großen Gruppe mit Teilnehmern, die sogar extra aus Münster kommen, sei es nahezu unmöglich, einen neuen Termin zu finden. Außerdem wolle man das auch gar nicht nach 20 Jahren, die man bereits gemeinsam das Solebad besucht.

„Wir lassen hier viel Geld“, sagt Hoffmann. Sie und ihre Bekannten haben jeweils schon mehrfach die Solecard Platin für 300 Euro gekauft. „Und wir gehen danach immer in die Stadt. Die Restaurants sind froh über 15 Leute, die dort essen. Das will man doch eigentlich erreichen“, erklärt Hoffmann. Doch wenn sich nichts ändert im Solebad, will die Gruppe rund um Christel Hoffmann einen Schlussstrich ziehen.

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„Wenn das Solebad unser Geld nicht will, gehen wir halt nach Hamm“, sagt Hoffmann. Bei 15 Teilnehmern mit jeweils 300 Euro Ausgaben ist das ein Minus von mindestens 4500 Euro für das Bad. Rechnet man damit, dass jeder Teilnehmer schon mehrere Solecards gekauft hat, ist bei dieser Rechnung sogar noch Luft nach oben.

„Die Leute arbeiten mit unserem Geld. Es ist komisch, dass man dann so stur ist“, so die Lünerin. „Vor dem Neubau klappte das alles super.“ Zwar sei das Solebad in Werne ein schönes Bad, mit dem Hoffmann zufrieden ist, „aber wenn man uns nicht schwimmen lässt, haben wir nichts davon“.

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Einen ähnlichen Fall gab es bereits im Juni. Damals klagte ein Familienvater darüber, dass er unter der Woche nicht mit seinem Kind im Solebad schwimmen könne.

„Wir kommunizieren unseren Belegungsplan ganz klar auf Aushängen, im Internet und in der Eingangshalle, damit jeder einen Überblick darüber hat, bevor er bezahlt“, sagte Badleiter Jürgen Thöne damals.

Sportbecken ist morgens größtenteils für das Schulen reserviert

In der Vergangenheit haben sich Thöne und andere Verantwortliche des Solebads mit einem Arbeitskreis in anderen Bädern umgeschaut. „Vier Leute sind da unter Woche in einem Becken geschwommen. Das steht in keinem Verhältnis zum Angebot“, sagte Thöne damals auf Anfrage.

Nun, mit dem Aus des Lehrschwimmbeckens, ist die Belegung des Bades nochmals straffer geworden. Von 6 bis 7.45 Uhr sind öffentliche Badezeiten im Sportbecken, anschließend sind die Bahnen unter der Woche bis mindestens 13 Uhr für das Schulschwimmen reserviert. Donnerstags und freitags hält das Solebad allerdings zwei Bahnen im Sportbecken für den öffentlichen Betrieb frei.

Diese Solebad-Alternative kennt Christel Hoffmann

Für Hoffmann ist das kein Kompromiss. Eine Alternative hat die Gruppe schon im Kopf: die Maximare Erlebnistherme in Hamm. Schon in den Jahren zwischen Solebad-Abriss und Neueröffnung sei die Gruppe nach Hamm ausgewichen - und war dort zufrieden.

Zuvor sei man überall herumgefahren und habe sich viele Schwimmbäder angeguckt. Doch nach dem Solebad fühlte man sich im Maximare am wohlsten. Die Hoffnung, dass sich etwas im Solebad für private Besucher in den Vormittagsstunden ändert, hat Hoffmann noch nicht aufgegeben. „Denn eigentlich wollen wir ja gar nicht weg.“

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