Damit Autobahnbrücken sicher sind, lässt Straßen NRW sie regelmäßig überprüfen. Jetzt ist die Ruhrtalbrücke der A45 an der Reihe. Dabei gehen die Prüfer auch in Bereiche, die keiner kennt.

Ergste

, 29.10.2018, 20:36 Uhr / Lesedauer: 1 min

Domm-domm, domm-domm, dröhnt von oben das beständige Rattern der Lkw. Es ist kalt und staubig im hohlen Bauch der Ruhrtalbrücke der Autobahn 45, der für zwei Tage zum Arbeitsplatz von Thorsten Ziolek geworden ist. Wie alle sechs Jahre üblich, lässt der Landesbetrieb Straßen NRW das 528 Meter lange Bauwerk bei einer Hauptuntersuchung auf Herz und Nieren prüfen.

Durch ein unscheinbares Bullauge ins Innere

Durch ein unscheinbares Bullauge an der Brücken-Unterseite, kaum größer als ein Kanaldeckel, ist Ziolek über eine Schiebeleiter in den Hohlkasten geklettert, wie die Ingenieure die Betonkonstruktion nennen. Schon zum dritten Mal in seinem Berufsleben ist er hier. Routiniert klopft er mit einem Hammer die Wände auf mögliche Abplatzungen ab.

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Brückenprüfung der Ruhrtalbrücke in Ergste

So sieht es im Inneren einer Autobahnbrücke aus.
29.10.2018
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Durch ein Bullauge auf der Unterseite klettert Brückenprüfer Thorsten Ziolek in das Innere der Ruhrtalbrücke der A45.© Reinhard Schmitz
Bereits zum dritten Mal in seinem Berufsleben untersucht Ingenieur Thorsten Ziolek das Innere der Ruhrtalbrücke der A45.© Reinhard Schmitz
Achmed Karroum ist als Abteilungsleiter Brückenbau bei Straßen NRW zuständig für über 1000 Bauwerke.© Reinhard Schmitz
Wie in einer Patientenakte beim Arzt wird auch über jede Prüfung der Autobahnbrücken genau Buch geführt.© Reinhard Schmitz
Rohre, Elektrokabel und Verstrebungen prägen das Innere der Ruhrtalbrücke der A45. Durch die "Bullaugen" in den Stützwänden kann man bei der Prfüung von Abteilung zu Abteilung kriechen.© Reinhard Schmitz
Vom Brücken-Untersichtgerät aus wird der Boden der Ruhrtalbrücke auf der A45 zwischen Westhofen und Ergste geprüft. Der Arbeitsbühnen-Arm hängt an einem Spezialfahrzeug, das sich oben ganz langsam über den Standstreifen bewegt.© Reinhard Schmitz
Bereits zum dritten Mal in seinem Berufsleben untersucht Ingenieur Thorsten Ziolek das Innere der Ruhrtalbrücke der A45.© Reinhard Schmitz

Seine Augen suchen nach Rost an den Stahlbewehrungen und möglichen Rissen. Ein regelmäßig geführtes Bauwerksbuch hilft, Veränderungen sofort zu erkennen: „Das ist ähnlich wie eine Patientenakte beim Arzt.“ Falls es Anzeichen für Schäden gäbe, würde eine weitergehende Schadensanalyse eingeleitet.

Spezialfahrzeug fährt über Standstreifen

Außen sind gleichzeitig weitere Brückenprüfer auf der Bühne eines Untersichtsgeräts im Einsatz. Dessen Arm hängt an einem Spezialfahrzeug, das oben sich langsam über den Standstreifen bewegt. Am Montag in Richtung Dortmund, am Dienstag in Richtung Hagen. Dann kommen die Prüfer wieder in einem halben Jahr zur systemischen Beobachtung vorbei, in einem Jahr dann zur ausführlichen Besichtigung.

Ruhrtalbrücke hat kein Verfallsdatum

„Die Brücke hier hat kein Verfallsdatum“, sagt Abteilungsleiter Ahmed Karroum. Vor fünf Jahren war das 1967 errichtete Bauwerk mit zusätzlichen Spanngliedern aus Stahl verstärkt worden. Ursprünglich für 20- bis 30.000 Fahrzeuge am Tag ausgelegt, donnern heute 91.500 Fahrzeuge darüber. Und überproportional zugenommen hat dabei die Zahl der Lkw, von denen jeder die Konstruktion so stark belastet wie 60.000 Pkw. Trotzdem ist ein Neubau der Ruhrtalbrücke erst nötig, wenn die Autobahn dreistreifig verbreitert wird.

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