Woher kommt eigentlich das Holz für den Kamin? Zum Beispiel aus Schwerte-Ergste. Im Herbst durchforsten Waldbesitzer ihre Bestände. Wie die Familie Wassermann auf Gut Halstenberg.

Schwerte

, 02.11.2018, 10:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer daheim einen Kamin im Wohnzimmer stehen hat, der kann sich auf die ersten kalten Tage freuen. Dann knistert das Holz im Kamin, das Licht der Flammen flackert im Raum und das Feuer verbreitet eine wohlige Wärme. Und wer sein Brennholz auch noch bei einem heimischen Waldbauern gekauft hat, kann sich sogar über eine gute CO2-Bilanz freuen.

Denn Brennholz ist nicht gleich Brennholz. Wer zu den billigen Holzscheiten im Handel greift, kann schon mal Pech haben. „Das kann zum Beispiel Holz aus der Ukraine oder Rumänien sein“, sagt Hendrik Wassermann, Waldbauer aus Schwerte. Dort werden die Wälder unkontrolliert gerodet. Das Holz wird in Anlagen getrocknet, die teilweise mit fossilen Brennstoffen geheizt werden. Und schließlich wird das Holz nach Deutschland transportiert. Die CO2-Bilanz dieses Brennholzes ist verheerend, sagt Wassermann.

Wie es besser geht, zeigen er und sein Vater Gustav Wassermann auf ihrem Hof. Sie entnehmen dem Wald pro Jahr nur so viel Holz, wie dieser durch Wachstum erzeugt hat. Und getrocknet wird das Holz zwei Jahre lang durch Wind und Sonne. Eine weitere CO2-Einsparung ergibt sich dadurch, dass das Holz dort gelagert und getrocknet wird, wo es geschlagen wurde, es findet kein unnötiger Transport statt.

Und das ist der Weg, den das Brennholz aus Ergste nimmt:

Baumstämme, die nicht für Bauholz geeignet sind, – also nicht astrein sind – werden zunächst in ein Meter lange Stücke zersägt. Ein sogenannter Spalter viertelt diese Stücke der Länge nach. Das Holz muss gespalten werden, wenn es noch frisch ist, damit es entlang der Fasern aufbricht.

Eine weitere Maschine bündelt die Spalten zu jeweils einem sogenannten Raummeter. Die Bündel werden gestapelt und stehen dann zwei Jahre unter einer Plane im Wald oder am Wegesrand. Das Astholz bleibt im Wald liegen und kann verrotten.

Bei dieser Arbeit fällt immer etwas Holz ab, das keine vermarktbare Form hat. Das landet dann im Kamin der Familie Wassermann.

So lang ist der Weg des Brennholzes bis in den Kamin

Auf dem Gut Halstenberg werden die Holzscheite in ihre 25 Zentimeter große Endform gesägt. Auch dafür gibt es eine Spezialmaschine. © Foto Holger Bergmann

Das Holz muss lange trocknen

Meter ist nicht gleich Meter
  • Der Festmeter ist ein Raummaß für Rundholz. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter fester Holzmasse.
  • Der Raummeter ist ein Raummaß für Holzscheite von 1 Meter Länge und entspricht einem Würfel von einem Meter Seitenlänge.
  • Der Schüttraummeter ist ein Raummaß für gekürztes Scheitholz. Ein Schüttraummeter entspricht der Menge Holz, die in einen Würfel von einem Meter Seitenlänge gekippt werden kann.
  • Informationen über den Brennwert unterschiedlicher Hölzer stehen auf der Homepage von Gut Halstenberg.
Nach zwei Jahren hat das Holz eine Feuchtigkeit von unter 18 Prozent. Das Holz muss trocken sein, weil sonst beim Verheizen viel Energie dadurch verloren geht, dass erst mal das Wasser verdampft. Richtig gelagertes, trockenes Brennholz hat sogar einen besseren Wirkungsgrad als Heizöl.

Die Stücke im Bündel werden dann in 25 Zentimeter lange Stücke zersägt. Diese Länge ist nicht willkürlich gewählt. Im Kamin gestapelt, kommt so die ideale Menge Sauerstoff an das Holz. Größere Holz-Stücke erzeugen beim Verbrennen mehr Ruß, kleinere Stücke verbrennen zu schnell.

Das Gut Halstenberg verkauft Brennholz in drei Stückelungen: Nadelholz (50 Euro pro Schüttraumeter), gemischtes Laubholz (Erle, Ahorn, Birke Eiche, Esche, 65 Euro) sowie reines Buchen- Holz (75 Euro). Das Holz kann man sich nach Absprache am Gut abholen oder liefern lassen.

So lang ist der Weg des Brennholzes bis in den Kamin

Hendrik Wassermann bedient den rückenschonenden modernen Hydraulik-Spalter. © Foto Holger Bergmann

Länger als zwei Jahre sollte das Holz nicht lagern

Das Brennholz kann man zuhause noch zwei Jahre nutzen, wenn man es trocken und luftig lagert. Länger sollte man die Scheite nicht lagern, weil das Holz verrottet.

Für das Kaminfeuer gibt es Tipps vom Wald-Bauern: „Entzündet wird das Feuer mit Holzwolle und Anzündholz. Darauf kommt Nadelholz. Wenn der Kamin oder Ofen richtig heiß ist, kann man Laubholz nachlegen.“ Anzündholz gibt es auf dem Gut Halstenberg nicht zu kaufen, dafür fehlt die entsprechende Maschine.

Dass Nadelholz im Ofen für verharzte Kamine sorgt oder die Glasscheiben verschmutzt, ist für Hendrik Wassermann nach Rücksprache mit einem Schornsteinfeger ein unbestätigtes Gerücht. Er rät Kaminbesitzern, mit den Hölzern zu experimentieren, weil jedes Holz einen anderen Duft und eine andere Farbe der Flamme hat.

Der Weg des Brennholzes endet mit der Asche. Die kann man als Mineral-Dünger direkt in den Kompost geben. Wer die Asche in der Mülltonne entsorgt, sollte darauf achten, dass sie wirklich nicht mehr brennt. Asche hat in der Biotonne aber nichts zu suchen.

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