So kann das Land NRW alleinerziehenden Müttern und Vätern konkret helfen

Anhörung im Landtag

18 Prozent aller Familien in NRW sind Ein-Eltern-Familien mit rund 416.000 Kindern. Fast die Hälfte von ihnen ist von Armut bedroht. Jetzt gibt es ganz konkrete Ideen, ihnen zu helfen.

NRW

08.01.2020, 13:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
So kann das Land NRW alleinerziehenden Müttern und Vätern konkret helfen

Fast 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. © dpa

Verbände, Experten und Politiker fordern ein umfangreiches soziales und finanzielles Hilfsprogramm für alleinerziehende Mütter und Väter. Der „Dschungel an familien- und sozialpolitischen Maßnahmen“ müsse abgeschafft werden. Das empfiehlt die Bertelsmann Stiftung für eine am Donnerstag auf Antrag der SPD im NRW-Landtag angesetzte Anhörung zur Lage Alleinerziehender.

Erst kürzlich hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf das besondere Armutsrisiko Alleinerziehender hingewiesen. So seien 2017 fast die Hälfte (48 Prozent) der Alleinerziehenden in Nordrhein-Westfalen von Armut bedroht gewesen. Teilzeit, Minijobs, Zeitarbeit oder Befristungen machten es schwer, eine Familie finanziell zu versorgen.

In NRW war laut Statistischem Bundesamt 2018 fast jede fünfte Familie (18 Prozent) eine Ein-Eltern-Familie. Mit fast 90 Prozent seien die meisten Alleinerziehenden Mütter. 461.000 Kinder unter 18 Jahren wuchsen demnach 2018 in NRW in alleinerziehenden Familien auf. „Alleinerziehende gehören nach wie vor zu den am stärksten benachteiligten Gruppen in Deutschland“, resümiert die Landesgemeinschaft der Arbeiterwohlfahrt (AWO NRW).

Diese Maßnahmen könnten Alleinerziehenden helfen:

Betreuung: Schon ein Vollzeitjob oder auch Schichtdienst, Überstunden und Dienstreisen sind für Alleinerziehende ein Riesenproblem. In jedem Stadtteil oder Ort sollte daher laut AWO mindestens eine Kita erweiterte Öffnungszeiten anbieten. Als beispielhaft wird von Verbänden das Modellprojekt „Sonne, Mond & Sterne“ in Essen genannt. Im Anschluss oder noch vor der Regelbetreuung in Kita oder Schule kommt dabei eine qualifizierte „Kinderfee“ ins Haus, die die Kinder betreut. Auch die Nachmittags- und Ferienbetreuung von Schulkindern müsse erheblich ausgebaut werden.

Finanzielle Entlastung: Fast alle Experten fordern die Abschaffung des Ehegattensplittings. Außerdem profitierten Alleinerziehende nicht von der beitragsfreien Ehegattenversicherung der gesetzlichen Krankenkasse, heißt es im SPD-Antrag. Die ungünstigen steuerlichen Umstände führten dazu, dass Alleinerziehende fast ihr gesamtes Einkommen für die Lebenshaltung ausgeben müssten, weniger Rücklagen bilden könnten und eher von Überschuldung bedroht seien.

Kindergrundsicherung: Die bisherigen staatlichen Leistungen für Kinder sollten gebündelt werden, meinen die Experten. Die SPD fordert seit längerem eine Kindergrundsicherung. Diese solle alle bisherigen Einzelleistungen vom Kindergeld bis zu Hartz IV-Regelungen ersetzen. In dieselbe Richtung zielt auch die Bertelsmann Stiftung mit dem Vorschlag eines Teilhabegeldes. Dieses solle mit steigendem Einkommen der Eltern abgeschmolzen werden.

Kindesunterhalt: Der in der „Düsseldorfer Tabelle“ angesetzte Mindestunterhalt für Trennungskinder ist nach Einschätzung der Bertelsmann Stiftung trotz Erhöhungen immer noch zu niedrig. Außerdem komme der Unterhalt bei vielen Alleinerziehenden gar nicht an. Es sei kaum erforscht, warum das so sei.

Arbeitszeiten: Alleinerziehende brauchten flexiblere Arbeitszeiten und Sonderfreistellungen, wenn die Kinder krank sind, so die AWO.

Ausbildung: Die AWO plädiert auch dafür, das Programm einer Berufsausbildung in Teilzeit auszuweiten und die Zahl der betrieblichen Teilzeitausbildungsplätze zu erhöhen. Dabei müsse aber das wirtschaftliche Existenzminimum der Auszubildenden gesichert sein. Auch im Studium müsse es Teilzeitmodelle geben.

Praktische Alltagshilfe: Gutscheine für haushaltsnahe Dienstleistungen und gebündelte Auszahlungstermine für Kinder-, Wohn- und Ausbildungsgeld könnten das Leben der Familien erleichtern, schlägt der Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV NRW) vor.

Die derzeitigen Familien- und Sozialleistungen wirkten nicht zusammen und seien unübersichtlich, kritisiert die Bertelsmann Stiftung. Alleinerziehende Elternteile müssten Hartz IV-Leistungen, Kinderzuschlag, Wohngeld, Unterhaltsvorschuss und Bildungs- und Teilhabeleistungen bei verschiedenen Stellen beantragen. Das koste „enorm viel Zeit und Energie“.

dpa

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