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So gut ist das Leitungswasser in Selm

Wasserversorgungskonzept

Die Versorgung mit Trinkwasser ist in Selm für die nächsten fünf Jahre in hoher Qualität gesichert, besagt ein Gutachten. Zum Klimawandel gibt es auch Aussagen.

Selm

, 10.07.2018
So gut ist das Leitungswasser in Selm

Die Wasserversorgung Selms – unter anderem aus dem Halterner Stausee (Foto) – ist auch für die nächsten Jahre gesichert, sagen die Stadtwerke.Brede © Arndt Brede

Der Rat der Stadt Selm hat sich jetzt mit dem Wasserversorgungskonzept beschäftigt. Es listet für die Jahre 2018 bis 2023 den Ist-Zustand der Versorgungssituation der Selmer Bürger und die weitere Entwicklung auf. Vorab: Der Rat hat das Wasserversorgungskonzept – erstellt in Abstimmung zwischen der Gelsenwasser AG und der Stadt Selm – einstimmig beschlossen. Das lag an den Ergebnissen des Gutachtens, das zum Konzept-Entwurf geführt hat. Stefan Schwager, Geschäftsführer der Stadtwerke Selm, hatte es übernommen, das 102 Seiten starke Werk komprimiert zusammenzufassen. Die wichtigsten Aussagen für Verbraucher:

Wasserversorgungsstruktur für Selm:

Selm bezieht sein Wasser aus Quellen der Gelsenwasser AG und der Wasserwerke Westfalen GmbH. Konkret wird Selm derzeit aus den Wasserwerken Haltern, Halingen und Echthausen mit Trinkwasser beliefert. Rund 96 Prozent der Haushalte sind an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Für die übrigen Einwohner existieren 198 Anlagen zur Eigenwasserversorgung.

Wasserabgabe und -bedarf:

In den Jahren 2008 bis 2017 war die Wasserabgabemenge von rund 1,22 Mio. Kubikmeter (2008) auf rund 1,17 Mio. Kubikmeter (2017) geringfügig rückläufig, berichtet Schwager. Sollte eine größere Bedarfssteigerung im Prognosezeitraum eintreten, sei aufgrund der ausreichenden Wasserkapazitäten die Wasserversorgung für Selm sichergestellt, stellt das Gutachten fest.

Zur Verfügung stehende Wassermenge und mögliche Veränderungen: Der Wasserverbrauch aus dem Halterner Stausee und aus der Ruhr stagniert. Die zur Verfügung stehende Wassermenge für das Wasserwerk Haltern sei grundsätzlich ausreichend, um den Bedarf in den nächsten Jahrzehnten trotz möglicher Auswirkungen des Klimawandels zu decken, so Schwager. Insgesamt werde sich die geringere Beanspruchung der Wassermenge im Ruhreinzugsgebiet bei einem tendenziell weiter sinkenden Jahreswasserbedarf in den nächsten Jahren fortsetzen. Die wasserrechtlich genehmigten Entnahmemengen der Wasserwerke Halingen und Echthausen seien weiterhin ausreichend.

Rohwasserüberwachung und Trinkwasseruntersuchung:

Die regelmäßige Kontrolle der Wasserqualität finde auf mehreren Stufen vom Einzugsgebiet der Wasserwerke bis zum Endkunden statt. Zum Beispiel werden im Bereich des Wasserwerks Haltern jährlich rund 35.000 Analysen gefertigt, heißt es im Gutachten. Rechne man die Untersuchungen des Oberflächenwassers (rund 55.000 pro Jahr) und im Bereich des Leitungsnetzes (circa 10.000 pro Jahr) hinzu, ergeben sich mehr als 100.000 Analysen (aufgeteilt auf viele Einzelparameter) jährlich.

Untersuchungsergebnisse:

Von besonderer Relevanz und besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang der Eintrag von Pflanzenschutzmittel (PSM), Nitrat und Perfluorisierte Tenside (PFT) sowie die Belastung mit multiresistenten Bakterien beispielsweise der Gattung Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA). Grundsätzlich gelte: Im Trinkwasser der drei Wasserwerke sind keine Pflanzenschutzmittel nachweisbar (Grenzwert: 0,0005 Milligramm pro Liter). Im Trinkwasser der drei Wasserwerke seien auch keine Perfluorisierten Tenside nachweisbar (Leitwert als Anhaltspunkt: 0,0003 Milligramm pro Liter).

Beim Nitrat gilt ein Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Die Ergebnisse der Prüfungen als Jahresmittelwert: Haltern 16,8; Halingen 11,3; Echthausen 10,8. In Sachen Multiresistente Keime kommt das Gutachten zu folgenden Erkenntnissen: Haupteintragungsort von Antibiotika sowie (multi-)resistenten Bakterien sind unbehandelte Abwässer von Standorten, wo vermehrt Antibiotika angewendet werden, insbesondere solche der Human- und Tiermedizin sowie Tiermastbetriebe. Das Gutachten zitiert das Umweltbundesamt vom 15. April. Wenn das Trinkwasser „unter Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik aufbereitet wird und den gesetzlichen Anforderungen genügt“, haben demnach resistente Krankheitserreger als Auslöser von Erkrankungen durch das Trinkwasser praktisch keine Bedeutung.

Leitungsnetzqualität:

Im Verteilnetz von Selm gebe es keine Schwachstellen, die Anlass zu Sofortmaßnahmen geben, sagt das Gutachten.

Potenzielle Gefährdungen:

Da wären Sprengstoffrückstände im Grundwasser nördlich der Talsperre Haltern zu nennen. Vor allem ausgehend vom ehemaligen Werksgelände der einstigen Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoff-Actien-Gesellschaft (WASAG). Dazu heißt es im Gutachten: Die oberflächennahe Grundwassersanierung des ehemaligen WASAG-Werksgeländes und die Auskofferung von belastetem Boden werden weiter erfolgreich fortgesetzt. Damit sei die Nachlieferung von Schadstoffen in das Grundwasser zum großen Teil eingedämmt. Erste Schadstoffe dürften demnach den Nordrand der Talsperre Haltern in den 2040er Jahren erreichen. Derzeit sei unklar, ob Sprengstoffverbindungen aufgrund der hohen Verdünnung überhaupt im Talsperrenwasser nachgewiesen werden können.

Weitere potenzielle Gefährdungen:

Durch ständig verbesserte Analytik werden laut Gutachten in der Stever, im Halterner Mühlenbach und in der Ruhr organische Spurenstoffe in sehr geringen Konzentrationen (Nanogramm pro Liter) nachgewiesen. Hier seien Pflanzenschutzmittel, Arzneimittelrückstände, Röntgenkontrastmittel oder Flammschutzmittel zu nennen. Stever und Halterner Mühlenbach unterliegen in ihren Einzugsgebieten zahlreichen Einflüssen aus Landwirtschaft, Besiedlung, Gewerbebetrieben und Verkehrsströmen. Insbesondere gegen diffuse Stoffeinträge seien die beiden Flüsse nicht vollständig zu schützen. Daher werde das naturnahe Verfahren der Grundwasseranreicherung im Wasserwerk durch intensives Monitoring (Überwachung) der Wasserqualität und durch Vorbehandlung des Rohwassers mit Aktivkohle (im Bedarfsfall) flankiert.

Das Fazit

Insgesamt kommt die Verwaltung aufgrund des Gutachtens zu dem Ergebnis, dass die Qualität des Trinkwassers für Selm nicht nur für die nächsten fünf Jahre gesichert ist, sondern dass auch langfristig das Wasser quantitativ und qualitativ ausreicht, „um den Bedarf in den nächsten Jahrzehnten trotz möglicher Auswirkungen des Klimawandels zu decken“.