So fühlt es sich an, hypnotisiert zu werden: Von Esoterik-Quatsch und völliger Entspannung

dzHypnose-Praxis in Schwerte

Hypnose – dazu hat jeder eine Vorstellung: esoterischer Humbug, hilfreiche Therapie, Angst vor Kontrollverlust? Unsere Redakteurin wollte es genau wissen und hat sich hypnotisieren lassen.

Schwerte

, 19.11.2018, 11:52 Uhr / Lesedauer: 4 min

Menschen, die nichts mehr mitkriegen, völlig willenlos und wie ein Huhn gackernd über eine Bühne tippeln – ja, ich gebe zu: Wenn ich an Hypnose dachte, schossen mir bislang Gedanken an Hypnose-Shows durch den Kopf, bei denen sich Leute aus dem Publikum blamieren. Das hat sich geändert. Weil ich selbst erlebt habe, wie es sich anfühlt, hypnotisiert zu werden. Ist man völlig weggetreten, erinnert sich an nichts mehr? Ist man in der Trance gefangen, bis einen der Therapeut herausholt? Nein, ganz und gar nicht.

Mit Hypnose gegen die Spinnenangst

Mein Selbstversuch beginnt, als ich in einem bequemen Sessel in der Hypnosepraxis von Martina Berkenkamp Platz nehme. Die 59-Jährige, die vormittags als Juristin arbeitet, ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, hat sich mit der Praxis einen Traum erfüllt und bietet dort Hypnose für Erwachsene und Kinder an. Helfen soll das zum Beispiel bei Traumabewältigung, Prüfungsangst, Raucherentwöhnung, Depressionen – und auch bei Ängsten und Phobien. Und an der Stelle komme ich ins Spiel, denn damit kann ich dienen: Ich habe Angst vor Spinnen.

Mit der im Hinterkopf und wild klopfendem Herz sitze ich nun also in dem Sessel der Praxis an der Hüsingstraße. Ich bin aufgeregt. Sehr sogar. Weil ich dann doch Angst habe, völlig die Kontrolle zu verlieren. „Ganz normal“, sagt Martina Berkenkamp. „Die schickt mich nackt durch die Fußgängerzone – diese Angst haben viele. Das ist aber Unsinn. Man arbeitet in der Hypnose mit dem Unterbewusstsein, das geht nicht gegen den eigenen Willen.“

So fühlt es sich an, hypnotisiert zu werden: Von Esoterik-Quatsch und völliger Entspannung

Vor der Hypnose unterhalten sich Martina Berkenkampo (l.) und Jessica Will eine Weile, um Vertrauen aufzubauen. © BERND PAULITSCHKE

Und sie verspricht mir: Ich werde mich nach der Trance an alles erinnern können. Um auf Nummer sicher zu gehen, lasse ich trotzdem ein Diktiergerät mitlaufen. Gut, wir unterhalten uns noch ein wenig, ich fasse Vertrauen. Dann geht es los.

Beginn mit viel Klischee: Augen zu und atmen

Die Sessellehne nach hinten geklappt, bequem ausgestreckt, eine kuschelige Decke übergelegt. „Deine Arme müssen über der Decke bleiben, es kann sein, dass ich die später noch brauche. Und dann mach schon mal die Augen zu.“ Das mache ich zwar, aber ich bin definitiv aufgewühlt, aufgeregt, meine Augenlider zucken.

Und dann beginnt es so klischeehaft, dass ich fast schmunzeln muss. „Jetzt bitte ich dich, dich auf deinen Atem zu konzentrieren, auf das Ein und Aus, in deinem Tempo. Und mit jedem Einatmen stellst du dir vor, frische, unverbrauchte Energie aufzunehmen. Und mit jedem Ausatmen alles, was dich belastet und bedrückt, nach außen abzugeben.“

Mit leiser, beruhigender Stimme redet Martina Berkenkamp immer weiter. „Es kann sein, dass noch Gedanken an dir vorbeizischen, was du noch zu tun hast. Das wird aber gleich weniger.“ Noch funktioniert es nicht. Ich spüre weiter, wie mein Herz stark klopft, bin weiterhin aufgeregt.

Und irgendwann fühlt sich „esoterischer Quatsch“ gut an

Aber es wird besser, je länger die Therapeutin weiterredet. „Tief einatmen, halte die Luft für ein paar Sekunden an, und beim Ausatmen lässt du alle oberflächliche Anspannung weichen.“ Dann soll ich mich auf die Muskulatur um die Augen herum konzentrieren, sie bewusst entspannen. Ich atme ruhig weiter, und irgendwann spüre ich, dass ich ruhiger und ruhiger werde.

„Beim Ausatmen lässt du alle oberflächliche Anspannung weichen.“
Martina Berkenkamp

Meine Augenlider sind schwer, und die Entspannung kann ich, angeleitet von der Hypnotiseurin, nach und nach auf den ganzen Körper übertragen. „Lass diese Qualität der Entspannung durch deinen Körper fließen, vom Kopf zu den Füßen.“

Ich gebe zu: Ich wäre vor der Sitzung geneigt gewesen, so etwas als esoterischen Quatsch abzutun. Und in dem Moment, in dem ich diese Sätze schreibe, liest es sich auch so. Aber während der Hypnose fühlt es sich nicht so an. Sondern einfach tiefenentspannt. Und gleichzeitig viel unspektakulärer, als ich es erwartet hätte. Ich nehme tatsächlich alles bewusst wahr. Von „völlig weggetreten“ kann keine Rede sein.

Völlige körperliche Entspannung erreicht

Zehn, zwanzig Minuten geht es so weiter. Konzentration auf den Atem, die Entspannung. Zwischendurch lässt mich Martina Berkenkamp sogar die Augen öffnen und gleich wieder schließen. Dieses Mal ist kein Zucken der Augenlider mehr da. Dann nimmt sie meine Hand, hebt sie leicht an. „Wenn du bis jetzt meinen Anweisungen gefolgt bist, wird deine Hand wie ein nasser Lappen runterfallen.“ Das klappt. „Das ist jetzt der Zeitpunkt völliger körperlicher Entspannung.“

„Das ist jetzt der Zeitpunkt völliger körperlicher Entspannung.“
Martina Berkenkamp

Es folgt die geistige Entspannung. Martina Berkenkamp legt ihre Hand auf meine Schulter und zählt von eins aufwärts. „Mit jeder Zahl, die ich sage, wird die Entspannung noch größer“, sagt sie.

„Eins – die Entspannung wird größer und größer. Zwei – du merkst, dass du alles hören kannst, die Geräusche im Zimmer und draußen, aber von nun an sind alle Geräusche gleich. Drei – mit jedem Atemzug, mit jedem Herzschlag wird deine Entspannung größer und größer.“ So geht es bis zehn weiter. Vieles wiederholt sich. Und das wirkt.

Ganz verschiedene Bilder: Lieblingsstrand und Gedankenblasen

Im nächsten Schritt soll ich mir vorstellen, dass ich an meinem Lieblingsstrand bin und meinen Namen in den Sand schreibe. Die Wellen kommen und gehen, waschen ihn nach und nach weg. Es fällt mir leicht, in diese Bilder abzutauchen. Der nächste Schritt: drei Ebenen, über die ich immer tiefer abtauchen soll. Ich nicke, als ich „angekommen“ bin.

So fühlt es sich an, hypnotisiert zu werden: Von Esoterik-Quatsch und völliger Entspannung

Die Redakteurin Jessica Will hat sich bei Martina Berkenkamp (Heilpraktikerin für Psychotherapie und Hypnosetherapeutin) hypnotisieren lassen um darüber zu schreiben. © Bernd Paultischke

Irgendwann geht es darum, in einer Gedankenblase über meinem Kopf etwas erscheinen zu lassen. „Sei neugierig, was es ist, und sag mir, was es ist.“ Dreimal wiederholen wir das. Aus dem ersten Gegenstand soll ein zweiter erscheinen. Dann ein dritter. Was genau ich sehe, bleibt an dieser Stelle mein Geheimnis – auch, um hobby-psychologischen Deutungen zu entgehen. Letztlich soll dieser Gegenstand helfen, Kontakt zu meinem Unterbewusstsein aufzunehmen.

Das Unterbewusstsein, Martina Berkenkamp nennt es „Unbewusstes“, hat sie im Gespräch vor der Hypnose mit einer Schallplatte verglichen, die im Hintergrund immer mitläuft. Und unangenehme Situationen würden dicke Rillen in der Platte hinterlassen. In der Trance trete das Bewusstsein zurück, und man könne mit dem Unbewussten arbeiten. Und so die dicken Rillen „überschreiben“.

Es wird ernst: Zentrale Fragen und private Antworten

An den Punkt kommen wir jetzt, es wird „ernst“. Was läuft gut in meinem Leben, was schlecht? Mit welchen Situationen will ich besser umgehen können? Die Antworten bleiben während der Hypnose-Sitzung in meinem Kopf, ich spreche sie nicht aus. Ja, kurz taucht der Gedanke an Spinnen auf, aber auch anderes spielt eine Rolle. Als ich meine Gedanken dazu abgeschlossen habe, hebe ich als Zeichen für Martina Berkenkamp meine Hand.

Und letztlich war das auch schon alles. Über die Gegenstände und Ebenen geht es langsam wieder „zurück“. Martina Berkenkamp zählt langsam bis drei. Und ich öffne die Augen wieder. Und atme erst mal richtig tief durch. Auch, wenn mir bewusst ist, was ich erlebt habe, fühlt es sich wie ein Aufwachen an.

Entspannend, angenehm, aber auch unspektakulär

„Und wenn du jetzt an eine Spinne denkst?“, fragt Martina Berkenkamp. „Ist mir das gerade völlig egal“, antworte ich. Wobei klar ist: Eine Phobie mit einer kleinen Hypnose-Sitzung zu besiegen, ist unrealistisch. Einer Phobie liege immer ein ungelöster Konflikt zugrunde. Aber vielleicht hilft mir die Erfahrung, zukünftig etwas gelassener zu bleiben, wenn mir eine Spinne über den Weg krabbelt, wer weiß...

„Wie wars?“, fragt Martina Berkenkamp zum Abschluss. „Unspektakulär“, sage ich. Aber wirklich extrem entspannend, angenehm. Mir ist es gut gelungen, mich auf die Hypnose einzulassen, ich habe mich durchgehend wohl und geborgen gefühlt. Woran das Gefühl erinnert? Vielleicht an die Momente, bevor man tief einschläft. Und vor diesem Moment hat man ja sonst auch keine Angst.

Hypnosepraxis Berkenkamp: Preise und Termine
  • Was kostet das? 90 Euro pro Stunde. Im Durchschnitt könne man im Idealfall bereits mit vier bis sechs Sitzungen Erfolge erzielen, sagt Martina Berkenkamp. Aber genau lasse sich das im Vorfeld nicht sagen. „Es gibt Menschen, da funktioniert die Trance sofort, andere brauchen zwei, drei Sitzungen, um sich darauf einzulassen.“
  • Wie bekomme ich einen Termin? Die Praxis Berkenkamp Hypnose, Hüsingstraße 9, eröffnet offiziell am 24. November um 15 Uhr. Terminabsprachen sind schon möglich, per E-Mail an info@berkenkamp-hypnose. de oder Tel. (0179) 5 09 89 59.
  • Zahlt die Krankenkasse die Kosten? Nein. Es gebe aber entsprechende Zusatzversicherungen, so Berkenkamp.
  • Funktioniert Hypnose immer und bei jedem? Nein, sagt die Heilpraktikerin. Als Mindestmaß muss man bereit sein, sich darauf einzulassen. Und die Chemie muss stimmen. „Eine gewisse Sympathie muss da sein. Ich habe auch schon Menschen an Kollegen verwiesen, wenn die Basis nicht stimmt“, so Berkenkamp.
  • Weitere Infos unter: www.berkenkamp-hypnose.de
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