Skrupellose Züchter aus Osteuropa setzen Welpen aus: Immer mehr Fälle im Tierheim Schwerte

dzTierschutz

Ausgesetzt am A1-Rastplatz oder am Freischütz-Parkplatz: Immer öfter landen Welpen aus Osteuropa im Tierheim Schwerte. Die traurigen Geschichten haben aber oft ein Happy End - wie bei Lena.

Schwerte

, 14.01.2019, 14:08 Uhr / Lesedauer: 3 min

Voll mit Läusen und Flöhen, wenige Wochen alt - und angebunden neben einem Schild mit den Hinweis „zu verschenken“. So fand das Tierheim-Team Lena und zwei weitere Welpen 2017 an der Raststätte Lichtendorf an der A1. „Ein klassischer Fall“, sagt Catharina Seelig, Leiterin des Tierheims in Schwerte. Immer häufiger würden skrupellose Tierhändler aus Osteuropa sehr junge Hunde in Schwerte aussetzen - oft auf dem Parkplatz der Raststätte Lichtendorf, schildert sie. Auch der Tierschutzbund warnt davor, dass der illegale Welpenhandel immer mehr zunimmt.

Ein weiterer „beliebter“ Ort, um die Hunde loszuwerden: Der Parkplatz am Freischütz an der B236. Erst Ende Dezember 2018 wurde Luna hier angebunden, sechs Wochen alt - viel zu früh von der Mutter getrennt. Der quirlige Schäferhund-Mix-Welpe wartet aktuell auf der Quarantäne-Station des Tierheims darauf, ein neues Zuhauses zu finden.

„Was nicht schnell zu Geld gemacht werden kann, wird einfach ausgesetzt“, sagt Catharina Seelig zum Vorgehen derjenigen, die die Hunde aussetzen. Den Begriff „Hundezüchter“ mag sie in diesem Zusammenhang nicht nutzen: „Das sind rücksichtslose Vermehrer.“

Ausgesetzte Welpen leiden oft unter Wurmbefall

Wie alle der so ausgesetzten Hunde muss Luna noch etwas auf der Quarantäne-Station ausharren, bevor sie vermittelt werden kann. „Wenn kein gültiger Impfpass vorliegt, beobachten wir sie da 14 Tage lang.“ Denn die Welpen wurden nie medizinisch versorgt: Kein Impfschutz, keine Wurmkur. Auch Staupe oder Parvovirose treten auf: „Oft sind die Welpen krank“, so Seelig.

Skrupellose Züchter aus Osteuropa setzen Welpen aus: Immer mehr Fälle im Tierheim Schwerte

Luna wurde Ende Dezember 2018 am Freischütz-Parkplatz ausgesetzt. Hier kuschelt die Hündin im Tierheim mit dem Ehrenamtlichen Kai Kuberka. © Jessica WIll

Luna macht zwar einen topfitten Eindruck, tollt im Tierheim mit dem ehrenamtlichen Mitarbeiter Kai Kuberka herum, kuschelt sich bei ihm an. Doch auch sie hatte „einen Wurmbefall vom Allerfeinsten“, sagt Seelig. Bei den Fundhunden aus den Zuchtmaschinerien in Osteuropa der Normalfall, ebenso wie Läuse und Flöhe.

Trotzdem sind „die Vermittlungschancen sehr gut, weil sie ein Welpe ist“, sagt Seelig. Sobald Luna die Quarantäne hinter sich habe, werde es nicht lange dauern, bis sie das Herz von jemandem erobern könne. So war es auch bei Lena: Wenige Wochen, nachdem die „Promenadenmischung“ im Oktober 2017 an der Raststätte Lichtendorf gefunden worden war, zog sie bei Heike Kirsch in Schwerte-Ost ein.

Beim ersten Kennenlernen flossen Tränen

Beim ersten Kennenlernen war auch Lena damals noch auf der Quarantäne-Station untergebracht. „Ich habe vor dem Zwinger gesessen und geheult“, beschreibt Heike Kirsch, dass sie die junge Hündin sofort ins Herz geschlossen hat. Lena erinnerte sie an den vierbeinigen Vorgänger, den die Schwerterin wenige Wochen zuvor hatte einschläfern lassen müssen.

Skrupellose Züchter aus Osteuropa setzen Welpen aus: Immer mehr Fälle im Tierheim Schwerte

Bei Heike Kirsch hat Lena ein neues Zuhause gefunden. Als Welpe war der Mischling 2017 an der Autobahnraststätte Lichtendorf ausgesetzt worden. © Jessica Will

Lena lebte sich schnell gut ein - nur Autofahren machte ihr Probleme. Sobald sie in ein Auto sollte, war sie vor Angst nass gesabbert. Heike Kirsch vermutet, es lag an den Erfahrungen, die der Welpe gemacht hatte. Mit viel Geduld trainierte die 52-Jährige ihre Hündin und jetzt steigt Lena problemlos ins Auto.

„Auf jeden Fall würde ich wieder einen Hund aus dem Tierheim, auch mit so einer Vorgeschichte nehmen“, sagt Heike Kirsch, die mit Lena noch viel vor hat. Sie ist im Verein High Five aktiv, dort soll die Hündin zum Besuchshund ausgebildet werden und irgendwann Senioren in Pflegeheimen Freude bereiten.

Längere Verweilzeiten stellen Tierheim vor Probleme

Bleibt zu hoffen, dass es auch Luna so gut trifft, wenn sie die Quarantäne-Station des Tierheims verlassen darf. Erste Interessenten gibt es schon. Auch wenn das Vorgehen der Tierhändler wütend macht: Immerhin finden die Welpen oft schnell ein neues Zuhause - der Bonus von „klein, süß, verspielt“. Ein größeres Problem sind für das Tierheim die Verweilzeiten, die immer länger werden. Denn während Welpen und Kitten sehr schnell wieder ausziehen, will alte Tiere oft niemand haben, schildert Tierheim-Leiterin Catharina Seelig.

BILANZ 2018

TIERHEIM NAHM ÜBER 250 TIERE AUF

43 Hunde, 116 Katzen und 119 Klein- bzw. Wildtiere hat das Tierheim Schwerte zwischen Januar und Dezember 2018 neu aufgenommen. Bei den Hunden handelt es sich zum großen Teil um Fundtiere, die entlaufen waren und dann auch schnell wieder abgeholt worden sind, so Catharina Seelig. Auch bei den Katzen gibt es viele Fundtiere. „Die sind oft aber bewusst ausgesetzt worden“, so die Leiterin des Tierheims. Kleintiere würden glücklicherweise oft direkt im Tierheim abgegeben, nicht einfach irgendwo ausgesetzt.

„Da gibt es viele Vorurteile“, sagt sie. Viele, die schon ein Tier zuhause haben und ein zweites dazuholen wollen, glauben, das funktioniere mit einem Jungtier besser. Ein Irrtum, so Seelig. „Bei Kleintieren klappt es oft besser, wenn beide im gleichen Alter sind.“ Und auch bei Hunden sei der Welpenschutz ein Mythos - längst nicht immer klappe die Vergesellschaftung zwischen altem Hund und Welpe.

Alte und kranke Tiere haben oft keine Chance auf neues Zuhause

Ein weiteres Problem: Ältere Tiere, die ausgesetzt oder abgegeben werden, sind oft auch krank. Das bedeutet höhere Kosten für das Tierheim - und auch potenzielle neue Besitzer müssen bereit sein, mehr Geld für den Unterhalt einzuplanen, wenn Medikamente benötigt werden.

Trotzdem gibt es vereinzelt Menschen, die sich bewusst für ein altes Tier entscheiden: „Kürzlich hat sich ein Ehepaar eine alte, kranke Katze geholt, um ihr noch ein paar schöne Wochen oder Monate zu bereiten“, so Seelig. Ein Fall aus dem Bereich „chancenlos“ - der doch noch ein Happy End hatte.

Tierheim Schwerte

Verein ist auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen

Träger des Tierheims in Schwerte ist der Tierschutzverein. Der Verein finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden, so Catharina Seelig. Aktuell habe man knapp über 400 Mitglieder, zu Höchstzeiten seien es über 700 gewesen. Im Tierheim arbeiten zwei Vollzeitkräfte, dazu kommt eine junge Frau, die dort ihren Bundesfreiwilligendienst absolviert. Hinzu kommen zwei Teilzeitkräfte und die ehrenamtlichen Kräfte, die sich dort engagieren.
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