Siemens-Chef Kaeser bietet Klima-Aktivistin Neubauer Aufsichtsratsmandat an

Klimawandel

„Die Jugend soll Verantwortung übernehmen“, sagt Siemens-Chef Joe Kaeser nach einem Treffen mit „Fridays for Future“. Die Beteiligung an der umstrittenen Adani-Mine will er bis Montag „prüfen“.

Berlin

von Jan Sternberg

, 10.01.2020, 15:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Siemens-Chef Kaeser bietet Klima-Aktivistin Neubauer Aufsichtsratsmandat an

Australien, Brisbane: Demonstranten protestieren gegen ein geplantes, riesiges Kohlebergwerk, das der indischen Industriekonzerns Adani errichten will. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. © picture alliance/dpa

Nach einem Treffen mit der Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer von „Fridays for Future“ hat Siemens-Chef Joe Kaeser der 23-Jährigen einen Aufsichtsratsposten in der Konzernsparte Siemens Energy angeboten.

„Es ist nicht gut, wenn so ein Gremium nur aus weißen Männern besteht. Die Jugend soll lernen, Verantwortung zu übernehmen“, sagte Kaeser nach dem Gespräch.

Kaeser trat nach dem Gespräch alleine vor die Presse. Neubauer und ihr Mitstreiter Nick Heubeck gaben später vor dem Werk Auskunft. Da Siemens die Beteiligung am umstrittenen Adani-Kohlebergwerksprojekt nicht sofort zurückgezogen habe, sähen sie keine Basis für ein gemeinsames Pressestatement, sagten sie.

Das Aufsichtsrats-Angebot hat Neubauer sichtlich überrascht. „Dazu möchte ich gar nichts sagen“, meinte sie nach dem Gespräch. „Ich bin heute sicher nicht zu Siemens gegangen, um Aufsichtsrätin zu werden.“

Neubauer und Heubeck zeigten sich enttäuscht, dass Kaeser beim Gespräch keine Entscheidung zur Adani-Beteiligung verkündete.

Kaeser will nun am Montag über den 18-Millionen-Euro-Auftrag zur Lieferung von Signaltechnik für eine Kohlebahn in Australien entscheiden. Er sprach von einer „schwierigen Entscheidung“, bei der es auch um „Vertragstreue“, die Beziehungen zur australischen Regierung und „verschiedene Stakeholder“ gehe.

Die Klimabewegung Fridays for Future hat in deutschen Städten vor Siemens-Büros gegen eine Lieferung des Konzerns für ein Bergbauprojekt in Australien demonstriert. Am Hauptsitz des Konzerns in München übergaben Aktivisten am Freitag nach eigenen Angaben 57 000 Unterschriften einer Petition gegen das Projekt. Begleitet wurde die Übergabe von mehreren hundert Demonstranten. Nach Polizeiangaben verlief die Aktion friedlich.

Parallel zu den Demonstrationen traf sich Siemens-Chef Joe Kaeser mit Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer in Berlin. Siemens soll die Zugsignalanlage für ein geplantes riesiges Bergwerk des indischen Industriekonzerns Adani in Australien liefern. Der Konzern ist wegen des Auftrags seit längerem in der Kritik. Im Dezember hatte Siemens-Chef Kaeser angekündigt, ihn auf den Prüfstand zu stellen.

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