Sexueller Missbrauch in der Kirche: 30 neue Fälle im Erzbistum Paderborn

dzAnzeigen der Opfer

Der Skandal um sexuellen Missbrauch innerhalb der Katholischen Kirche wird immer größer. Neue Vorwürfe aus dem Erzbistum Paderborn richten sich gegen 26 Mitarbeiter.

Dortmund, Unna, Witten

, 13.11.2019, 15:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Erzbistum Paderborn – dazu gehören u.a. auch Dortmund, Unna, Hagen und Castrop-Rauxel – meldeten sich seit Jahresbeginn bis Ende Oktober 30 neue mutmaßliche Opfer von sexuellem Missbrauch. Das bestätigte Benjamin Krysmann, Pressesprecher des Erzbistums, auf Anfrage dieser Redaktion.

Dabei handle es sich hinsichtlich der Art und Schwere der Anschuldigungen um sehr unterschiedliche Tatvorwürfe, sagte Krysmann. 15 Männer und 15 Frauen hätten sich als Opfer im Erzbistum Paderborn gemeldet. Die Vorwürfe richteten sich gegen 26 Mitarbeiter der Katholischen Kirche.

In allen Fällen, so der Bistumssprecher, beträfen die angegebenen Taten lange zurückliegende Zeiten. Keine einzige beziehe sich auf eine Zeit seit dem Jahr 2000. Fünf Taten sollen zwischen 1946 und 1949, zwölf zwischen 1960 und 1969, vier zwischen 1970 und 1979, eine zwischen 1980 und 1989 sowie sechs zwischen 1990 und 1999 begangen worden sein. Bei zwei angezeigten Taten ist der genaue Zeitpunkt unklar, er liege aber auf jeden Fall vor 1970.

Fünf Beschuldigte leben noch

Von den insgesamt 26 Beschuldigten waren dem Bistum, so Krysmann, elf bereits aus anderen Anzeigen bekannt. Diese elf seien inzwischen ebenso gestorben wie acht weitere Tatverdächtige, die dem Bistum bisher nicht bekannt gewesen seien. Von zwei Beschuldigten konnten die Namen bisher nicht ermittelt werden. Fünf der Beschuldigten leben noch. „Von ihnen befindet sich keiner im aktiven Dienst“, sagte Krysmann.

Opfer können sich an die Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums Paderborn wenden: Gabriela Joepen Tel.: 0160 - 702 41 65; Prof. Dr. Martin Rehborn Tel.: 0170 - 844 50 99

In allen Fällen, in denen sich Menschen als mögliche Opfer meldeten, prüfe man zunächst, ob die angegebenen Täter noch leben und ob die angezeigte Tat grundsätzlich plausibel sei. Da gehe es beispielsweise darum, ob ein Priester zum angegebenen Tatzeitpunkt tatsächlich in der genannten Gemeinde eingesetzt gewesen sei, sagte Krysmann.

Weiterleitung an die Staatsanwaltschaft

Wenn diese Fragen geklärt seien, leite man die Anzeigen grundsätzlich an die Staatsanwaltschaft weiter und leite parallel ein kirchlichenrechtliches Verfahren ein. „Letzteres ruht allerdings, bis die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen abgeschlossen hat“, sagte Krysmann. Allerdings würden Beschuldigte in jedem Fall sofort vom Dienst suspendiert.

Die Staatsanwaltschaften in Nordrhein-Westfalen führen keine Statistiken, aus denen sich erkennen ließe, wie viele Verfahren gegen Priester, Ordensleute und andere Mitarbeiter der Katholischen Kirche geführt werden.

Vorfall in einer Jugendgruppe

Wie Staatsanwalt Henner Kruse von der Staatsanwaltschaft Dortmund auf Anfrage berichtete, seien bislang nur sehr wenige im Zuständigkeitsbereich der Dortmunder Staatsanwaltschaft eingegangen. „All diese Verfahren wurden aber eingestellt, weil die angezeigten Taten verjährt oder die Beschuldigten gestorben sind“, sagte Kruse.

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Im Jahr 2019 habe es bisher einen neuen Anzeigeneingang gegeben. Da sei es um einen Vorfall während der Fahrt einer Jugendgruppe gegangen. Es habe sich aber gezeigt, dass hier nichts vorgefallen sei, was strafrechtlich relevant sei.

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