Sexuelle Belästigung: Prozess um 23-Jährigen muss neu beginnen

Landgericht Dortmund

Im Januar 2018 soll ein psychisch kranker Mann in den Räumen des ambulanten sozialen Dienstes eine Reinigungskraft belästigt haben. Am Montag musste der Prozess in Dortmund neu beginnen.

Werne, Lünen

, 07.10.2019, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sexuelle Belästigung: Prozess um 23-Jährigen muss neu beginnen

Im Dortmunder Landgericht musste der Prozess am Montag neu beginnen. © Martin von Braunschweig

Mehrere Verhandlungstage hatten die Richter bereits hinter sich gebracht, als sich jetzt abzeichnete, dass die Kammer in dieser Besetzung nicht weitermachen konnte. Ein Mitglied des Gerichts konnte nicht garantieren, an allen geplanten Fortsetzungstagen mitwirken zu können. Das Verfahren wurde deshalb ausgesetzt und begann am Montag in anderer Besetzung von vorne.

Neue Besetzung auf der Richterbank

Wieder musste der 23-jährige Beschuldigte seine Personalien angeben. Und wieder verlas Staatsanwältin Stephanie Rößler die Vorwürfe gegen den Mann. Im Januar 2018 soll er in den Räumlichkeiten des ambulanten sozialen Dienstes in Werne erst minutenlang eine Reinigungskraft bei ihrer Arbeit beobachtet haben. Und als sich die Frau schließlich nach vorne beugte, um einen Abfallbehälter zu leeren, soll er sich an sie gedrängt und sie unsittlich befummelt haben.

Drei Monate später kam es dann in Lünen offenbar zu weiteren Zwischenfällen mit dem Angeklagten. Auf der Steinstraße soll sich der 23-Jährige zunächst abermals einer Frau genähert haben. Und nachdem sich diese in ein Haus geflüchtet hatte, soll er auf die Straße gelaufen und nacheinander auf zwei Autos gesprungen sein. Dabei entstand erheblicher Sachschaden.

Verteidiger verliest Geständnis

Zu Beginn des zweiten Prozesses hat der offenbar psychisch kranke Mann die beiden Ausraster sofort zugegeben. „Ich kann mich zwar an nichts mehr erinnern, weil ich sehr viel Alkohol getrunken hatte“, hieß es in einer vom Verteidiger verlesenen Erklärung. Und: „Ich schäme mich aber zutiefst und hoffe, dass mir alle Betroffenen meine Taten verzeihen.“ Die schriftliche Erklärung schloss mit den Worten: „Ich werde in Zukunft keine berauschenden Mittel mehr zu mir nehmen und verspreche, meine Medikamente einzunehmen.“

Offenbar leidet der Angeklagte an einer schweren psychischen Beeinträchtigung, die es ihm zumindest im zweiten Fall deutlich erschwert hat, das Unrecht seines Tuns einzusehen. In der Anklageschrift ist deshalb bereits von einer nur eingeschränkten Schuldfähigkeit die Rede.

Unbefristete Unterbringung in der Psychiatrie?

Im Prozess wird vieles auf die Einschätzung des psychiatrischen Sachverständigen Dr. Bernd Roggenwallner ankommen. Befürwortet dieser eine unbefristete Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik und kommen die Richter gleichzeitig zu der Ansicht, dass von dem 23-jährigen Werner eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, könnten die Vorfälle für den jungen Mann massive Folgen haben. Eine Unterbringung kann erst wieder aufgehoben werden, wenn die Ärzte grünes Licht für eine Entlassung geben.

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