Sexismus in Schwerte? Discounter Netto steht in der Kritik

dzSexismus-Vorwurf

Ein Discounter wirbt mit nackten Frauen und Männern für unverpacktes Obst. Auch in Schwerte hängen Plakate. Die Meinungen dazu gehen auseinander.

Schwerte

, 06.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Durch den Verzicht von Verpackungen bei Lebensmitteln lässt sich viel Müll einsparen. Der Lebensmittel-Discounter Netto will genau darauf hinweisen und wirbt auf Plakaten für das eigene Sortiment an unverpacktem Obst und Gemüse. Was gut gemeint ist, kommt jedoch nicht überall gut an.

Das Werbeplakat an der Hörderstraße zeigt eine nackte Frau, die ihre Brüste lediglich mit Äpfeln in ihren Händen bedeckt. Daneben findet sich der Spruch „Nackte Tatsache: Wir haben unverpacktes Obst und Gemüse.“ In der Bahnhofstraße ist das gleiche Plakat zu finden. Zwar gibt es auch eine Plakat-Variante mit einem nackten Mann, diese sieht man aber deutlich seltener.

Kritik in den sozialen Medien

In den sozialen Medien erntete die Werbekampagne von Netto in den vergangenen Wochen bereits viel Kritik. Dem Discounter wird von den Usern Sexismus vorgeworfen.

Auch beim Werberat – der Selbstkontrolleinrichtung der Werbewirtschaft – sind zahlreiche Beschwerden über die Werbekampagne eingegangen. Die Prüfung ergab, dass „die in der Werbemaßnahme gezeigten nackten Personen mit Objekten, dem unverpackten Gemüse, gleichgesetzt und so herabgewürdigt" werden.

Eine öffentlich Rüge wurde vom Werberat trotzdem nicht ausgesprochen, da Netto die Werbemaßnahmen zwischenzeitlich beendet hat. Auf der Homepage des Discounters ist jedoch noch ein betroffenes Bild zu sehen, die Plakate hängen in Schwerte ebenfalls noch.

Gleichstellungsbeauftragte beziehen Stellung

Bei der vergangenen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Unna stand das Thema „Sexistische Werbung“ auf der Tagesordnung. Auslöser war die Werbemaßnahme von Netto.

In einer Stellungnahme nach dem Treffen heißt es: „Die Präsentation von weiblichen Körperteilen als Verkaufsargument für alle möglichen Artikel wie aktuell unverpacktes Obst und Gemüse, die in keinem Kontext zur Nacktheit stehen, führt zu einer Objektivierung des weiblichen Geschlechts.“

Die Gleichstellungsbeauftragten streben ein bundesweites Verbot von sexistischer Werbung an, denn: „Sexistische Werbung ist frauenfeindlich, sie ist frauenverachtend und wir müssen sie auf's Schärfste verurteilen“, heißt es weiter.

Passanten stört Werbung nicht

Die meisten Schwerter Passanten, die an den Plakaten vorbei gehen, haben dagegen wenig an den Plakaten zu kritisieren. So ist von „Mich stört das nicht“ über „Mir ist das noch gar nicht aufgefallen“ bis hin zu „Das ist doch eine schöne Frau“ vieles vertreten, nur keine Kritik.

Jedoch konnten die meisten von ihnen keinen direkten Bezug zwischen dem Thema der Werbung und den nackten Personen herstellen. Genau das, was von den Gleichstellungsbeauftragten kritisiert wird.

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