Sensationsfund in Haltern: Archäologen finden 2000 Jahre alten Legionärs-Dolch

Römer in Haltern

Einen äußerst spektakulären Fund haben Archäologen bei Ausgrabungen in Haltern gemacht. Die Stücke sind spektakulär erhalten, europaweit einmalig – und geben Rätsel auf.

Haltern

14.02.2020, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sensationsfund in Haltern: Archäologen finden 2000 Jahre alten Legionärs-Dolch

Eugen Müsch (r), Restaurator des LWL-Archäologie für Westfalen und der 19-jährige Nico Calmund, Praktikant und Finder, zeigen den 2000 Jahre alten Dolch eines Legionärs. © picture alliance/dpa

Einen kunstvoll verzierten Dolch eines Legionärs und den passenden Waffengürtel aus der Zeit von Kaiser Augustus vor rund 2000 Jahren haben Archäologen bei Ausgrabungen in Haltern gefunden. Die restaurierten Stücke stellten die Experten am Freitag in Münster vor.

„Der Dolch aus Haltern zählt den bedeutendsten Funden seiner Gattung in Europa“, sagte LWL-Chefarchäologe Michael Maria Rind. Das besondere sei die Kombination aus vollständig erhaltener Klinge, Scheide und Wehrgürtel.

Die Bewohner des römischen Militärlagers bestatteten ihre Toten in Urnengräbern - eigentlich ohne Grabbeilagen. „Ein zufälliger Verlust der kostbaren Waffe samt Gürtel an dieser Stelle scheint unwahrscheinlich“, sagte LWL-Römerexpertin Bettina Tremmel bei der Präsentation.

Als erster entdeckt hat den 2000 Jahre alten Dolch der 19-jährige Nico Calmund. Er war als Praktikant bei dem Gemeinschaftsprojekt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und der Uni Trier eingesetzt und durfte nun auch bei der Präsentation in Münster dabei sein.

Kunstvoller Dolch mit Waffengürtel ist eine seltene Kombination

Die Archäologen des LWL identifizierten später einen kunstvoll verzierten Dolch eines Legionärs und den passenden Waffengürtel aus der Zeit von Kaiser Augustus vor rund 2000 Jahren. Die restaurierten Stücke stellten die Experten am Freitag in Münster vor.

„Der Dolch aus Haltern zählt den bedeutendsten Funden seiner Gattung in Europa“, sagte LWL-Chefarchäologe Michael Rind. Das besondere sei die Kombination aus vollständig erhaltener Klinge, Scheide und Wehrgürtel.

Sensationsfund in Haltern: Archäologen finden 2000 Jahre alten Legionärs-Dolch

Der 2000 Jahre alte Dolch eines Legionärs wurde samt Waffengurt und Scheide in Haltern entdeckt und in einem aufwendigen Verfahren restauriert. © picture alliance/dpa

Rätselhaft: Kein zufälliger Verlust vorstellbar

Die Bewohner des römischen Militärlagers bestatteten ihre Toten in Urnengräbern - eigentlich ohne Grabbeilagen. „Ein zufälliger Verlust der kostbaren Waffe samt Gürtel an dieser Stelle scheint unwahrscheinlich“, sagte LWL-Römerexpertin Bettina Tremmel bei der Präsentation. Von daher bleibt der Fund für die Experten an dieser Stelle etwas rätselhaft.

Bereits 1967 wurde ein vergleichbarer Dolch in Haltern gefunden, allerdings im Hauptlager der Römer und nicht in einem Gräberfeld. Wegen neuer Wohnbebauung wird derzeit in Haltern im Bereich von römischen Gräberfeldern das Erdreich gesichtet.

Dolche wurde in der römischen Zeit 40 Zentimeter tief vergraben

Die Archäologen des LWL sprechen vom Quäntchen Glück, dass man bei solchen Grabungen haben müsse. Der aktuelle Fund wurde in römischer Zeit in etwas 40 Zentimeter Tiefe vergraben, Praktikant Calmund stieß in einem Meter Tiefe auf ihn.

Wäre es etwas höher gewesen, hätte ein Pflug den Fund zerstören können, bei einer tieferen Lage wäre Dolch und Gürtel wohl stärker über die Jahrtausende durch den Abfluss von Regenwasser zerstört worden. „Wir sprechen hier vom sogenannten Einwaschhorizont“, erklärt Restaurator Eugen Müsch. Und der sei in diesem Fall eben günstig gewesen.

Restaurierung dauerte 9 Monate

Nach seiner Schilderung war der Fund „unheimlich gut erhalten. Es ist uns gelungen, den Dolch aus der Scheide zu entnehmen.“ Die anschließende Restaurierung dauerte neun Monate. Vor allem das Entfernen einer dicken Korrosionsschicht mit Schleifen und per Sandstrahl bis zur Originaloberfläche war mühsam.

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Der Sensationsfund aus Haltern in Bildern

Einen außergewöhnlichen Fund präsentierten LWL-Archäologen nun in Münster: Ein 2000 Jahre alter Dolch wurde in Haltern entdeckt und aufwendig restauriert.
14.02.2020
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So kam der Dolch aus der Erde.© LWL/Josef Mühlenbrock
Blockbergung: Die vielen Einzelteile des Gürtels wurden mits-amt dem umgebenden Erdreich entnommen, um im Labor untersucht zu werden.© LWL/Jens Schubert
Restaurator Eugen Müsch präsentiert die von ihm restaurierte Waffe.
© LWL/C. Steimer
Der im Block geborgene Gürtel wurde geröntgt, um einen ersten Eindruck von seinem Zustand zu gewinnen.© LWL/Eugen Müsch
Rekonstruktionsversuch: So könnte der Dolch mit dem Gürtel im Graben des römischen Grabhügels gelegen haben.
© LWL/Grafik Elif Siebenpfeiffer
LWL-Römerexpertin Dr. Bettina Tremmel, LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Restaurator Eugen Müsch und LWL-Chefarchäologie Prof. Dr. Michael M. Rind präsentieren den außerordentlichen römischen Fund am Freitag erstmals der Öffentlichkeit (v. l.).

© LWL/ C. Steimer
Der Waffengürtel ist für die Archäologen von ebenso großer Bedeutung wie der Dolch. © dpa
Der Dolch besitzt Einlagen aus rotem Email und ebenfalls rotem, echtem Glas. © dpa
Vorsichtig wurde der Dolch bei der Restaurierung aus der Holzscheide entfernt.© dpa
Finder Nico Calmund und LWL-Restaurator Eugen Müsch sind stolz auf ihre Arbeit.© LWL/C.Steimer

Einen vergleichbaren Fund gab es auch bereits in den Niederlanden. „Da war der Dolch aber nicht so alt und rund eine Generation jünger“, erklärt Tremmel.

Die Fundstücke sollen ab März 2022 im LWL-Römermuseum in Haltern zu sehen sein. Bis dahin werden sie eingehend von den Experten untersucht und Teil von verschiedenen Forschungsprojekten sein.

dpa

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