Senioren müssen schon seit drei Wochen auf Aufzug verzichten

dzAwo-Haus

In den zwölf Wohnungen im Awo-Haus an der Kreisstraße wohnen zumeist ältere Menschen, die nicht gut zu Fuß sind. Umso ärgerlicher, wenn der Aufzug defekt ist. Und das schon seit Wochen.

Selm

, 27.11.2018, 05:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die silbrige Doppeltür im Treppenhaus bleibt geschlossen. Da hilft es auch nicht, auf den Knopf daneben zu drücken. „Fahrstuhl außer Betrieb“, steht in großen schwarzen Lettern auf dem Zettel, der an der Tür klebt. Klein darunter ist ein Zusatz zu lesen: „Voraussichtlich bis 14.11.2018.“ Daraus ist nichts geworden.

Sebastian Laaser, Sprecher der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Unna, ist die Sache hörbar unangenehm. Die lange Dauer, sagt er, sei „schon ärgerlich“. Erst recht, wenn man erfährt, was er weiß: „Der Aufzug ist völlig intakt.“ Die Gegensprechanlage sei lediglich defekt. Die Prüfgesellschaft Dekra, die regelmäßig den Fahrstuhl prüft, habe das bei einem ihrer Routinebesuche festgestellt. „Und so lange das Problem nicht behoben ist, dürfen wir den Aufzug nicht nutzen.“ Da seien dem gesamten Team die Hände gebunden. Laaser will es sich lieber nicht ausmalen, was passieren würde, wenn der Fahrstuhl zwischen zwei Stockwerken hängen bleiben würde und niemand könne einen Notruf absetzen. „Eine schlimme Vorstellung.“

Angehörige wenden sich an die Öffentlichkeit

Die Vorstellung, sich mit weit mehr als 80 Jahren jeden Tag die Stufen hochquälen zu müssen, ist aber auch nicht viel besser. Das erleben die Bewohner der beiden Obergeschosse zurzeit jeden Tag. Den Angehörigen einer älteren Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist der Geduldsfaden gerissen. Sie hatten sich an die RN gewandt und den Missstand öffentlich gemacht.

„Eigentlich“, sagt Laaser, „sollte spätestens am vergangenen Freitag alles erledigt gewesen sein.“ Ein Telekom-Mitarbeiter habe den Aufzugnotruf nur noch freischalten müssen. Er kam auch, allerdings irrtümlich mit einem falschen Auftrag, wie der Awo-Sprecher mitteilt. Der Telekom-Mann habe Internet anschließen wollen. „Das brauchen wir allerdings nicht im Aufzug“, so Laaser. Ungetaner Dinge ging es wieder zurück. „Ich hoffe, dass wir das im Laufe dieser Woche abschließen können.“

Awo: Wer Hilfe braucht, soll sich melden

Die Männer und Frauen, die in zwölf Wohnungen das Angebot betreutes Wohnen nutzen, müssen sich weiter mit den Stufen quälen. Oder in ihren Wohnungen bleiben. Laaser weiß, dass das eine Zumutung ist. „Wer immer gravierende Probleme hat und von niemandem Unterstützung bekommt, kann sich gerne bei uns melden. Dann finden wir eine Lösung.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Schuljahr 2020/21

Schulcheck: Gymnasium St. Antonius setzt auf Digitalisierung und internationale Kontakte

Hellweger Anzeiger Umweltverschmutzung

Ärger über Zigarettenstummel: So setzt sich eine Selmerin für ein schöneres Stadtbild ein

Meistgelesen