Selmer Bücherturm hat die 78-Meter-Marke fast geknackt

Vorlesetag

78 Meter hoch sollte der Bücherturm am Vorlesetag bei einer Aktion des Vereins GANZ Selm werden. Wir haben die Veranstalter bei ihrer Tour durch die Selmer Schulen und Kitas begleitet.

Selm

, 26.11.2018, 16:34 Uhr / Lesedauer: 5 min
Selmer Bücherturm hat die 78-Meter-Marke fast geknackt

Insgesamt 72,61 Meter war der Selmer Bücherturm am Ende hoch. © FOTO:CAROLIN WEST

Insgesamt 17 Selmer Schulen und Kindergärten haben zum bundesweiten Vorlesetag Bücher gestapelt. Erklärtes Ziel des Vereins GANZ Selm, der die Aktion organisiert hatte: 78 Meter. So hoch sollte der Bücherturm - zusammengerechnet aus den einzelnen Türmen der Schulen und Kitas - werden. Ursprünglich orientierte sich dieses Ziel an Selms Lage über Normalhöhennull. Die Recherche der Organisatoren ergab jedoch, dass Selm in Wahrheit nur 56 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der fehlerhafte Internetartikel war schnell geändert, das Ziel blieb jedoch das Gleiche.

Am 16. November, dem bundesweiten Vorlesetag, hatten sich Lothar Kirchner und Hubert Schaeper von GANZ Selm dann einiges vorgenommen: Bis auf die Ludgerischule, die aus Zeitgründen selbst ihren Bücherturm maß, wollten sie alle teilnehmenden Selmer Schulen und Kitas besuchen. Immer mit dabei: das Maßband. Anfangs begleitete auch Christian Kokesch von der Marktbuchhandlung die Mess-Aktion. Er spendete einen der Preise. Auf einem eng getakteten Zeitplan war die Reihenfolge der zu besuchenden Einrichtungen festgelegt. „Wir hoffen, dass alle schon fleißig gestapelt haben und wir mit der Zeit hinkommen“, sagte Lothar Kirchner, Pressesprecher von GANZ Selm, im Vorfeld.

Teilstandorte der Äckernschule haben fleißig Bücher gestapelt

Die Tour der drei Messbeauftragten begann am Vorlesetag um 8.30 Uhr in der Grundschule „Auf den Äckern“, Teilstandort Cappenberg. Die Schüler stapelten noch die letzten Bücher, während Christian Kokesch bereits das Maßband an die fertigen Türme legte und Hubert Schaeper die Zentimeter notierte. Vier Klassen der Grundschule hatten ihre Bücher im Flur aufgebaut. „Wir machen später eine Tauschbörse“, erklärte Maria Göddeke, Klassenlehrerin der 4c. Und so hielt sich die Äckernschule an den Vorschlag des Vereins GANZ Selm, die Bücher nicht nur mitzubringen, sondern nach der Messung auch auszutauschen. „Das ist aber kein Zwang“, sagte Lothar Kirchner. „Wer seine Bücher behalten möchte, darf das natürlich.“

4,51 Meter war der Turm des Teilstandortes der Äckernschule insgesamt hoch - und im Teilstandort Bork wartete noch einmal ein beinahe doppelt so hoher Turm auf Lothar Kirchner, Hubert Schaeper und Christian Kokesch. Dort hatten neun Klassen ihre Bücher in der Aula gestapelt. „Oh der Turm ist hoch“, staunten die Schüler, die noch Bücher nachbrachten und verglichen sich mit den anderen Klassen. Mit einer Höhe von insgesamt 13,04 Metern war der Turm der Äckernschule der höchste der Grundschulen.

Die Fuchsklasse liest am liebsten

In der Overbergschule stach vor allem eine Klasse mit ihrer Leselust hervor: die Fuchsklasse. „Die lesen wirklich viel“, kündigte Schulleiterin Christine Jücker vor Betreten des Klassenraumes an. Denn die Grundschüler hatten die Bücher jeweils in ihrer Klasse gestapelt. Knapp 140 waren das in der Fuchsklasse - der höchste Turm der Overbergschule. „Er hätte noch höher sein können“, sagte die neunjährige Norina. „Aber ich lese meistens Bücher aus der Bücherei, die konnte ich nicht mitbringen.“ Insgesamt war der Bücherturm der Grundschule an der Kreisstraße 5,08 Meter hoch.

Ganz so hoch war der Stapel der Ludgerischule nicht. 4,7 Meter maß Schulleiterin Stefanie Brockhaus am Vorlesetag. Dass allein die Grundschulen fast ein Drittel der erhofften Gesamthöhe zusammenbekamen, machte den Organisatoren jedoch Hoffnung. „Das ist schon einmal toll“, sagte Hubert Schaeper. „Wir haben noch viele Kitas dabei und hoffen natürlich auf die weiterführenden Schulen.“ Problematisch könne es nur werden, wenn die älteren Schüler inzwischen lieber auf dem E-Book-Reader lesen als in einem Buch.

Kindergartenkinder stapeln mehr als 20 Meter hoch

Knapp 20,5 Meter hoch war der Turm der elf teilnehmenden Selmer Kitas insgesamt. Somit erreichten die Kindergartenkinder zusammen beinahe dieselbe Turmhöhe wie die Grundschüler. Der höchste Kita-Turm stand in der Kita St. Johannes in Cappenberg. „Für die Kinder war das hier wie ein Wettbewerb zwischen den drei Gruppen“, erzählte die stellvertretende Kita-Leiterin Susanne Westrup. „Bären, Bären, Bären sind die Größten“, machte die Bärengruppe dann auch gleich ihren Standpunkt klar. Und tatsächlich hatte die Gruppe die meisten Bücher gesammelt - mehr noch als die Eltern und Erzieherinnen, die die Kinder mit ihren Büchern unterstützten.

Die Idee mit dem Büchertausch kam bei den Kindergartenkindern allerdings weniger gut an. „Viele Kinder haben ihre Lieblingsbücher mitgebracht“, erzählte Holger Bott, Leiter der Kita St. Trinitatis in Bork. „Die sollen natürlich auch wieder mit nach Hause genommen werden.“ Welche Bücher auf den Turm sollten, entschieden die Kinder jedoch nicht nur nach Geschmack. „Ich habe extra mein dickstes Buch mitgebracht“, sagte Henrike aus der Kita „Die kleinen Strolche“ stolz. „Der Turm sollte ja schon hoch werden“, erklärte Erzieherin Sabrina Jokmann und lächelte.

Schülerin des Förderzentrums hat eine Reisetasche voller Bücher

Und auch wenn dank der Kindergärten und Grundschulen schon deutlich mehr als die Hälfte der Wunschhöhe erreicht werden konnte, zweifelten die Organisatoren langsam. „Da müssten die weiterführenden Schulen jetzt noch ordentlich nachlegen“, sagte Hubert Schaeper. „Aber die 56 Meter knacken wir auf jeden Fall.“ Der Bücherturm im Förderzentrum Nord brachte Lothar Kirchner und Hubert Schaeper schon einmal 5,34 Meter näher ans Ziel. Und zu dieser Höhe habe vor allem eine Schülerin beigetragen, wie Schulleiterin Doris Kraft erzählt. „Eine Siebtklässlerin hat eine ganze Reisetasche voller Bücher mitgebracht“, erzählte sie. „Das war dann auch für einige andere Schüler faszinierend zu sehen, dass jemand so viele Bücher zu Hause hat.“

Lehrerin Claudia Wiesmann von der Selmer-Lagerlöf-Sekundarschule hoffte auf einen mindestens fünf Meter hohen Turm. „Das sind die Bücher der Klassen 5 bis 7“, erklärte sie mit Blick auf die Bücherstapel in der Mensa. Ein Teil werde im Nachgang der Schulbücherei gespendet, die übrigen Bücher würden innerhalb der Klassen getauscht. Ganz Unrecht hatte Claudia Wiesmann mit ihrer Schätzung nicht: 5,71 Meter maß der Turm der Sekundarschule.

Gymnasiasten haben den höchsten Turm gebaut

„Beim Gymnasium erwarten wir jetzt den höchsten Turm“, sagte Lothar Kirchner von GANZ Selm. „Allein schon, weil es die Schule mit den meisten Schülern ist.“ Ob die Bücherstapel des Gymnasiums jedoch ausreichten, um das Ziel von 78 Metern zu erreichen, sei nicht abzuschätzen. „Ich bin etwas enttäuscht von dem Stapel unserer Stufe“, erklärte die 17-jährige Lynn Olthaus mit einem Blick auf den kleinen Stapel der Elftklässler. „Ich selbst lese gern, vor allem Romane von Nicholas Sparks.“ Insgesamt waren die Stapel der höheren Klassenstufen deutlich niedriger als die der Unter- und Mittelstufe. „Neben der Schule ist es gerade kurz vor dem Abitur etwas schwieriger, Zeit zum Lesen zu finden“, erklärte Lynn Olthaus.

Trotzdem war der Bücherturm des Städtischen Gymnasiums insgesamt 18,31 Meter hoch und damit der höchste aller Bücherstapel. Aber reichte das, um die 78-Meter-Marke zu knacken? Nicht ganz. Der Selmer Bücherturm war mit 72,61 Metern am Ende zu niedrig, um das erklärte Ziel zu erreichen. Zufrieden waren die Organisatoren dennoch.

Bücherturm ist höher als der Kirchturm

„Wir haben das Ziel ja fast erreicht“, sagte Lothar Kirchner im Anschluss an die Aktion am bundesweiten Vorlesetag. „Und die 56 Meter haben wir deutlich übertroffen.“ Auch sei der Selmer Bücherturm um 61 Zentimeter höher als der Kirchturm von St. Ludger. „Es war vor allem schön, zu sehen, wie vielfältig die Schulen und Kitas sind und dass überall so viel gelesen wird“, fügte Hubert Schaeper hinzu. Denn das sei das Wichtigste am Vorlesetag: das Lesen. Und das zeigten viele der Schulen und Kitas auch mit zusätzlichen Leseaktionen wie Vorlesewettbewerben und Lesungen. „Selm ist nicht umsonst die Vorlesehauptstadt 2015 geworden“, resümierte Lothar Kirchner.

Als Belohnung für die Teilnahme an der Aktion „78 Meter“ wurden drei Preisträger ausgelost und ein Sonderpreis vergeben. Das Förderzentrum Nord erhält 15 Eintrittskarten für „Die drei Fragezeichen“-Lesung in der Stadtbücherei am 26. Januar, gesponsert von der Bib. Die Grundschule „Auf den Äckern“ gewann einen Büchergutschein für die Marktbuchhandlung und die Kita Siloah einen Gutschein für das Geschäft „Spielen und Träumen“, bereitgestellt von den Ruhr Nachrichten. Der höchste Turm, in diesem Fall der des Städtischen Gymnasiums, erhielt den Sonderpreis: 50 Euro für die Leseförderung, gesponsert von GANZ Selm.

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