Sechsjährige ist wieder da: Polizei ermittelt jetzt, wo das Mädchen fünf Tage lang war

dzStrafbares Verhalten?

Fünf Tage wurde das Mädchen vermisst. Am Dienstag brachte ein Angehöriger das Kind zur Polizei. Die Beamten ermitteln jetzt, wo sich die Sechsjährige zwischenzeitlich aufgehalten hat.

Lünen

, 21.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Vermisstenmeldung des sechsjährigen Mädchens aus Lünen hat über die Stadtgrenzen hinaus viele Menschen bewegt. Auf Facebook wurde die Suche vielfach geteilt.

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Kleine im Beisein des Vaters in Lünen unterwegs sei, hieß es in der ersten Polizeimeldung von Freitag (17.1.). Zuletzt sei das Kind am Donnerstag (16.1.) an der Görlitzer Straße in Horstmar gesehen worden. Wo die Sechsjährige während der Zeit tatsächlich war, wird jetzt von der Polizei ermittelt.

Am frühen Dienstagmorgen (21.1.) kam dann die erlösende Nachricht. Das Mädchen ist wieder da. Es wurde in der Frühe zur Lüner Polizeiwache gebracht. Von wem, wollte die Polizei nicht sagen. Nur so viel: Es sei nicht der Vater gewesen. Ein Polizeisprecher sprach von einem „nahen Angehörigen“.

Das Mädchen sei unverletzt. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut, hieß es.

Polizei prüft strafbares Verhalten

Die Polizei prüft, ob strafbares Verhalten vorliegt. Nach Paragraph 235 kann das der Fall sein, wenn ein Minderjähriger Eltern, dem Pfleger oder dem Vormund entzogen oder vorenthalten werde. Aktuell, so teilte die Polizei mit, habe das Jugendamt das Sorgerecht für die Sechsjährige. Wie berichtet, hat die Stadt nach der Rückkehr der Sechsjährigen die weitere Betreuung übernommen.

Auf Anfage heißt es bei der Stadt, dass man sich mit Rücksicht auf das Mädchen nicht näher zu dem Fall äußern werde. Allerdings sei es so pauschal nicht richtig, dass das Jugendamt das Sorgerecht habe. Denn es könnten auch nur Teilbereiche übertragen oder entzogen werden.

Sechsjährige ist wieder da: Polizei ermittelt jetzt, wo das Mädchen fünf Tage lang war

Das Jugendamt kümmert sich um das sechsjährige Mädchen. © Matthias Stachelhaus

Fachdezernent Ludger Trepper erklärt, wie grundsätzlich mit Minderjährigen verfahren werde, die nicht mehr in ihrer Familie leben können. Sie würden zunächst in eine Bereitschaftspflege und dann zu einer Pflegefamilie kommen.

330 Lüner Kinder leben nicht in ihrer Familie

Aktuell leben 215 Kinder in einer Vollzeitpflege, das heißt in einer Pflegefamilie oder einer Bereitschaftspflege. Weitere 115 Kinder seien in Heimen untergebracht. „Die Zahlen sind in Lünen schon seit Jahren stabil“, so Trepper.

Wenn Kinder in Pflegefamilien oder im Heim leben, heißt das nicht zwangsläufig, dass den Eltern das Sorgerecht entzogen wurde. „Es gibt auch Situationen, in denen die rechtliche Vertretung nur für Teilbereiche festgelegt wird“, erklärt Trepper.

In manchen Fällen würden Kinder im Einvernehmen mit den Eltern aus der Familie genommen, manchmal seien Eltern bei der Erörterung am Familiengericht einsichtig. Doch es gebe auch Fälle, wo das Jugendamt in einer akuten Gefährdungdssituation eine Entscheidung treffen müsste. Die so genannte Inobhutnahme bedürfe immer eines richterlichen Beschlusses.

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