„Schwitzen statt Sitzen“ verliert an Zuspruch

Mit dem Programm „Schwitzen statt Sitzen“ soll verhindert werden, das Menschen ins Gefängnis kommen, die nur zu Geldstrafen verurteilt wurden. Doch immer weniger von ihnen finden den Weg in das Programm.

03.10.2019, 09:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Schwitzen statt Sitzen“ verliert an Zuspruch

Blick in eine Zelle in der Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf. Foto: Oliver Berg/dpa

Das Programm „Schwitzen statt Sitzen“, das Gefängnishaft vermeiden soll, hat in Nordrhein-Westfalen deutlich an Zuspruch eingebüßt. Das geht aus Zahlen des NRW-Justizministeriums hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

So waren im Jahr 2014 verurteilten Straftätern und Steuerzahlern noch 214 000 Hafttage auf diese Weise erspart worden. Danach ging die Zahl kontinuierlich zurück. 2017 waren es nur noch 152 000 Tage. Das entspricht einem Rückgang um 29 Prozent. Für die Zeit nach 2017 liegen noch keine Zahlen vor.

Wurden dem NRW-Strafvollzug 2014 auf diese Weise die durchgängige Belegung von 587 Haftplätzen erspart, waren es 2017 nur noch 416 Plätze.

Mit dem Programm können Straftäter, die ihre Geldstrafen nicht bezahlen können, diese durch gemeinnützige Arbeit verbüßen, anstatt sie im Gefängnis absitzen zu müssen.

Waren 2014 noch 7950 Verurteilte in das Programm aufgenommen worden, sank ihre Zahl 2017 auf 5780 Menschen. Während es 2014 gelang, 9,2 Prozent der Geldstrafen durch gemeinnützige Arbeit zu tilgen, sank der Anteil im Vergleichszeitraum auf 6,3 Prozent.

Das Justizministerium betonte, das Angebot an Arbeitsmöglichkeiten sei nicht eingeschränkt worden. Es liege auf nahezu identischem Niveau. Vermutlich seien die Betroffenen durch diverse Probleme immer weniger in der Lage, über längere Zeit einer Beschäftigung nachzugehen.

Ein Großteil der Menschen mit offenen Haftbefehlen in Nordrhein-Westfalen sollte ursprünglich gar nicht ins Gefängnis. Zuletzt waren dies im September 19 400 Haftbefehle, die vorlagen, weil Geldstrafen nicht bezahlt wurden.

Diese sogenannten Ersatzfreiheitsstrafen sind vielen Justizexperten ein Dorn im Auge, weil sie teure Haftplätze blockieren mit Menschen, die gar nicht in Haft sollten.

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