Der Elektrotechniker Jörg Tappeser schwört auf Solaranlagen. Nicht nur für seine Kunden. Er selbst betankt seine Autos mit Strom, den er auf dem Dach des eigenen Hauses gewinnt.

Villigst

, 03.12.2018, 05:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn es um Photovoltaik geht, ist Jörg Tappeser kaum zu bremsen. Aber wenn es darum geht, Elektro-Autos mit Sonnenenergie vom eigenen Dach zu betanken, wird der Elektrotechniker ein leidenschaftlicher Missionar für die erneuerbare Energie, die die Sonne der Welt gratis zur Verfügung stellt.

Tappeser lebt davon, seinen Kunden Photovoltaik-Anlagen aufs Dach und Speicher in den Keller zu bauen. Und immer häufiger ist sein Knowhow gefragt, wenn es um Ladestationen für Elektroautos geht. „Ich frage dann gern: Und dieses tolle Auto wollen Sie mit Strom aus Braunkohle füttern?“, berichtet Tappeser von seinen Beratungsgesprächen, in denen er nicht müde wird, eine Kombination aus Photovoltaik und Elektromobilität zu werben.

Solarmodule „schmücken“ das ganze Haus

Und er redet nicht nur. Zu Hause macht er vor, wie es gehen kann. Viele Flächen seines Hauses am Elsetalweg sind von Solarmodulen bedeckt. Unter dem Carport stehen zwei Elektro-Autos: Der Smart läuft ausschließlich auf Strom, der Passat ist ein Hybrid-Modell. Tappeser: „Der kleine Wagen hat mit einer Tankfüllung eine Reichweite von 160 Kilometern. Der Kombi fährt auf Hybrid 50 Kilometer, danach weiter auf Benzin, ermöglicht dadurch aber größere Reichweiten ohne Ladevorgänge.“ Der Strom für die beiden Wagen kommt aus den Solarmodulen am Elsetalweg. Da wird nichts zugekauft. „Mit den Fahrzeugen sind wir autark“, erzählt Tappeser stolz. „In fünf bis sechs Jahren wird nicht mehr jeder Bürger ein Auto fahren können“, prognostiziert er das Ende der nicht unerschöpflichen Öl-Vorräte. „Dann wird die Sonne aber immer noch scheinen und wir mit unseren E-Autos unterwegs sein.“

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Die Einspeisevergütung sei schon länger kein echter Anreiz mehr für den Einbau von Photovoltaik. Gleichzeitig seien aber die Preise für die Solar-Module auf das niedrigste Niveau seit Jahrzehnten gesunken. Tappeser rät seinen Kunden dennoch zum Einbau, denn „die Amortisation ist wegen der parallel gesunkenen Anschaffungspreise trotz der geringen Einspeisevergütung gleich geblieben.“

Daheim hätte er gern Erdwäme

Vor allem jedoch macht Tappeser Interessenten in Beratungsgesprächen deutlich, dass die eigene Nutzung des selbstproduzierten Stroms Sinn macht. Er selbst wird für seine Firma 2019 einen Kastenwagen mit Elektroantrieb anschaffen. „Nur zum Ziehen von Anhängern können wir leider nicht auf den Diesel verzichten“, bedauert der selbstständige Unternehmer.

Was nicht heißt, dass er für Zuhause und die Firma nicht weitere Pläne hätte. Die Heizung im Haus gefällt ihm zum Beispiel nicht. „Wir haben hier eine Gasheizung, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat“, erzählt er. Weil man das Mehrfamilienhaus nicht mit Sonnenenergie heizen kann (in hiesigen Breitegraden scheint die Sonne dafür ganzjährig nicht genug), hat Tappeser eine Tiefenbohrung für Erdwärme im Sinn – eine nicht gerade preiswerte, aber für ihn geradezu ideale energetische Nutzung vorhandener Ressourcen.

Das Finanzamt steigt mit aufs Dach

Tappeser schreckt auch der bürokratische und behördliche Aufwand nicht ab. Immerhin haben das Finanzamt und der Zoll ihre Finger im Spiel, sobald ein Bürger Einnahmen durch seine Photovoltaikanlage erzielt. Anmeldung und Abrechnung sind nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Da hat auch schon so mancher Steuerberater hinzulernen müssen.

Insgesamt haben die Tappesers auf ihrem Villigster Dach eine Solaranlage mit einer Leistung von 15 kWp (Kilowatt peak). Das liegt deutlich über dem Durchschnitt von 8,5 kWp, die nach Angaben der Stadtwerke die 684 Photovoltaikanlagen auf Schwerter Dächern leisten – insgesamt 5,8 MWp (Megawatt peak), so Marc Schlabbach von den Stadtwerken. Auch er bedauert, dass der Photovoltaik-Ausbau durch Förderkürzungen begrenzt worden sei und sagt: „Einerseits bedarf es vermehrt Aufklärungsarbeit und Beratung, um Kunden die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit aufzuzeigen, die eine Photovoltaikanlage durch Selbstnutzung des Solarstroms mit sich bringt, andererseits ist es deutlicher schwieriger geworden, PV-Projekte ohne Selbstnutzung als reine Volleinspeiser wirtschaftlich umzusetzen.“

Stadtwerke suchen weitere freie Flächen

Schlabbach beobachtet seit 2017 wieder ansteigende Installationszahlen. Er erklärt: „Hintergrund dieses Revivals ist sicher nicht zuletzt in weiter fallenden Anlagen- und Batteriespeicherpreisen zu sehen. Außerdem befördert jeder Strompreisanstieg die Diskussion um die Erlangung einer zumindest teilweisen Autarkie.“ Rund 15.000 Euro, so rechnet Jörg Tappeser vor, koste es, ein Einfamilienhaus mit Photovoltaik inklusive Speicher auszustatten. In 12 bis 15 Jahren könne sich die Investition amortisieren.

Die Stadtwerke Schwerte betreiben zur Zeit neun eigene Anlagen mit insgesamt 590 kWp und suchen stetig nach potenziell interessanten Dach-Flächen. Marc Schlabbach: „Für eine Projektierung sehen wir uns dann an, wie der Strom verwendet werden kann. Kann er vor Ort veräußert und verbraucht werden oder wird er voll in das Versorgungsnetz eingespeist?“ Die direkte Verwendung vor Ort habe neben der unmittelbar netzentlastenden Wirkung ebenso Auswirkungen auf die Stromkosten der Bewohner.

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