13-Jähriger aus Schwerte findet beim Baden in der Ruhr Munition aus dem Zweiten Weltkrieg

dzWaffen in der Ruhr

Als der 13-jährige Filip in der Ruhr seine Taucherbrille ausprobierte, entdeckte er einen Stahlzylinder. Der entpuppte sich als gefährliche Geschützmunition. Solche Funde sind nicht selten.

Schwerte

, 08.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Familie Jarko aus Schwerte ging am 30. Juli, wie viele andere zur Ruhr, um sich abzukühlen. Mama Jolanta (37), Papa Gian-Luca (43) und Sohn Filip (13) suchten sich eine Stelle abseits. Als sie ein Fleckchen gefunden hatten, setzen sie sich und Sohn Filip stürmte sofort ins Wasser.

„Mit seiner riesigen Taucherbrille fand er viele interessante Dinge in der Ruhr“, erinnert sich Jolanta Jarko. Erst fand er einen alten Gummistiefel, dieser war noch harmlos. Doch plötzlich warf der 13-Jährige mit einer Kriegswaffe, sehr zum Schrecken seiner Eltern.

Gefährlicher Fund in der Ruhr

Als den Eltern dämmerte, was ihr Sohn gefunden hatte, riefen sie ihn dazu auf, nicht mehr damit herumzuwerfen. Papa Gian-Luca machte ein paar Fotos von dem Fundstück seines Sohnes, dann rief er die Polizei.

Als diese eintraf, wartete die Familie noch etwas ab, denn sie wollte wissen, was genau ihr Sohn gefunden hatte und wie jetzt damit umgegangen wird.

Die 37-Jährige sagt: „Die Polizei teilte uns dann mit, dass sie das Militär gerufen hätte, weil sie es nicht selbst entfernen dürfe. Filip ist noch immer fasziniert von seinem Fund und würde gerne wissen, was daraus geworden ist.“ Da das ganze Geschehen andauerte und die Tochter, die nicht anwesend war, vom Hort abgeholt werden musste, machte sich die Familie auf den Weg nach Hause.

Zumindest auf die Frage, um was es sich bei dem Zylinder handelt, fanden wir eine Antwort. Auf Nachfrage bei der Bezirksregierung Arnsberg, handelt es sich bei der gefundenen Waffe um ein Munitionsteil aus Beständen des Deutschen Reichs, wahrscheinlich um eine Geschützkugel. Der Lokalhistoriker Alfred Hintz sagt über das Fundstück: „Diese Kugel saß auf einer mit Pulver gefüllten Patronenhülse und wurde durch die Explosion gegen das Ziel gefeuert.“

Kampfmittelverordnung

Solche Funde sind häufiger, als man glauben mag. Gerade in der Ruhr tauchen immer wieder Waffen oder Munitionsteile auf. Damit niemand zu Schaden kommt, gibt es einiges zu beachten für alle, die überraschend solche explosiven Gegenstände in Händen halten.

In der Kampfmittelverordnung des Landes (Ordnungsbehördliche Verordnung zur Verhütung von Schäden durch Kampfmittel) steht beschrieben, was bei einem Fund zu beachten ist, was genau unter „Kampfmittel“ zu verstehen ist und wer dazu befugt ist, sich um die Beseitigung solcher Kampfmittel zu kümmern. Außerdem: Was hat ein Fehlverhalten für Konsequenzen?

Zur eigenen Sicherheit sollten beim Auffinden von Kampfmitteln die folgenden Verhaltensregeln in jedem Fall beachtet werden:

  • Kampfmittel nicht berühren.
  • Wurden Kampfmittel versehentlich mit der Hand aufgenommen, vorsichtig ablegen.
  • Wurde das Kampfmittel durch eine Baumaschine erfasst oder auf ein Fahrzeug verladen, Kampfmittel in der Lage belassen! Maschine abstellen und sichern.
  • (Weitere) Erschütterungen vermeiden, Arbeiten am Fundort einstellen.
  • Fundstelle markieren.
  • Fundort räumen.
  • Unbefugte vom Fundort fernhalten und warnen.
  • Polizei und Ordnungsamt alarmieren.

Funde in NRW:

Die Bezirksregierung Arnsberg gab der Redaktion gegenüber folgende Zahlen über Waffenfunde:

  • geborgene Abwurfmunition ab 50 kg (aus Verdachtspunkten): 291
    • davon lagen 64 im Bereich der Bezirksregierung Arnsberg
  • geborgene Abwurfmunition bis 49 kg (überwiegend Stabbrandbomben INC 4 und INC 30): 2520
    • davon lagen 1305 Stück im Bereich der Bezirksregierung Arnsberg
  • geborgene Kampfmittel allgemein (z.B. Artilleriegranaten, Gewehrmunition, Handgranaten): 13.068
    • davon lagen 513 im Bereich der Bezirksregierung Arnsberg
  • geborgene Zufallsfunde (Abwurfmunition/Kampfmittel allgemein): 2.265
    • davon lagen 348 im Bereich der Bezirksregierung Arnsberg
  • präventive Maßnahmen (z.B. Kriegsluftbildauswertung, Ortstermine, Bohrlochsondierungen, Detektionen): 34.046
    • davon lagen 8509 im Bereich der Bezirksregierung Arnsberg
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