Die Schwerter Feuerwehr will in acht Minuten am Brandherd sein. Das hat sie in den letzten fünf Jahren selten geschafft. Was das bedeutet und wie es besser werden soll.

Schwerte

, 09.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Brandschutzbedarfsplan – das ist ein sperriges Behördenwort für ein Thema, dass für alle Einwohner wichtig ist. Er regelt nämlich, wie die Feuerwehr schnell zum Brand oder zu einer anderen Gefahrenstelle kommt, und was die Stadt dafür tun will.

Alle fünf Jahre muss das Papier erneuert werden. 2014 wurde der letzte erstellt, also musste nun ein neuer her. Und bei der Vorstellung gab es zumindest für den Laien einige Überraschungen.

In acht Minuten soll die Feuerwehr Schwerte mit zehn Leuten und Material vor Ort sein, wenn es brennt. Dieses ambitionierte Ziel verfehlte sie von 2015 bis 2018 regelmäßig und gründlich. Zwischen 53 und 38 Prozent lag die Quote der Einsätze, bei denen das Ziel tatsächlich erreicht wurde.

Das klinge auf den ersten Blick sehr krass, habe aber viele Gründe, erläutert Schwertes Feuerwehrchef Wilhelm Müller. So fließen Einsätze, bei denen die Brandbekämpfer ihre Ankunft nicht per Knopfdruck bestätigt haben, nicht in die Statistik ein.

Auch wenn nur neun Feuerwehrleute pünktlich vor Ort waren, gilt die Frist als unterschritten. Die Zahlen sagen auch nichts darüber aus, wie weit man die eigenen Zielvorgaben gerissen hat.

Oft bei Bränden in der Innenstadt nicht in acht Minuten

Es gibt zwar auch Orte im Stadtgebiet, die man von der Feuerwache an der Lohbachstraße gar nicht in acht Minuten erreichen kann, doch die waren in der Vergangenheit nicht das Problem. Oft waren es Brände in der Nähe der Innenstadt, bei denen die Feuerwehr die selbst gesetzten Ziele nicht erreichen konnte.

Um zum einen realistischere Zielvorgaben zu bekommen, zum anderen schneller am Brandherd zu sein, wurde das System mit dem neuen Brandschutzbedarfsplan geändert. Das entspräche auch den rechtlichen Vorgaben, betonte der Feuerwehrchef.

Ein Mann weniger bei der ersten Einheit vor Ort

Die Stadt wurde dazu in 80 Quadranten eingeteilt. Für jeden ermittelte die Feuerwehr gemeinsam mit einer externen Gutachterin, wie hoch die Brandgefahr ist. Welche Gebäude dort stehen, ob dort Gas austreten kann, welche Versorgungsleitungen man bei Löscharbeiten beachten muss. Wo große und gefährliche Brände entstehen können, die besonderen Löscheinsatz erfordern, sind, will man künftig mit neun Leuten (in der Fachsprache neun Funktionen) in acht Minuten vor Ort sein und in 13 Minuten dann mit sieben weiteren Kräften.

In Orten mit geringerer Gefährdungsstufe soll die erste Einheit in zehn Minuten vor Ort sein. „Neun Funktionen entsprechen übrigens einem Löschgruppenfahrzeug mit Besatzung“, erklärt Müller.

Auch die neuen Ziele sind ambitioniert

Doch auch diese neuen Ziele sind ambitioniert. Sie können nur dann erfüllt werden, wenn die hauptamtliche Feuerwehr von genügend Freiwilligen unterstützt wird. Und das ist gerade tagsüber ein Problem. Denn die viele Mitglieder der Löschgruppen arbeiten nicht in Schwerte, können also im Einsatzfall während der Arbeitszeit gar nicht ausrücken.

Ein Vorschlag aus dem neuen Brandschutzbedarfsplan: Man spricht mit Schwerter Arbeitgebern, bei denen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr aus Nachbarstädten arbeiten. Die könnten zwar nicht zum Einsatz in ihrem Heimatort aufbrechen. Aber sie können an Einsätzen in Schwerte teilnehmen, wenn hier geschultes Personal gebraucht wird. Außerdem will man Mitarbeiter des städtischen Bauhofs für den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr gewinnen.

Mehr Personal für die hauptamtliche Wache

Aber auch bei den hauptamtlichen Kräften will man aufstocken. Bislang sind mit Verwaltungskräften 55 Leute bei der Schwerter Feuerwehr beschäftigt. Dazu muss man aber auch geeignete Feuerwehrleute finden und an die Stadt binden.

Das ist nicht immer ganz einfach, weil größere Städte ihr Personal besser bezahlen „Wir wollen das Einstiegsgehalt der Feuerwehrleute von der Gehaltsgruppe A7 auf A8 anheben“, kündigte Bürgermeister Dimitrios Axourgos an.

Außerdem soll die Feuerwache an der Lohbachstraße aufgerüstet und saniert werden, die Feuerwehr in Ergste in den kommenden fünf Jahren und die in Geisecke in zehn Jahren eine neue Wache bekommen.

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Nachdem die im Gutachten angeregte Schließung der Wache in Wandhofen vom Tisch ist, kommt nun vor allem auf den Löschzug Wandhofen die Aufgabe zu, weitere Mitglieder zu rekrutieren. Das werde vor allem für ein langfristiges Engagement immer schwieriger, so Feuerwehrchef Müller.

Geringe Aufwandsentschädigung für Ehrenamtler in der Feuerwehr

Bereits seit einiger Zeit bekommen auch Ehrenamtler bei der Feuerwehr eine finanzielle Anerkennung. Doch die geht wenig über das Symbolische hinaus. 120 Euro erhalten die Löschzüge pro aktives Mitglied im Jahr. Das Geld können sie ausschütten oder für einen gemeinsamen Zweck verwenden.

Persönliche Zuwendungen erhalten Führungskräfte. So wird der Leiter der Feuerwehr mit 180 Euro im Monat entschädigt, seine beiden Stellvertreter mit 90 Euro. Die Zugführer und Einheitsführer sowie der Leiter der Jugendfeuerwehr bekommen 45 Euro monatlich.

Der Brandschutzbedarfsplan muss nun noch den Rat passieren. Denn das Papier, das von der Gutachterin mit Hilfe von Verwaltung und Feuerwehrleitung erstellt wurde, muss politisch abgesegnet werden.

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