Schwerte bricht mit der Weihnachtstradition: Kein Posaunenblasen mehr auf den Straßen

dzWeihnachtsbräuche in Schwerte

Seit fast 100 Jahren zog der CVJM-Posaunenchor am Heiligen Abend durch die Straßen der Stadt, um auf das Fest einzustimmen. Jetzt musste der Brauch schweren Herzens abgesagt werden.

Schwerte

, 22.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von wegen alle Jahre wieder. Vergeblich werden die Schwerter am Heiligen Abend nach den Posaunenklängen lauschen, die seit mehr als 50 Jahren in der Stadt zum Christfest gehören wie der Tannenbaum und das Spritzgebäck. Die Instrumente bleiben stumm in ihren Koffern. Die Kurrenderunde, die vom Gänsewinkel aus über die Krankenhäuser und Altenheime sowie die Graf-Diederich-Straße bis zum Ausklang vor der alten Mühle an der Mühlenstraße führte, fällt aus.

Fast die Hälfte der Musiker fällt wegen Krankheit aus

„Durch Krankheit“, sagt mit Bedauern der Leiter des Posaunenchors vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM), Fritz Brenne. Er selbst sei gerade auch erst aus dem Krankenhaus entlassen worden, das Laufen falle ihm noch schwer. Mehr als vier Stunden, vom Mittag bis zum frühen Abend, war das Ensemble normalerweise in den Straßen auf den Beinen. Jetzt ist fast die Hälfte der Musiker nicht einsatzfähig, erklärt Brenne. Fünf der zwölf bis 13 Musiker fielen aus. Das beeinträchtigt nicht nur den vollen Klang der Weihnachtslieder: „Man muss die Stimmen alle besetzt haben.“ Drei Mitstreiter für die zweite Stimme nützen beispielsweise wenig, wenn die erste völlig fehlt. Deshalb muss das Blasen am 24. Dezember ausfallen.

Schwerte bricht mit der Weihnachtstradition: Kein Posaunenblasen mehr auf den Straßen

Nachbarn bedankten sich oft mit kleinen Präsenten bei den Bläsern. © Manuela Schwerte (A)

Damit soll aber nicht endgültig mit der schönen Tradition gebrochen werden. „Das ist einmalig jetzt“, sagt Brenne: „Im nächsten Jahr findet das Blasen am Heiligen Abend wieder statt.“ Den Brauch gab es schon, als er selbst im Jahre 1963 dem CVJM-Posaunenchor beitrat. Er setzte ihn ununterbrochen fort, als er 1981 die Chorleitung übernahm.

Der Überlieferung zufolge ist das Kurrendeblasen sogar noch viel älter. Die Ursprünge reichen in die Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg zurück. 1923 - also vor fast 100 Jahren - machten sich die Vorgänger von Fritz Brennes Ensemble zum ersten Mal auf zu einer Runde durch die Straßen, um mit Weihnachtsliedern auf die Festtage einzustimmen.. In der Anfangszeit ließen sie ihre Instrumente nur im engeren Innenstadtbereich erklingen Der Gänsewinkel beispielsweise war damals ja auch noch gar nicht bebaut. Erst später wurde die Runde immer größer und zu einem Teil der Stadtgeschichte.

Anwohner bedankten sich mit Getränken

Ein schöner Brauch war es dabei auch, dass Anwohner oft aus ihren Häusern herauskamen, um den Musikern mit warmen Getränken und vielleicht auch Plätzchen für ihre Weihnachtsbotschaft zu danken. Schließlich machten die sich bei jedem Wetter auf den Weg - egal ob Eiseskälte, Regen oder Schneegestöber. Die Nachbarn der Stationen, die in den vergangenen Jahren regelmäßig besucht wurden, will Brenne noch persönlich informieren.

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