Schwere Zeiten für Özil - Spielend zurück zur Normalität?

Wenn der FC Arsenal am Samstag in der Premier League in Liverpool antritt, hofft Mesut Özil auf seinen ersten Saisoneinsatz. Ein versuchter Raubüberfall auf den Ex-Nationalspieler hat sein Leben in London auf den Kopf gestellt. Und wieder gibt es Wechselgerüchte.

22.08.2019, 11:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

An diesem Wochenende könnte Mesut Özil endlich wieder dort stehen, wo er sich am wohlsten fühlt: auf dem Fußballplatz. Die Chancen stehen gut, dass der Arsenal-Profi am frühen Samstagabend im Auswärtsspiel beim Champions-League-Sieger FC Liverpool zu seinem ersten Saisoneinsatz kommt.

Nach dem versuchten Raubüberfall auf ihn, der Sorge um seine Sicherheit und seinem krankheitsbedingten Ausfall am zweiten Spieltag könnte ein Auftritt in Anfield etwas Normalität zurück in Özils Alltag bringen.

Gut ein Jahr nach dem Wirbel um die Erdogan-Fotos, der verkorksten WM und seinem von Rassismus-Vorwürfen begleiteten Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft steht der medienscheue Profi nämlich schon wieder wegen nicht-sportlicher Dinge im Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit. Dabei sollte es für den 30-Jährigen nach einer vielversprechenden Vorbereitung in dieser Spielzeit nur um Fußball gehen. Doch bisher hatte Özil dazu keine Gelegenheit.

Rückblick: Ende Juli gerät er im Auto mit seinem Gunners-Teamkollegen Sead Kolasinac und seiner Ehefrau Amine ins Visier von Gangstern. Der Raubüberfall scheitert, weil Kolasinac die bewaffneten Täter mit bloßen Händen abwehrt. Der FC Arsenal stellt die beiden Profis daraufhin wegen nicht näher erläuterter Sicherheitsbedenken für den Premier-League-Auftakt bei Newcastle United frei.

Dann wird bekannt, dass nach einem Zwischenfall mit Wachpersonal vor Özils Anwesen zwei Verdächtige festgenommen wurden, die sich im September vor Gericht verantworten müssen. Özil und Kolasinac kehren danach ins Training zurück. Beide seien „gute Optionen“ für das Heimspiel gegen den FC Burnley, deutet Arsenal-Coach Unai Emery an. Doch nur Kolasinac spielt, Özil steht wieder nicht im Kader. Wegen einer vorherigen Krankheit sei er nicht fit genug, hieß es.

Ähnliche Aussagen von Emery hatten in der vergangenen Saison, der ersten unter dem Spanier, für Spekulationen gesorgt. In 38 Spielen kam Özil nur auf 24 Startelfeinsätze. Sportlich lief es nicht rund für den bei Arsenal einst unumstrittenen Star. Doch entgegen der immer wieder aufkommenden Wechselgerüchte offenbarte der Weltmeister von 2014 keine Absichten, London zu verlassen. In der britischen Hauptstadt fühlte er sich stets sichtbar wohl, war Stammgast in Cafés und Restaurants, postete sogar Fotos von einer Fahrt mit der U-Bahn.

Doch mit dieser Entspanntheit ist es nach den jüngsten Vorfällen vorbei. War England nach dem turbulenten Sommer 2018 ein Zufluchtsort für Özil, ist sein Haus im Norden Londons nun „der luxuriöseste Käfig der Hauptstadt“, wie die Zeitung „Telegraph“ treffend formulierte. Die Sportwebsite „The Athletic“ fragte: „Was passiert, wenn sich der Arsenal-Star nicht mehr sicher fühlt?“ Kommt ein vorzeitiger Abschied aus London vielleicht doch in Frage? Anzeichen dafür gibt es schon.

Laut einem Bericht der „Washington Post“ war Özils Berater vergangene Woche zu Gesprächen mit dem MLS-Club DC United in Washington. Dort soll der Mittelfeldspieler ein Kandidat für die Nachfolge von Kapitän Wayne Rooney sein, der zum neuen Jahr als eine Art Spielertrainer bei Zweitligist Derby County anheuert. Sollte Özil in die USA gehen, wäre das wohl auch im Sinne der Arsenal-Bosse. Denn die würden den Topverdiener angeblich gern von ihrer Gehaltsliste streichen.

Nicht zum ersten Mal steht also ein großes Fragezeichen über Mesut Özils Zukunft. Wie und wo es weitergeht, hängt auch davon ab, wie gut es dem früheren deutschen Nationalspieler gelingt, die Ereignisse der vergangenen Wochen abzuschütteln und auf dem Platz eine starke Leistung zu zeigen - vielleicht schon in Anfield gegen Jürgen Klopps FC Liverpool. Emery betonte, er wolle Özil dabei helfen, dass wieder Normalität einkehrt. Leichter gesagt als getan.

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