Schulabbruch, Abstürze, Lebensgefahr - doch jetzt hat Dana (30) ihr Glück gefunden

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Dana Hördemann aus Herbern hat mit 30 Jahren schon so viel erlebt, dass es für mehrere Leben reicht: Pubertäts-Probleme, Therapie, Übergewicht, Lebensgefahr. Nun hat sie ihr Glück gefunden.

Herbern

, 10.12.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Rein äußerlich ist sie eine glückliche junge Frau mit einem strahlenden Lächeln; ihren linken Arm, auf dem sie voller Glückseligkeit ihren kleinen Sohn hält, zieren vielen bunte Tattoos ihrer Lieblings Disney Zeichentrickhelden. Wie weit und oftmals steinig dieser Weg bis hierhin war, sieht man nicht.

Geboren und aufgewachsen ist Dana Hördemann (30) auf einem Bauernhof in Hamm, auf dem sie gemeinsam mit den Großeltern, den Eltern und ihrer großen Schwester „eine richtig glückliche Kindheit“ erleben durfte.

In Danas Pubertät ist „alles schiefgelaufen“

Dann kam die Pubertät, in der „alles schiefgelaufen ist, was nur schieflaufen konnte“. „Ich weiß bis heute nicht, woran es gelegen hat“, sagt die junge Mutter. „Wir hatten es zu Hause richtig schön.“ Doch ihre Pubertätszeit wurde für die ganze Familie eine sehr anstrengende, konfliktreiche Kampfzeit. „Meine Eltern und Großeltern haben immer zu mir gehalten“, so Dana. „Dabei bin ich bestimmt für ganz viele graue Haare verantwortlich.“

Die Realschule hat sie vor dem Abschluss abgebrochen, ebenso die erste Ausbildung. „Wenn ich jemandem das erklären sollte, könnte ich das nicht. Ich weiß ja selbst nicht warum.“

Schulabbruch, Abstürze, Lebensgefahr - doch jetzt hat Dana (30) ihr Glück gefunden

Lion Wilke kam Anfang November per Kaiserschnitt zur Welt. Auch in der Schwangerschaft gab‘s Probleme. © Claudia Hurek

Im Alter von 19 Jahren kam dann die Selbsterkenntnis, dass es so nicht weitergehen konnte und „es hat endlich Klick gemacht“. Die entscheidende Unterstützung war hier sicherlich eine dreimonatige stationäre Therapie, die Dana geholfen hat, von einer sehr kurvenreichen Strecke durch ihr junges Leben, mit einigen Beinah-Abstürzen, wieder einen Weg zu finden, auf dem es nur direkt geradeaus in ein lebenswertes Leben gehen konnte.

Zuerst einmal zog sie trotz aller familiären Fürsorge zu Hause aus, engagierte sich ehrenamtlich bei einem Behindertenfahrdienst und holte in der Abendschule ihren Realschulabschluss nach, mit einer Durchschnittsnote von 1,3. Im Jahr 2012 absolvierte sie in der Altenpflege ein Vorpraktikum. „Da habe ich schnell festgestellt, dass Altenpflegerin mein absoluter Traumberuf ist.“

Die Waage von Dana Hördemann zeigte 148 Kilogramm

Das einzige Hindernis, was jetzt noch zu überwinden war, zeigte sich beim allabendlichen Gang auf die Waage; die wies knallharte 148 Kilogramm aus. „Deutlich zu viel für meinen Traumberuf . Für mich war die einzige Alternative ein sogenannter Magenbypass, bei dem ein großer Teil des Magens sowie ein Stück Dünndarm entnommen wird. Ich konnte halt immer essen, essen, essen; da hilft dann auch keine Diät.“

Innerhalb kürzester Zeit verlor Dana etliche Kilos und startete im Jahr 2013 in einem Seniorenzentrum in Hamm mit der Ausbildung zur Altenpflegerin, die sie, wie die Weiterbildung zur Palliativfachkraft, mit großem Erfolg abgeschlossen hat. Für ihren Ausbilder stand daher eine Weiterbeschäftigung im Anschluss an die Ausbildung von vornherein fest.

In Herbern verliebt und 2017 dort hingezogen

„Während der Ausbildung habe ich meine Freundin Alex kennengelernt, die in Herbern lebt und aufgewachsen ist. Bei einem Besuch habe ich mich direkt in Herbern verliebt und bin dann 2017 hierhergezogen.“ Eine eigene Wohnung, ein sicherer Job im Traumberuf, viele Freunde, eine Familie die immer den Rücken stärkt. „Das war ja irgendwie auch zu schön.“

Anfang Januar 2019 zeigten sich, als erwiesene Spätfolgen der Magen-OP, plötzlich unklare Durchfälle, Magenkrämpfe, so dass eine erneute Operation von Nöten war. Zwei Tage nach erfolgreicher Operation stellte man fest, dass der komplette Bauchraum voller Eiter war – Notoperation.

Darmwand geplatzt, erneute Notoperation

Am sechsten Tag dann Darmverschluss, bei dem die Darmwand geplatzt ist. Erneute Notoperation. „Da stand ich echt auf Messers Schneide; viel hätte nicht gefehlt und ich wäre nicht mehr aufgewacht.“

Bei dieser Operation haben die Ärzte bewusst eine Öffnung mit einer Länge von 17 cm in der Bauchdecke belassen, die jeden Tag behandelt und dann wieder steril abgedeckt worden ist. „Hier bin ich so dankbar, dass meine Freundin Alex, ebenfalls Altenpflegerin, mir so geholfen hat. Der Bauch musste von innen heraus wieder zuheilen.“

Das neue Glück im Leben heißt Lion Wilke

Zu Hause wartete bereits sehnsuchtsvoll ein junger Mann auf sie, den sie erst im Dezember 2018 über die sozialen Medien kennengelernt hat. „Wir haben dann das Leben so richtig gefeiert.“ Das Ergebnis dieser Feier schlummert ganz friedlich in ihrem Arm, heißt Lion Wilke Hördemann, war bei seiner Geburt am 1. November 3.150 g schwer, 51 cm groß und kerngesund.

„Natürlich haben mich sowohl Familie als auch Freunde für komplett verrückt erklärt, als ich ihnen von der Schwangerschaft erzählt habe. Zum Glück haben mir die Ärzte aber das OK gegeben.“

Dramatischer Verlauf der Schwangerschaft

In der 38. Schwangerschaftswoche machte ein erneuter Darmverschluss die Einleitung der Geburt notwendig. Da sich unter der Einleitung die Herztöne des Babys drastisch verschlechterten, entschieden sich die Ärzte zum Wohle von Mutter und Kind für einen Kaiserschnitt.

„Ich kann dieses kleine Wunder noch immer nicht recht begreifen.“ Den ungewöhnlichen Namen Lion Wilke hat sie gemeinsam mit dem Kindsvater, von dem sie getrennt lebt, ausgesucht. „Lion steht für den Kämpfer und Wilke ist die nordische Form von Wilhelm. So hieß mein Großvater, der im Juni dieses Jahrs im Alter von 80 Jahren an Krebs verstorben ist. Ich habe ihm vor seinem Tod noch eine Namensliste mit Abwandlungen von Wilhelm geschickt und ihm hat Wilke am besten gefallen.“

Eltern sind stolz auf ihr erstes Enkelkind

Ihre Eltern sind sehr stolz auf das erste Enkelkind und die Familie steht in ganz engem Kontakt zueinander. „Weihnachten werden wir alle gemeinsam verbringen.“ Dazu zählt selbstverständlich auch ihr Exfreund, der seine Vaterpflichten sehr ernst nimmt und sogar von Schleswig-Holstein nach Herbern gezogen ist, um für seinen Sohn da zu sein. „Wir sind nun halt eine andere Art von Familie, nicht besser als andere, aber auch nicht schlechter.“

Momentan noch in Elternzeit, steht für Dana bereits jetzt schon fest, dass sie ab 2021 auf jeden Fall in ihren Job zurückkehrt.

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