Schüler in orangenen und grünen Westen sorgen für friedlichere Pausen

Auszeichnung für Wittekindschule

Bauarbeiten an der Wittekindschule lassen wenig Platz auf dem Pausenhof. Das führt zu Konflikten, Schüler in orangen und grünen Westen helfen, sie zu vermeiden. Dafür gab es einen Preis.

Brambauer

von Kristina Gerstenmaier

, 20.12.2018, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Schüler in orangenen und grünen Westen sorgen für friedlichere Pausen

Die Vertreter der Wittekindschule aus Brambauer mit Landrat Michael Makiolla bei der Preisübergabe. Der Junge vorne trägt die Weste der Streitschlichter. © Fischer Regionales Bildungsbüro

Auf dem Schulhofs der Wittekindschule in Brambauer steht seit Jahren ein großer Container, Er nimmt den Grundschülern Spielfläche und der Pausenaufsicht freie Sicht. Seit vier Jahren sind wegen der morschen Balken des Dachstuhls des denkmalgeschützten Gebäudes mehrere Klassenräume gesperrt. Wegen der Sanierung findet der Unterricht zum Teil im Container statt.

Schüler in orangenen und grünen Westen sorgen für friedlichere Pausen

Während der Dachstuhlsanierung sind mehrere Klassenzimmer gesperrt, dafür gibt es Ausweichräume in Containern. Die nehmen allerdings auf dem Schulhof viel Platz ein. © Magdalene Quiring-Lategahn

Weil Spielgeräte unzugänglich sind und die Kinder sich in den Pausen nicht mehr auf dem Schulhof verteilen können, kann aus einem Rempeln durch schlichten Platzmangel eine Schlägerei entstehen. „Seit Beginn der Bauarbeiten hat sich die Situation auf dem Schulhof sehr verschärft“, sagt Cordula Büchting, seit knapp 15 Jahren Sozialpädagogin der Schule. „Und wenn die Pause nicht richtig läuft, kann auch der Unterricht nicht richtig laufen.“

Mit Westen und neue Räumen Konflikte regulieren

Brambauer ist ein Stadtteil mit viel Zuzug. Auch während des laufenden Schuljahres stoßen immer wieder neue Kinder zu den knapp 250, die in elf Klassen unterrichtet werden. So kehrt eigentlich niemals Ruhe ein. „Viele Konflikte entstehen durch Unverständnis, sprachlich und kulturell“, erklärt Büchting. „Viele haben kein entspanntes Zuhause, bringen viel Druck mit zur Schule, haben Eltern, für die das Leben anstrengend ist.“ Wenn sich dann in den Pausen nicht aus dem Weg gegangen werden und Druck durch Bewegung nicht abgebaut werden könne, sei es verstärkt zu oft auch gewalttätigen Konflikten gekommen.

Förderpreis Inklusion

Schule erhält 1500 Euro Preisgeld

  • Der Förderpreis für Inklusion wird seit 2013 jährlich durch den Kreis Unna und das Schulamt für den Kreis Unna vergeben und ist mit 1500 Euro dotiert. Die Mittel stammen aus dem Inklusionsfonds, der vom Land NRW für die schulische Inklusion vor Ort über das Regionale Bildungsbüro bereitgestellt wird.
  • Die Jury besteht aus Vertretern aus Vertretern der Schulaufsicht, der Landeselternschaft der Förderschulen und des Fachbereichs Jugend und Familie des Kreises, der Kreis-Behindertenbeauftragten sowie einer Vertreterin des Fakultät Rehabilitationswissenschaften der TU Dortmund.

Ein Konzept mit orangen und grünen Westen sowie mit zusätzlichen Räumen soll das Problem lösen. Für diese Idee wurde die Wittekindschule nun gemeinsam mit zwei weiteren Schulen und Kindertagesstätten aus Bergkamen, Unna und Schwerte mit dem Förderpreis für Inklusion 2018 des Kreises Unna ausgezeichnet. „Sie alle machten sich in besonderer Weise für die Förderung der Sozialkompetenzen der Schülerinnen und Schüler stark und wollten dies mit neuen Projekten weiter vorantreiben“, hieß es in der Begründung der Jury. Damit brächten die Preisträger Kinder zusammen und gestalteten Inklusion.

28 freiwillige Streitschlichter

Konkret verfolgt man an der Wittekindschule vier Maßnahmen, um die Pausen friedlicher zu gestalten und die Sozialkompetenz der Kinder zu stärken. Schon seit 2009 werden Schüler der dritten und vierten Klassen zu Streitschlichtern ausgebildet. Dafür müssen sie ein richtiges Auswahlverfahren durchlaufen und an Wochenenden ein bestimmtes Modell der Streitschlichtung erlernen. In Zweierteams in orangenen Westen sind die Grundschüler jeweils zweimal pro Woche auf dem Schulhof unterwegs, um Ansprechpartner in Konfliktsituationen zu sein oder diese aufzuspüren. „Diese Kinder werden respektiert, sie wachsen an ihren Aufgaben, ihre Empathiefähigkeit wird auf die Probe gestellt und natürlich dient es der Schulhofentspannung“, erzählt Sozialpädagogin Cordula Büchting. Seit Beginn der Dachstuhlsanierung 2014 wurde dieser Bereich stark ausgebaut. Im Sommer sind 28 Streitschlichter in das Schuljahr gestartet, um zu helfen, Konflikte friedlich mit Worten zu lösen.

Zwei bis drei Pausenverbote reichen meist schon

Außerdem sind täglich Kinder mit grünen Westen den Schulhof. Diese „Spielbuddys“ spüren traurige oder gelangweilte Kinder auf und beschäftigen sich mit ihnen, denn auch aus Langeweile entstehen oft Konflikte. Außerdem wurde an der Schule ein Pausenverbotsraum eingeführt, in dem Störenfriede still sitzen müssen. „Anfangs waren es immer dieselben Kinder, die immer wieder kamen. Aber durch das Pausenverbot ist ihnen ihr Fehlverhalten richtig bewusst geworden, sodass es meist bei zwei oder drei Aufenthalten bleibt“, beschreibt Büchting. In einen zweiten, den Pausennotraum, können sich Kinder nach Bedürfnis zurückziehen.

Nächste „Baustelle“: Regenpausen

Das Gesamtkonzept gehe wunderbar auf, die Pausen seien viel friedlicher geworden. Trotzdem fiebert man in der Wittekindschule dem Ende der Bauarbeiten - voraussichtlich im Februar 2019 - entgegen. Dann soll das gewonnene Preisgeld von 1500 Euro in neue Spiele investiert werden. Ein weiteres Problem sind die Pausen bei Regen, während derer sich die Schuler in den Klassenräumen aufhalten müssen und kaum bewegen können. „Wenn wir das Problem der Regenpausen mit neuem Spielmaterial in den Griff bekommen haben, bewerben wir uns erneut“, so Cordula Büchting.

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