Schock über Attacke gegen Schiedsrichter

dzHintergrund

Als in Berlin die Unparteiischen streikten, schlug in Hessen ein Spieler den Schiri KO. Es scheint immer ruppiger zu werden auf den Fußballplätzen der Republik.

von Michael Friehs

Kreis Unna

, 29.10.2019, 12:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein weiterer alarmierender Fall von Gewalt gegen Schiedsrichter im Amateurfußball verstärkt die Empörung und lässt den Ruf nach Konsequenzen immer lauter werden. Ausgerechnet am vergangenen Wochenende, als in Berlin die Schiedsrichter wegen zahlreicher Vorfälle von Gewalt und Diskriminierung streikten, kam es im hessischen Münster zu einer neuen brutalen Attacke.

Bei einem Kreisliga-Spiel zwischen der FSV Münster und dem TV Semd hatte ein Spieler den 22 Jahre alten Referee bewusstlos geschlagen. Er hatte dem 28-jährige Spieler der FSV Münster nach Angaben der Polizei während der Partie die Gelb-Rote-Karte gezeigt und wurde daraufhin von diesem niedergeschlagen. Nachdem er wieder bei Bewusstsein war, wurde der Schiedsrichter mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen.

Schlägerei nach Hinweis auf Rauchverbot

Einen weiteren Vorfall hat es nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung am Wochenende in NRW gegeben: Bei einem C-Liga-Spiel zwischen TuS 08 Rheinberg und Fichte Lintfort kam es zu einer Schlägerei, weil ein Verantwortlicher des Heimvereins einen Zuschauer auf das Rauchverbot auf dem Sportplatz hinwies.

„Wir sind schockiert über diesen neuerlichen Vorfall körperlicher Gewalt gegen unsere Schiedsrichter“, sagte Stefan Reuß, Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV). „Leider reißen die Meldungen von verbaler und körperlicher Gewalt gegen Schiedsrichter in jüngster Zeit nicht ab.“ Der Fall von Münster ist nur einer von fünf von den der Polizei seit einem Monat in Deutschland gemeldeten.

Betroffen zeigte sich auch der Trainer des Zweitligisten Darmstadt 98 über den jüngsten Übergriff. „Ich war geschockt, als ich das gehört habe“, sagte Dimitrios Grammozis. Bei aller Emotionalität habe Gewalt im Fußball nichts zu suchen. „Das darf in keiner Weise toleriert werden. Da müssen drastische Strafen her.“

Der HFV werde „diese Auswüchse an Gewalt nicht tolerieren, sondern mit aller Härte und allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln sportgerichtlich dagegen vorgehen“, erklärte Reuß. Er appelliere an alle Klubs, sich bewusst zu machen, „dass wir in eine zunehmend dramatischere Situation kommen und immer weniger Sportfreunde zukünftig bereit sein werden, sich als Schiedsrichter einzubringen“. In Berlin ist die Anzahl der Referees mit derzeit rund 1000 bereits rückläufig.

Schiri-Streik betraf 1500 Spiele

Nach 109 Vorfällen von Gewalt und Diskriminierung in dieser Saison in den Berliner Amateur- und Jugendklassen, bei denen in 53 Fällen Referees betroffen waren, sind in der Bundeshauptstadt alle rund 1500 Spiele von den Schiedsrichtern am Wochenende bestreikt worden.

Mit Sofortmaßnahmen wie ein Runder Tisch, eine Ordner-Pflicht sowie konsequente Strafen auch für Problemvereine soll nun für eine schnelle erste Entspannung in Berlin gesorgt werden.

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