Schlussakt im Steinkohlebergbau: letzte Kohle für Steinmeier

Ein letztes Glückauf für den Bergbau. Bundespräsident Steinmeier bekommt auf der Schachtanlage Prosper-Haniel das letzte Stück Kohle überreicht. Dann ist endgültig Schicht auf den Zechen.

21.12.2018, 03:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Deutschland wird der Steinkohlebergbau endgültig eingestellt. Bei der Schlussveranstaltung am Freitag (16.00 Uhr) auf der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop werden Bergleute das symbolisch letzte Stück Kohle an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergeben. Prosper-Haniel im nördlichen Ruhrgebiet ist die letzte noch nicht geschlossene Schachtanlage in Deutschland. Mit dem Ende des Kohleabbaus gehen rund 200 Jahre Industriegeschichte zu Ende.

Das Aus für die Steinkohleförderung hatten die Bundesregierung, die Kohleländer Nordrhein-Westfalen und Saarland sowie die Bergbaugewerkschaft IG BCE im Jahr 2007 vereinbart. Rund 33 000 Bergleute und andere Mitarbeiter waren damals auf den Zechen beschäftigt. Jetzt sind es noch rund 3500. Großzügige Vorruhestandsregelungen sorgten dafür, dass es keine Entlassungen beim Personalabbau gab.

Der deutsche Bergbau war zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr wettbewerbsfähig. Gut eine Milliarde Euro Kohlesubventionen pro Jahr fielen zuletzt an, um die Preisdifferenz zum Weltmarkt auszugleichen. Allein seit von 1996 bis heute sind aus den Haushalten des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen rund 61 Milliarden Euro als Absatz- und Stilllegungsbeihilfen geflossen.

Neben Steinmeier kommen auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nach Bottrop. Die Teilnahme Junkers soll die Rolle der Kohle bei der europäischen Einigung unterstreichen. 1951 hatten sich Frankreich, Italien, die Bundesrepublik und die Beneluxländer den Bergbau sowie die Eisen- und Stahlindustrie einer europäischen Aufsicht unterstellt. Die Montanunion gilt als Keimzelle der Europäischen Union.

Unter dem Förderturm der Schachtanlage Prosper-Haniel wird ein hoch emotionaler Schlussakt der Steinkohleförderung erwartet. „Bergleute fördern das letzte Stück Kohle zu Tage und übergeben es an den Bundespräsidenten. Gemeinsames Singen des Steigerliedes, begleitet durch den Ruhrkohle-Chor“, heißt es im Programm für die Abschlussveranstaltung mit 500 geladenen Gästen auf dem Zechengelände. Bereits am Donnerstagabend hatten die katholische und evangelische Kirche die Bergleute mit einem Gottesdienst im Essener Dom gewürdigt.

Mit der Schließung der letzten Zeche ist der Einsatz der Steinkohle in Deutschland aber nicht zu Ende. Bei der Stromerzeugung und in den Stahlwerken wird sie künftig komplett durch Importkohle ersetzt. Wie viel Steinkohle in den kommenden Jahren in verstromt wird, dürfte auch von den Ergebnissen der Beratungen in der derzeit tagenden Kohlekommission abhängen. In diesem Jahr hat die Steinkohle noch zu 13 Prozent der deutschen Stromerzeugung beigetragen.

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