Endlich tut sich was am alten Schlunz-Haus: Das sind die Pläne für das Haus am Marktplatz

Ehemaliges Schlunz-Haus

Denkmalschutz, Abriss-Antrag, Stillstand – Die Geschichte rund um das alte Schlunz-Haus an der Steinstraße ist lang. Viele Pläne platzten in der Vergangenheit. Doch jetzt soll sich etwas tun.

Werne

, 25.09.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Endlich tut sich was am alten Schlunz-Haus: Das sind die Pläne für das Haus am Marktplatz

Es soll sich was tun am und im ehemaligen Schlunz-Haus an der Steinstraße. © Florian Habersack (A)

Ulf Klaverkamp und Thomas Hölscher üben sich seit 2016 in Geduld. Da haben sie das alte Schlunz-Haus an der Steinstraße 1 gekauft. Seitdem sind ihnen allerdings die Hände bei ihren Plänen gebunden. Sie wollen das Haus komplett abreißen und neu aufbauen – doch die Verhandlungen mit dem Denkmalamt waren hart. Jetzt geht es allerdings endlich voran.

„Das war eine schwere Geburt, aber ich glaube, wir haben einen guten Kompromiss gefunden“, sagte Petra Göbel von der städtischen Denkmalpflege am Dienstagabend im Ausschuss für Standentwicklung, Planung, Umwelt und Verkehr.

So sieht der Kompromiss für das ehemalige Schlunz-Haus aus

Doch wie sieht der Kompromiss aus? Das Gebäude soll nicht komplett abgerissen und neu gebaut werden, sondern ein Teilumbau des Denkmals ist geplant. Der historische Dachstuhl aus dem Jahr 1527 soll dabei erhalten bleiben.

In einem ersten Schritt soll der Dachstuhl geborgen und voraussichtlich vorübergehend bei einem Zimmermann gelagert werden, der diesen restauriert.

Alles darunter wird hingegen laut Göbel zurückgebaut. Hier entsteht zunächst eine Baulücke. Der untere Teil des Hauses wird dann neu gebaut, bevor der historische Dachstuhl wieder aufgesetzt wird.

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Während im Erdgeschoss des ehemaligen Schlunz-Hauses aktuell noch vieles an den zuvor ansässigen Feinkosten-Handel Mediterraneo erinnert, der erst 2018 ausgezogen ist, gleicht die erste Etage aktuell einer Baustelle.

Die Wände sind freigelegt, die Böden teilweise entfernt, das einstige Badezimmer der Familie Schlunz ist verkommen. Die Rückstände eines Wasserrohrbruchs sind zu sehen. Und die Decken sind freigelegt. Erst dahinter zeigt sich, was dem Gebäude das Prädikat Denkmal verpasst hat: zehn alte Stützbalken, die zwar diesen Namen tragen, aber nicht fähig sind, das Gebäude zu halten.

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Blick in das ehemalige Schlunz-Haus

Das ehemalige Schlunz-Haus ist eine große Baustelle. Kurz nach dem Kauf durch zwei Investoren wurde das Gebäude an der Steinstraße 1 als denkmalgeschützt eingestuft. Das liegt an den alten Balken. Weil diese aber marode und nicht erhaltenswert sind, wie die Investoren glauben, wollen sie das Gebäude lieber abreißen. Die Denkmalschutzbehörde durchkreuzt diese Pläne.
15.06.2018
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Die erste Etage des Gebäudes gleicht einer Baustelle. © Andrea Wellerdiek
Durch die Decke kann man durchschauen.© Andrea Wellerdiek
Einige alte Fenster wurden zwischenzeitlich zugemauert.© Andrea Wellerdiek
In der einstigen Wohnung der Familie Schlunz sind einige Lichtquellen eingebaut. Das schlauchartige, 17 Meter lange Gebäude verfügt nur über kleine Fenster.© Andrea Wellerdiek
Einige Lampen erinnern noch an die Wohnung.© Andrea Wellerdiek
Mit einem Zollstock kann Ulf Klaverkamp locker durch den porösen Balken bohren.© Andrea Wellerdiek
Das Gebäude wurde wohl 1528 errichtet. Ob auch die Balken so alt sind, ist ungewiss. An einigen Stellen ist zu sehen, dass sie später als Stütze eingebaut wurden.© Andrea Wellerdiek
Ein Gutachter hat anhand der Balken festgestellt, dass das Gebäude von 1528 ist.© Andrea Wellerdiek
Die Balken seien "statisch nicht intakt", wie Inhaber Ulf Klaverkamp sagt.© Andrea Wellerdiek
Die sogenannten Zechensteine sind wohl in den 60er-Jahren verbaut worden.© Andrea Wellerdiek
Immer wieder gab es Veränderungen an dem Gebäude. Auch deshalb sei es schutzwürdig, so die Denkmalschutzbehörde.© Andrea Wellerdiek
Einige Balken sind sehr löchrig.© Andrea Wellerdiek
Nachdem die Decke abgenommen wurde, zeigten sich die alten und maroden Balken.© Andrea Wellerdiek
Das einstige Badezimmer der Familie Schlunz verkommt.© Andrea Wellerdiek
Um die Deckenhöhe auszugleichen, sind neben den bestehenden Balken immer wieder kleine Holzstücke zu sehen. Dieser Balken ist ziemlich sicher erst nachträglich eingebaut worden.© Andrea Wellerdiek
Der Dachboden des Hauses wurde in den 50er-Jahren ausgebaut. Zuletzt wurde die Fläche als Speicher, Gäste- und Kinderzimmer genutzt.© Andrea Wellerdiek
Auch auf dem Dachboden sind die Stützbalken marode.© Andrea Wellerdiek
Löchriger Boden: Blick vom Dachboden in Richtung erste Etage. Auf dem Dachboden gibt es keine Isolierung.© Andrea Wellerdiek
Es ist viel Platz in dem dreigeschossigen Gebäude.© Andrea Wellerdiek
Der Giebel wurde mit Beton gegossen, damit er überhaupt stehen bleibt.© Andrea Wellerdiek
Im Dachstuhl stützt jedes noch so kleine Holz das Gebäude mit.© Andrea Wellerdiek
Hoch im Giebel: Eine verlassene Bank steht unter dem Dach des Gebäudes.© Andrea Wellerdiek

Es liegt noch viel Arbeit vor den Verantwortlichen. Um das alles hinzubekommen, möchte sich die Denkmalpflege Werne mit der Unteren Denkmalbehörde und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) Münster über die Architektenplanung und Fassadengestaltung abstimmen. Das alles soll mit Fotos dokumentiert werden.

Auch die Arbeiten am Dachstuhl sollen abgestimmt und dokumentiert – und der Dachstuhl dann je nach Befund wieder aufgebaut werden.

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Die vorhandenen Deckenbalken möchte die Denkmalpflege aber nicht entsorgen, sondern sie sollen ihre Geschichte an einem anderen Ort weiter schreiben. Die geborgenen Balken sollen in anderen Baudenkmalen weiterverwendet werden.

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