Sanierungsfall Stiftskirche Cappenberg: Der Zeitplan steht, aber das Geld fehlt noch

dzSchloss Cappenberg

Die Sanierung der Stiftskirche beginnt 2020. Das steht fest. Wieviel das Land dafür ausgeben will, ist aber immer noch offen. Kein Grund, sich Sorgen zu machen, meint aber ein Sprecher.

Cappenberg

, 23.08.2019, 12:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Abschiednehmen hat schon begonnen: Am Sonntag, 1. September, 17 Uhr, findet das letzte Vesper-Konzert des Kreises Unna in der Cappenberger Stiftskirche statt. Am Sonntag, 15. September, 17 Uhr, folgt das letzte Orgelkonzert. Dann ist erst einmal Schluss mit den traditionellen Musikreihen, denn andere geben ab 2020 den Ton an in der Kirche am Schloss: Handwerker.

Fast 900 Jahre alt ist die Stiftskirche Cappenberg. Angesichts dieser kleinen Ewigkeit kommt es auf ein paar Monate früher oder später nicht an - wenn dann nicht das Jubiläumsjahr bevorstehen würde: 2022 feiert Cappenberg - und das ausgiebig. Denn es gibt gleich mehrere Anlässe.

Was sich alles zum 900. Mal jähren wird

Genau 900 Jahre wird es dann her sein, dass Gottfried von Cappenberg, der letzte Spross eines der mächtigsten und wohlhabendsten Adelsgeschlechtern des Hochmittelalters, radikal mit seinem bisherigen Leben gebrochen hat. Er verzichtete auf Familienfreuden, Reichtum und Kriegsglück, macht den Familiensitz auf den Cappenberger Höhen zum Kloster und ging damit nicht nur in die Geschichtsbücher ein, sondern auch in den erlauchten Kreis der Heiligen. Im selben Jahr 1122 wurde Kaiser Barbarossa geboren und getauft - mit Gottfrieds Bruder Otto als Taufpaten. Außerdem wurde vor 900 Jahren der Grundstein gelegt für genau die Kirche, die jetzt ein Sanierungsfall ist.

Sanierungsfall Stiftskirche Cappenberg: Der Zeitplan steht, aber das Geld fehlt noch

Der goldene Barbarossakopf ist der Schatz der Stiftskirche. © Foto: Sylvia vom Hofe

Die Vorbereitungen für das prall gefüllte Veranstaltungsjahr laufen bereits auf Hochtouren - nicht nur bei der Kirchengemeinde, dem Heimatverein, dem Rotary-Club Kaiser Barbarossa und seinen Partnern, sondern auch bei Wissenschaftlern. Sie kommen auch auf Initiative der Selmer Rotarier bereits am 27. und 28. September 2019 zusammen zu einer hochkarätig besetzten Fachtagung.

Namhafte Wissenschaftler treffen sich zur Fachtagung in Cappenberg

20 Fachleute, zumeist Historiker und Kunsthistoriker, werden zwei Tage lang im Schloss tagen. Die Leitung haben Prof. Dr. Knut Görich, einer der führenden Experten für den staufischen Herrscher Friedrich Barbarossa, und Jun.-Prof. Dr. Henrike Haug, die zum Erinnerungsort Cappenberg forscht und lehrt. Die Tagung will ein neues Licht auf die Gründung Cappenbergs und seine Bedeutung für die Ausbreitung des Prämonstratenser-Ordens werfen sowie auf Entstehung und Funktion des goldenen Cappenberger Kopfes des sogenannten Barbarossa-Kopfes.

Während dieser Tagung haben die Gäste und alle anderen problemlos Zugang zur Stiftskirche mit ihrem wertvollem Schatz: dem Barbarossa-Kopf. Fest steht aber: Ab 2020 ist Schluss. Auch wenn beim Land NRW, der Eigentümerin der Kirche, noch nicht feststeht, wieviel Geld für die umfangreiche Sanierung des feuchten, rissigen Gotteshauses zur Verfügung stehen wird: „Ich kann aber sagen, dass die Abläufe im Zeitplan liegen“, so Ulrich Söbbeler, Sprecher der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg. Gerade werde der Finanzplan aufgestellt, „dann erfolgt die Ausschreibung der Arbeiten.“ Kein Grund zur Sorge,

500 Jahre altes Chorgestühl ist aus Sicherheitsgründen geschlossen

Die Kulturschaffenden haben bereits langfristig geplant: Die Reihe der Vesper-Konzerte des Kreises Unna wird während der Bauarbeiten ersatzlos ausfallen. Die barocke Vorenweg-Orgel, die während der Kirchenkonzerte der Pfarrgemeinde regelmäßig erklingt, muss auch schweigen. Sie soll aufgrund des Schimmelbefalls selbst saniert werden.

Während einzelne Bilder bereits in der Restauratorenwerkstatt in Sicherheit sind, müssen die verbliebenen Ausstattungsgegenstände noch bis zum Jahresende warten. Eine Vorsichtsmaßnahme gilt dabei bereits seit Ende Juni: Das 500 Jahre alte Chorgestühl darf nicht mehr benutzt werden - nicht, um die spätgotischen Schnitzereien zu schützen, sondern die Menschen - vor einer erheblichen Schadstoffbelastung des Holzes.

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