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Schüler und Lehrer sind am Strand oder im Freibad. Doch in vielen Schulen wird hart gearbeitet. Ferienzeit ist Sanierungszeit. Gelder sind da, doch das Handwerk stößt an Grenzen.

Lünen

, 04.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Die Wittekindschule in Brambauer bekommt momentan einiges aufs Dach. Die Schule ist eingerüstet, damit neu gedeckt werden kann. Saniert wird auch am Gymnasium Altlünen. Das Gebäude ist 51 Jahre alt, es gibt Erneuerungsbedarf. Innenliegende Abflussrohre im Bereich C und D werden nach vorne verlegt, damit sie besser erreichbar sind. Es gibt auch neue Eingangstüren. „Wir haben volles Programm“, sagt Hausmeister Bernd Schawohl.

Fassadenarbeiten an der Profilschule

Das haben auch andere Schulen. Die Matthias-Claudius-Schule und die Gottfriedschule in Wethmar werden energetisch auf den neusten Stand gebracht. Fassadenarbeiten stehen an der Profilschule in Brambauer an.Alle Projekte liegen nach Auskunft der Zentralen Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL) noch im Plan.

Doch es könne bei größeren Maßnahmen auch teilweise sein, dass die Ferien nicht ausreichen und währen des neuen Schuljahres weitergearbeitet werden müsse.

Die Stadt kann als Schulträger autonom über die Sanierung der Schulen entscheiden. Seit Einführung der Bildungspauschale vor acht Jahren macht das Land keine Vorgaben mehr.

Aufträge müssen früh vergeben werden

„Grundsätzlich sind die Ferien prädestiniert für die Schulsanierung“, sagt Reiner Horstmann, Lüner Stadthandwerksmeister. Wichtig sei allerdings, dass die öffentliche Hand die Aufträge früh genug verteilt. Denn gerade im Sommer sei auch in den Betrieben die Personaldecke dünner, weil Beschäftigte mit Kindern Urlaub machen. „Die Firmen müssen sich früh genug darauf einstellen können.“ Horstmann nennt Anfragen aus anderen Städten von Ende Juni für die Sommerferien. „Alle Firmen haben gut zu tun und die Ferien verplant.“

25,3 Millionen Euro von Bund und Land

Für die Sanierung und Modernisierung der Schulen stehen der Stadt Lünen zwischen 2017 und 2020 rund 25,3 Millionen Euro von Bund und Land zur Verfügung. Ein großer Anteil stammt aus dem Förderbudget Schulinfrastruktur des Bundes, insgesamt 6,5 Millionen Euro. Dazu kommt die jährliche Bildungspauschale des Landes, die 2018 2,2 Millionen Euro beträgt.

Groß ist auch der Topf des Programms „Gute Schule 2020“ des Landes. 9,6 Millionen Euro, aufgeteilt auf vier Jahre, fließen davon nach Lünen – 2,4 Millionen Euro pro Jahr.

Sanierungen: Das passiert in den Ferien an den Lüner Schulen

Das Gymnasium Altlünen ist zurzeit Baustelle. Innenliegenden Abflussrohe in den Gebäudeteilen C und D werden nach außen verlegt und verkleidet sowie Toilettenanlagen erneuert. Es gibt auch neue Türen am Haupteingang. © Magdalene Quiring-Lategahn

Doch abgerufen hat die Stadt davon bisher nur 1,5 Millionen (Stand 31.5.2018). Das liegt daran, dass „es sich meist um Baumaßnahmen handelt, die sich noch in der Planungs- oder Ausschreibungsphase befinden“, heißt es dazu seitens der Stadt. Wie ein Sprecher mitteilt, sollen die gesamten Mittel verbaut werden. Sie würden abgerufen, sobald die Projekte abgeschlossen sind.

WC-Sanierung an Schule am Lüserbach

Zurzeit werden durchaus Arbeiten mit den Gute-Schule 2020-Mitteln durchgeführt: Dazu zählt beispielsweise die WC-Sanierung der Schule am Lüserbach, Teilstandort Niederaden. Die dazu notwendigen Abbrucharbeiten laufen. Die Schultoiletten sollen auch am Hauptstandort der Schule am Lüserbach in Horstmar erneuert werden.

Dazu wird momentan die Planungsleistung vergeben. Ebenso für die WC-Anlagen am Gymnasium Altlünen.Die Erweiterung der Offenen Ganztagsschule (OGS) der Schule auf dem Kelm in Brambauer steht an. Die Planungsleistungen werden ausgeschrieben. Einen Schritt weiter ist man an zwei weiteren Schulen: Damit mehr Plätze in der OGS angeboten werden können, wird derzeit für die Overbergschule und die Kardinal-von-Galen-Schule konkret geplant.

Hochkonjunktur ist eine Hürde

Eine Hürde für die Städte ist die Hochkonjunktur. Handwerksbetriebe punktgenau in das Zeitfenster der Sommerferien zu buchen, ist in diesem Jahr in vielen Regionen noch schwieriger als in den Vorjahren schon. „Ein Quartal muss man mindestens im Vorfeld einplanen. Bei Ausschreibungen mit EU-Mitteln sogar ein ganzes Jahr“, sagt Philipp Stempel, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes NRW.

Aus Sicht der Städte ist das auch ein von der Landespolitik gemachtes Problem. Eine Nebenwirkung der guten Tat, sozusagen. Oder wie es Stempel sagt: „Punktuelle Förderprogramme führen daher immer auch zu Engpässen, die bei einer langfristigen finanziellen Unterstützung vermieden werden können“.

Angesichts der starken Nachfrage nach Handwerkerleistungen sei es jetzt oft sehr schwierig, Unternehmen zu finden, die Leistungen in dem vorgesehenen Zeitraum und zu einem akzeptablen Preis-Leistungs-Verhältnis erbringen wollten.

Nur wenige Handwerker sind abgesprungen

Nicht nur in Einzelfällen heißt es beim Städte- und Gemeindebund sind manchen Kommunen Handwerker wieder abgesprungen – trotz Ausschreibung und Beauftragung. Wenn die Geschäfte zu gut laufen, ist man wohl nicht auf jeden kommunalen Kunden angewiesen. Auch Landeselternvertreterin Regina Hahmeier sind solche Fälle untergekommen: „Idealerweise müsste man über Vertragsstrafen nachdenken, wenn Baufirmen eingeplante Zeitfenster nicht einhalten.“

Dass ein Auftragnehmer abgesprungen ist, ist aktuell in Lünen kein Thema. Allerdings sei deutlich spürbar, dass die Firmen aufgrund der guten Marktlage wenige Angebote einreichen. „Das ist deutlich geringer als in Vergangenheit“, heißt es seitens der Stadt.

Die hohe Zahl der geförderten Bauprojekte hat einen weiteren Nebeneffekt: Die Mitarbeiter von ZGL arbeiten unter Hochdruck an der Umsetzung, teilt die Stadt mit.