Sakristei St. Christophorus ist umstritten – Jetzt unter Denkmalschutz?

dzThema im Bauausschuss

Wenn es nach dem Willen zweier bekannter Werner Bürger geht, soll die moderne und seit den ersten Plänen höchst umstrittene Sakristei der Stadtkirche unter Denkmalschutz kommen. Was meinen Sie? Stimmen Sie ab.

Werne

, 02.10.2018, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bauausschuss hat den Antrag von Heinz Polmann (80) und Joachim Kupczik (62) als Tagesordnungspunkt für die nächste Sitzung vorliegen. Überschrift: Antrag auf denkmalrechtliche Unterschutzstellung der Sakristei der Pfarrkirche St. Christophorus.

Sakristei St. Christophorus ist umstritten – Jetzt unter Denkmalschutz?

Lichtspiele im Inneren. © Helga Felgenträger (A)

Die Debatte birgt Zündstoff und dürfte kontrovers verlaufen. Das lassen allein schon die Einschätzungen aus den beiden großen Fraktionen vermuten. Michael Zurhorst von der CDU, zugleich Vorsitzender des Bauausschusses, sagte auf Anfrage: „Wir haben in der Fraktion darüber diskutiert. Das Meinungsspektrum ist weit gespannt von bis.“

Von „pottenhässlich“ bis „absolut schutzwürdig“

Konkreter äußerte sich Prof. Andreas Heinecke (SPD), Vize-Vorsitzender des Bauauschusses. Bei den Sozialdemokraten, die am Montag, 1. Oktober, über den Antrag beraten haben, reiche die Beurteilung von „absolut schutzwürdig“ bis „pottenhässlich und abreißen“.

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Heinecke selbst zählt sich zu den Befürwortern der Denkmalwürdigkeit: „Die Sakristei ist ein hervorragendes Gebäude und in dieser Form einmalig.“ Michael Zurhorst, der sich zum Zeitpunkt der Anfrage im Urlaub befand, wollte sich persönlich noch nicht festlegen: „Dazu fehlen mir noch Informationen. Außerdem sollte man erst einmal mit dem Besitzer, also der Kirche, sprechen.“

Sakristei St. Christophorus ist umstritten – Jetzt unter Denkmalschutz?

Die Sakristei mit dem Glasdach aus der Vogelperspektive. © aerometrics (A)

Dort hält man sich bedeckt. Michaela Schulte, Verwaltungsreferentin der Christophorus-Gemeinde, sagte auf Anfrage lediglich: „Mir liegen zu diesem Thema keine offiziellen Informationen vor.“

Die Sakristei, entworfen vom bekannten Architekten Prof. Stefan Böhm, ist gute 20 Jahre alt und weist schon erheblichen Sanierungsbedarf auf. In diesem Zuge war das ein oder andere Mal von einer baulichen Veränderung die Rede. Selbst das Wort Abriss fiel.

Einem etwaigen Abriss vorbeugen

Und genau das wollen die Initiatoren des Antrages verhindern. Sowohl Polmann als auch Kupczik sind eng mit dem Bau der Sakristei Mitte der 1990er-Jahre verbandelt. Heinz Polmann als CDU-Fraktionsvorsitzender und Joachim Kupczik als Baudezernent sorgten damals gemeinsam mit dem Kirchenvorstand für die Umsetzung der in Politik und Bevölkerung umstrittenen Pläne.

Sakristei St. Christophorus ist umstritten – Jetzt unter Denkmalschutz?

Als bewusster stilistischer Gegensatz zur historischen Christophorus-Kirche entstand Mitte der 1990er-Jahre die Stahl-Glas-Konstruktion. © Jörg Heckenkamp

„Wir wollen die Sakristei unter Denkmalschutz sehen, damit einem etwaigen Abriss ein Riegel vorgeschoben ist“, sagt Joachim Kupczik auf Anfrage. Die Stahl- und Glas-Konstruktion sei ein „besonderer Bau, der in dieser Form nicht so häufig in den letzten 50 Jahren“ errichtet worden sei.

Entscheidung liegt bei der Oberen Denkmalbehörde

Wie geht es nun weiter? Der Bauausschuss kann über das Thema nur beraten, Entscheidungsgewalt hat er nicht. Denn die Denkmalwürdigkeit kann nur die Obere Denkmalbehörde in Münster feststellen.

„Der Behörde haben wir auf Anfrage Unterlagen und Pläne zur Verfügung gestellt“, sagt Wernes Planungsdezernent Ralf Bülte. Er wage keine Prognose, wie diese Prüfung ausgehe.

Das sieht Markus Fischer von der Oberen Denkmalbehörde Münster schon klarer. Zurzeit komme eine Unterschutzstellung nicht infrage. Die Sakristei sei einfach zu jung. Aktuell kämen Gebäude frühestens aus dem Jahre 1990 unter Schutz.

Doch in sieben oder acht Jahren könne das ganz anders aussehen. Fischer: „Wir finden die Sakristei hochinteressant. Man sollte sie schützen und unverändert lassen.“

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