Ruhrbischof hofft auf „konstruktive Konfliktkultur“

In einem Reformdialog wollen die katholischen Bischöfe verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen. Ruhrbischof Overbeck hat große Erwartungen an den „Synodalen Weg“. Am Ende werde das bessere Argument zählen, meint er.

29.11.2019, 07:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ruhrbischof hofft auf „konstruktive Konfliktkultur“

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck. Foto: Caroline Seidel/dpa/Archivbild

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck sieht im bevorstehenden Reformdialog in der katholischen Kirche die „enorme Chance, (...) eine konstruktive Streit- und Konfliktkultur zu entwickeln“. Darin zähle am Ende das bessere Argument und die tiefere Einsicht in den Glauben, erklärte Overbeck in einem Statement auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Der zunächst auf zwei Jahre angelegte Reformprozess, der „Synodaler Weg“ genannt wird, beginnt an diesem Sonntag. Schwerpunktthemen sind der Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die priesterliche Ehelosigkeit (Zölibat) und die Position von Frauen in der Kirche. Der „Synodale Weg“ soll die katholische Kirche nach der Erschütterung durch den Missbrauchsskandal erneuern.

Zu dem Prozess gehört nach Ansicht des 55-Jährigen auch „der offene Dialog mit einer kritischen inner- und außerkirchlichen Öffentlichkeit“. „Widerspruch und Widerstände sind nicht immer nur negativ. Sie können auch bereichernd für die Kirche sein“, meinte er. Dies setze jedoch eine geschwisterliche Haltung voraus, die der anderen Seite in einer inhaltlichen, vernunftgeleiteten Auseinandersetzung zugesteht, „womöglich Recht zu haben“.

Die geplanten Schwerpunktthemen Macht, Partizipation und Gewaltenteilung, Sexualmoral, priesterliche Lebensform sowie Frauen in Diensten und Ämtern nannte Overbeck „heiße Eisen“. „Diese Themen bedürfen einer gründlichen theologischen und geistlichen Betrachtung.“ Um zu gut begründeten Ergebnissen zu kommen, sei man aber natürlich auch auf die Erkenntnisse aus den Human- und Gesellschaftswissenschaften angewiesen. „Ebenso natürlich auf eine nüchterne Sicht auf das alltägliche Glaubensleben der Menschen.“

Overbeck tritt bereits seit Längerem für Reformen ein. Vor einem Monat äußerte er sich in einem Interview der „Bild“-Zeitung kritisch zum Verbot für Frauen, das Priesteramt auszuüben. „Kann man zum Beispiel an einem Y-Chromosom den Zugang zum Priester-Amt festmachen, indem man das mit dem Willen Jesu begründet? Die allermeisten Menschen verstehen das nicht mehr und glauben es auch nicht. Ich bin ebenfalls mehr als nachdenklich“, sagte er der Zeitung.

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