Rückläufige Zahlen: So viele gleichgeschlechtliche Ehen wurden in Schwerte geschlossen

dzEhe für alle

Seit der Einführung der Ehe für alle wurde bundesweit jede 14. Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren geschlossen. Wie die Zahlen in Schwerte aussehen und was Homosexuelle dazu sagen.

von Maximilian Stascheit

Schwerte

, 25.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als der Bundestag in einer Abstimmung ohne Fraktionszwang vor rund zwei Jahren grünes Licht für die „Ehe für alle“ gab, knallten im Parlament die Konfettikanonen. Und viele homosexuelle Paare nutzten seitdem die Möglichkeit, statt einer eingetragenen Lebenspartnerschaft auch offiziell den Bund der Ehe einzugehen, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen.

Seitdem die gleichgeschlechtliche Ehe am 1. Oktober 2017 offiziell eingeführt wurde, gaben sich deutschlandweit bis Ende 2018 37.615 homosexuelle Paare das Ja-Wort. Damit wurde jede 14. Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren abgeschlossen.

Nur geringe Unterschiede zu Schwerte – die Statistik trügt allerdings

In Schwerte sehen die Zahlen tatsächlich ganz ähnlich aus: Wie die Stadt auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, wurden von Oktober 2017 bis Ende 2018 insgesamt 17 gleichgeschlechtliche Ehen abgeschlossen. Bei insgesamt 254 Hochzeiten im selben Zeitraum bedeutet das, dass jede 15. Ehe von homosexuellen Paaren abgeschlossen wurde – damit ist die Quote nur wesentlich geringer als im Bundesvergleich.

Zu berücksichtigen ist bei der Statistik allerdings, dass ein Großteil der gleichgeschlechtlichen Ehe bereits bis Ende 2017 und damit kurz nach der Gesetzeseinführung abgeschlossen wurde. Andere Paare heiraten allerdings selten im Herbst oder Winter.

Viele heirateten direkt nach der Einführung der Ehe für alle

Das belegen auch die Zahlen aus Schwerte: Vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2017 wurde in der Ruhrstadt jede 8. Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren abgeschlossen (7 von 68 in diesem Zeitraum), 2018 war es nur noch jede 23. (8 von 186) und seit Jahresbeginn 2019 jede 53. Ehe (2 von 105).

Dass die Statistik in Schwerte ein ähnliches Bild zeigt wie in Gesamtdeutschland, kann Uwe Görke-Gott gut nachvollziehen. Er und sein Partner Benny Gott gehörten zu den Ersten, die in Schwerte als gleichgeschlechtliche Paare heirateten. „In Schwerte habe ich von Anfang an erlebt, dass die Menschen mir gegenüber sehr offen und respektvoll waren“, erzählt Görke-Gott, der offen mit seiner Homosexualität und auch seiner HIV-Erkrankung umgeht.

Besonders habe er sich gefreut, als am 17. Mai, dem internationalen Tag gegen Homophobie, die Regenbogenflagge am Schwerter Rathaus gehisst wurde. „Schon unser früherer Bürgermeister Heinrich Böckelühr hat sehr viel für Homosexuelle getan“, lobt Görke-Gott den früheren Verwaltungschef.

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Akzeptanz von Homosexuellen hat sich verbessert

Auch die Einführung der Ehe für Alle habe in seinen Augen wesentlich dazu beigetragen, die Akzeptanz von Homosexuellen in der Gesellschaft zu verbessern. „Ich finde schon, dass das Leben seitdem lockerer geworden ist“, so Görke-Gott. Das habe er beispielsweise im Fußballstadion bemerkt, wie der leidenschaftliche Bayern-München-Fan erzählt.

Allerdings – das gibt er zu – könne er sich gut vorstellen, dass die Situation andernorts vor allem in kleineren Städten anders sei. Beispielsweise habe er Freunde aus Hilden, die lieber in Berlin geheiratet hätten, um in der eigenen Heimat niemandem aufzufallen.

Benny und Uwe freuen sich auf ihr zehnjähriges Hochzeitsjubiläum

Für ihn und seinen Mann Benny sei der Hochzeitstag am 20. Oktober 2017 allerdings nur zweitrangig. „Das war für uns einfach eine kleine Bestätigung, dass wir gleichgestellte Menschen sind und die gleichen Rechte haben wie Hetero-Paare“, so Görke-Gott. Das deutlich wichtigere Datum sei für sie allerdings der 20. August 2010, als Uwe und Benny eine gleichgeschlechtliche Ehe eingingen. So feierten sie in dieser Woche bereits ihrem neunten Hochzeitstag – und freuen sich bereits auf das zehnjährige Ehejubiläum im nächsten Jahr.

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