Rollstuhlfahrer klagt: An diesen Orten in Schwerte ist es schlimmer als in anderen Städten

dzProbleme mit Barrierefreiheit

„Seien Sie froh, dass sie nicht zu Fuß laufen müssen“, hörte Rollstuhlfahrer Peter Franzl, als er den unberechtigten Parker auf dem Behindertenparkplatz ansprach. Was noch so schief läuft.

Schwerte

, 07.02.2019, 13:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manchmal sind die Probleme ganz offensichtlich, so wie auf dem buckeligen Bürgersteig am Marienkrankenhaus. An anderen Stellen steckt die Tücke im Detail, wie zum Beispiel bei den Behindertenparkplätzen auf der frisch renovierten Bahnhofstraße.

Die sind zwar vorbildlich, aber ohne Bordsteinabsenkung, sodass der Rollstuhlfahrer über die Straße bis zum nächsten Fußgängerüberweg fahren muss, um auf den Bürgersteig zu gelangen.

Seit 40 Jahren auf den Rollstuhl angewiesen

„Ich komme viel rum, und das ist nirgendwo so schlimm wie in Schwerte“, sagt Peter Franzl. Seit einem Schwimmunfall vor 40 Jahren ist er auf den Rollstuhl angewiesen. „Ich komme viel rum“, sagt er. Dabei gebe es viele kleine Möglichkeiten, Barrierefreiheit in der Schwerter Innenstadt herzustellen.

Deshalb hat Franzl sich mit einem Antrag an den Beschwerdeausschuss des Rates gewandt.

Rollstuhlfahrer klagt: An diesen Orten in Schwerte ist es schlimmer als in anderen Städten

Schon die kleine abgesenkte Bordsteinkante an der Haselackstraße ist für Rollstuhlfahrer unpassierbar, wie Scooter-Benutzer Peter Franzl den Kommunalpolitikern demonstrierte. © Reinhard Schmitz

Dabei listete er eine ganze Reihe von Missständen in der Schwerter Innenstadt auf:

  • Da ist der Bürgersteig am Hellpoth, der eng und schräg ist, sodass man mit einem Scooter oder einem Rollstuhl fast umkippt.
  • Besonders gefährlich sei auch der Bürgersteig der Gasstraße. Da habe ich schon öfter Rollstuhlfahrer aus dem Haus am Stadtpark stürzen sehen, so Franzl.
  • Am Neumarkt und der Goethestraße ist die Bordsteinabsenkung zu hoch.
  • An Behindertenparkplätzen auf der Bahnhofstraße, an der Tagesklinik und der Haselackstraße fehlen sie entweder ganz oder sind auch zu hoch.
  • Dasselbe gilt für die Ampeln an der Karl-Gerharts-Straße und der Hörder Straße.
  • An der Ostenstraße und der Hellpothstraße ist der Bürgersteig marode und zu schmal. Wer runter rutscht, ladet direkt im fließenden Verkehr.
  • Der Fußweg zur Mühlenstraße sei zwar eine Ausweichmöglichkeit, aber für Rollstuhlfahrer nicht nutzbar.

„Doch ganz so einfach ist das nicht“, wie Jan Menges von der Bauverwaltung der Stadt betont. Denn barrierefrei bedeute nicht, nur die Wege für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator zu ebnen, sondern auch Rücksicht auf Sehbehinderte und Blinde zu nehmen. Und gerade für die könne der abgesenkte Bordstein zur Falle werden, weil sie sich an den Kanten orientieren.

„Wenn wir also einen Straßenabschnitt ausbauen, dann müssen wir auch taktile Elemente einbauen“ so Menges. Dabei handelt es sich um Pflastersteine mit Riefen, die mit einem Stock ertastet werden können.

315.000 Euro im Jahr für Straßenausbau und Barrierefreiheit

Wenn eine Straße erneuert oder umgebaut wird, werden derzeit auch behindertengerechte Elemente mit verbaut. Doch das geht nur äußerst langsam voran, denn die Mittel für die Erneuerung von Straßenabschnitten und den barrierefreien Ausbau betragen 315.000 Euro pro Jahr.

Weit komme man damit nicht, sagt Markus Borchert von der Stadtentwässerung Schwerte GmbH (SEG), die für die Stadt die Straßen baut. Und manchmal gebe es auch Probleme, weil kleine historische Straßen in der Altstadt von vielen Leuten genutzt werden. Wenn man da die Gehwege vergrößert, fallen Parkplätze weg, so Borchert.

Alte Gullydeckel werden zur Stolperfalle

Ein Problemfall seien auch alte Gullydeckel, wie Bürgermeister Jürgen Paul ergänzt. Die mit der Gitterabdeckung sind entweder eine Falle für Rollator und Rollstuhlräder wenn das Gitter längs zum Bordstein steht. Dreht man sie um, also parallel zum Bordstein, werden sie zur Falle für Radfahrer. „Da muss es andere Lösungen geben.“

Auch die Deckel würden nach und nach erneuert, so Borchert.

Und zum Thema Behindertenparkplätze hat Franzl auch seine Kritik. Die in der Innenstadt seien immer belegt. Oft allerdings von Menschen ohne entsprechende Parkberechtigung. Wenn man dann da was sage, ernte man auch noch Hohn. „Sie sehen doch, ich humpel heute“, habe er genauso gehört, wie die den zynischen Satz: „Seien sie doch froh, dass sie nicht zu Fuß gehen müssen.“

Dagegen kann die Politik wenig machen. Allerdings gab der Beschwerdeausschuss unter der Leitung von soll jetzt eine Prioritätenliste für die Einrichtung von Bordsteinabsenkungen erstellt werden. Grundsätzlich sollen aber alle Übergänge barrierefrei werden.

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