Rohe Misshandlungen gegen zweijährigen Sohn: Borker steht vor Gericht

Prozess

Ein Paketzusteller (24) aus Bork muss sich seit Donnerstag wegen Kindesmisshandlung durch Unterlassen vor dem Bochumer Landgericht verantworten.

Bochum, Selm

, 05.10.2018, 06:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Rohe Misshandlungen gegen zweijährigen Sohn: Borker steht vor Gericht

Am Landgericht hat der Misshandlungs-Prozess gegen einen Vater aus Selm (mit dem roten Ordner). Mitangeklagt sind die Kindsmutter (l.) und eine Hebamme (r.). Das Elternpaar lebt inzwischen getrennt. © Medienbüro

Laut Anklage hat der Vater kurz nach der Geburt seines Kindes (heute zwei Jahre) nichts gegen rohe Misshandlungen durch die Kindsmutter unternommen.

Auf der Anklagebank sitzen außerdem die inzwischen getrennt von dem Vater lebende Kindsmutter (24) aus Herten. Außerdem hat die Staatsanwaltschaft die damalige Hebamme (65) der Familie wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Alle drei Angeklagten wiesen die Vorwürfe zum Prozessauftakt zurück.

Zahlreiche Knochbrüche

Die Staatsanwaltschaft wirft der Kindsmutter vor, ihr neugeborenes Baby in den ersten zwei Monaten nach der Geburt mehrfach massiv misshandelt zu haben. Tatort der mutmaßlichen Attacken soll die damals noch gemeinsam bewohnte Familienwohnung in Herten gewesen sein. Als der kleine Luca am 1. November 2016 in eine Kinderklinik eingeliefert worden war, hatten Mediziner zahlreiche – teils schon ältere – Knochenbrüche festgestellt.

Die Anklage spricht von insgesamt „neun Ausrissfrakturen am rechten Oberarm, am rechten Ober- und Unterschenkel sowie am linken Unterschenkel“. Darüber hinaus waren mehrere Rippenbrüche und Brüche am Unterarm diagnostiziert worden. Obwohl dem Paketzusteller aus Bork die Misshandlungen und Verletzungen nicht verborgen geblieben waren, so der Vorwurf, soll er nichts unternommen haben, „um weiter drohende Übergriffe von dem Kind abzuwenden“. Der Vater kann sich die Vielzahl und Intensität der Verletzungen nicht erklären.

Angeklagter: „Ich war es definitiv nicht“

Er habe irgendwann bemerkt, dass sein Junge den Arm gar nicht mehr richtig bewege. Daraufhin seien er und die Kindsmutter aber auch praktisch sofort in die Kinderklinik gefahren. Am ehesten erklärlich, so der Vater, seien die Knochenbrüche für ihn durch die Behandlung einer Kinderärztin beziehungsweise schon vorher beim Geburtsvorgang. „Bei der Geburt haben sich der Oberarzt und die Hebamme richtig mit dem Ellbogen auf meine Frau drauf geschmissen“, berichtete der 24-Jährige. Die Mutter sagte zum Prozessauftakt: „Ich kann nur sagen, dass ich es definitiv nicht war. Und ich kann es mir auch nicht bei meinem Mann vorstellen.“

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