Riesen-Schwertransport fährt in Ergste auf die Autobahn - entgegen der Fahrtrichtung

dzGeisterfahrer auf A45

Für die Herausforderungen der Energiewende ist in Garenfeld eine leistungsfähige neue Strom-Umspannanlage gebaut worden. Noch fehlen die riesigen Transformatoren. Der Transport ist knifflig.

Hennen

, 29.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 276-Tonnen-Koloss als Geisterfahrer auf der Autobahn bei Ergste: Ein Transformator-Transport der Superlative wird in der Nacht zu Sonntag Autofahrern entgegenkommen, die auf der A45 nach Dortmund unterwegs sind. Er beansprucht den Standstreifen und die erste Spur, während auf der zweiten Spur der normale Verkehr weiterläuft. Ein Stück weiter dann wechselt der 54 Meter lange Schwertransporter zurück auf die „richtige“ Fahrbahn, die er an der Baustellenausfahrt für die Lennetalbrücke wieder verlassen wird. Dort hat der 380.000-Volt-Trafo fast sein Ziel erreicht. In der neugebauten Umspannanlage am Treibweg in Garenfeld wird er erwartet, um die Herausforderungen der Energiewende zu meistern.

Straßentransport wird seit einem Jahr vorbereitet

Der Planungsaufwand für die nächtliche Aktion ist enorm. „Seit gut einem Jahr bereitet der Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion den Straßentransport vor“, erklärt Pressesprecher Dr. Andreas Preuß. Bis zum Bahnhof Hennen wurde der riesige Siemens-Trafo mit einem Spezialwaggon auf der Schiene transportiert. Abholbereit steht er schon neben dem Umladegleis, das Amprion extra für solche seltenen Fälle vorhält. Die Weiterfahrt auf dem Straßen-Tieflader soll dort am Freitag, 30. August, gegen 22 Uhr starten. Die genaue Abfahrtszeit bestimmt die Polizei vor Ort.

Riesen-Schwertransport fährt in Ergste auf die Autobahn - entgegen der Fahrtrichtung

Neben dem Amprion-Ladegleis am Bahnhof Hennen wartet der riesige Trafo schon auf seinen Transport zum Umspannwerk in Hagen-Garenfeld. © Reinhard Schmitz

Halteverbotsschilder entlang der Straßen lassen die mit den Behörden austüftelte Route erahnen, die in zwei aufeinanderfolgenden Nächten bewältigt wird. Die 35 Kilometer lange Strecke umgeht Engstellen und schwache Brücken. Deshalb führt sie keineswegs auf direktem Wege nach Schwerte, sondern in zwei aufeinanderfolgenden Nächten erst tief nach Iserlohn zurück, um von dort über den Schälk in Richtung Ergste zu schwenken. Am Wanderparkplatz Wannebach an der Letmather Straße endet die erste Etappe, bevor es am Samstagabend weitergeht zur A45 und nach Garenfeld. Jeweils 15 Mitarbeiter verschiedener Unternehmen begleiten den Transport. Sie sichern, montieren im Weg stehende Straßenschilder ab und bauen sie nach der Vorbeifahrt sofort wieder auf.

Riesen-Schwertransport fährt in Ergste auf die Autobahn - entgegen der Fahrtrichtung

Die Betonwände der Boxen, in denen die fünf Großtransformatoren in der neuen Amprion-Umspannanlage Garenfeld aufgestellt werden, halten mögliches Brummen in Richtung auf die Wohnbebauung zurück. © Reinhard Schmitz

Die Fahrt ist sozusagen das Pilotprojekt für zwei weitere Transporte: In zwei Doppel-Konvois werden später noch vier weitere Transformatoren von Hennen nach Garenfeld transportiert. Noch sind dort die fünf schallschluckenden Trafobuchten in der Umspannanlage leer, die Amprion weit hinten an der Hangkante zum Lennetal auf einem ehemaligen Pferdekotten errichtet hat. Erst nach einem Mediationsverfahren mit einer Bürgerinitiative konnte 2016 mit dem Bau auf dem 250 mal 180 Meter großen Grundstück begonnen werden. Als Ausgleich wurden 14 Hektar mit Streuobstwiesen und Hecken bepflanzt.

Mittlerweile ist das Projekt, in das an die 40 Millionen Euro investiert werden, zu 95 Prozent fertiggestellt. Es ist - bildlich gesprochen - eine Abfahrt von den Stromautobahnen, die Amprion als eines von vier deutschen Unternehmen betreibt. Hier wird die Spannung mit den Trafos von 220.000 auf 110.000 Volt umgewandelt und an die Enervie weitergegeben, die ihrerseits dann die Schwerter Stadtwerke beliefert.

Leistungsfähigkeit wird für die Energiewende vervierfacht

Um die Leistungsfähigkeit für die Energiewende zu verbessern, ist die Umspannanlage bereits für den Eingang von 380.000 Volt ausgelegt. Die höhere Spannung vervierfacht die Transportkapazitäten. Die Zuleitung von Dortmund-Kruckel nach Garenfeld soll - als erster Abschnitt der Fernleitung bis ins rheinland-pfälzische Dauersberg - dafür umgebaut werden. Der Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Arnsberg liegt bereits vor, es gibt aber noch eine Klage aus Herdecke. Amprion zeigt sich trotzdem zuversichtlich, da man im Verlauf einer bestehenden Trasse bauen will. Dort sollen 170 alte Masten verschwinden und durch 40 neue und höhere ersetzt werden.

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