Rettungswagen erreichen große Teile Selms nicht innerhalb der geforderten Frist

dzRettungswache

Von der Rettungswache Bork aus können die dort stationierten Rettungswagen große Teile Selms nach Alarmierung nicht innerhalb einer geforderten Frist erreichen. Das soll sich ändern.

Bork, Selm, Cappenberg

, 06.11.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die nächste Fortschreibung des Rettungsdienstbedarfsplans empfiehlt für Selm größere Veränderungen. Es sind zwei Komponenten, die dabei eine wesentliche Rolle spielen: der Standort der Rettungswache und die Verfügbarkeit der Rettungswagen.

Benjamin Winter, beim Kreis Unna für den Rettungsdienst zuständig, stellte dem Selmer Ausschuss für Umwelt und Zivilschutz in der Sitzung am Dienstag, 5. November, aktuelle Zahlen in Sachen Rettungsdienst vor. Vorab: Sie belegen große Defizite.

Ein Defizit besteht in der sogenannten Hilfsfrist. Selm-Mitte und Bork gelten als städtisches Gebiet. Für solche Gebiete ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der Rettungswagen nach Alarmierung innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein muss. Diese Frist wird Hilfsfrist genannt.

Cappenberg gilt als ländliches Gebiet. Die sogenannte Hilfsfrist liegt dort bei zwölf Minuten.

Nur 42 Prozent der Einsatzziele innerhalb von acht Minuten

Das Ergebnis der Erhebung der Zahlen aus dem Jahr 2018 für die Fortschreibung des Rettungsdienstbedarfsplans sieht für Selm nicht gerade rosig aus. Für Selm-Mitte und Bork gelingt es in nur 42 Prozent der Einsätze, die Hilfsfrist von acht Minuten einzuhalten, berichtet Winter. Für den gesamten Kreis Unna liegt der Wert bei 72 Prozent. Selm liegt bei der Hilfsfrist für städtische Gebiete an letzter Stelle im Kreis. Den zweitschlechtesten Wert erreicht die Gemeinde Bönen und der liegt immerhin bei knapp 65 Prozent.

Auch bei der Ausrückzeit, also der Zeit zwischen Alarmierung und Abfahrt des Rettungswagens, liegt Selm ganz hinten. Der Selmer Wert von 2:11 Minuten liegt weit unter dem Wert des Kreises von 1:41 Minuten. Die rote Laterne hat Selm auch mit der Anfahrtszeit von 6:42 Minuten von der Abfahrt bis zum Erreichen des Einsatzortes. Im Kreis liegt die Zeit bei 5 Minuten.

Für Cappenberg, also das ländliche Gebiet, sehen die Zahlen so aus: Die Hilfsfrist wird in knapp 76 Prozent der Einsätze erreicht. Kreisweit liegt der Wert bei 88,70 Prozent. Die Ausrückzeit für Cappenberg liegt bei 2:01 Minuten (Kreis: 1:42 Minuten). Die Anfahrtszeit nach Cappenberg beträgt 7:40 Minuten (Kreis: 6:37 Minuten).

Selms Norden am schlechtesten erreichbar

Es sind vor allem die nördlichen Bereiche Selms, die vom jetzigen Standort der Rettungswache, also in Bork, nicht innerhalb der Hilfsfrist von acht Minuten zu erreichen sind, berichtet Benjamin Winter. Das ist das zweite Defizit beim Rettungsdienst für Selm.

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Beide Defizite - bei den Hilfsfristen und der Abdeckung innerhalb der Hilfsfristen - haben zu neuen Überlegungen hinsichtlich der Rettungswache für Selm geführt. Folgende Möglichkeiten gibt es laut Benjamin Winter: „Entweder gibt es einen anderen Standort für die Rettungswache oder es gibt eine Rettungswache in Bork und eine in Selm-Mitte.“

Rettungsdienstbedarfsplan Die Kreise und kreisfreien Städte stellen Bedarfspläne auf. In den Bedarfsplänen sind insbesondere Zahlen und Standorte der Rettungswachen, weitere Qualitätsanforderungen sowie die Zahl der erforderlichen Krankenkraftwagen und Notarzt-Einsatzfahrzeuge sowie die Maßnahmen und Planungen für Vorkehrungen bei Schadensereignissen mit einer größeren Anzahl Verletzter und Kranker festzulegen. Der Rettungsdienst hatte 2018 in Selm iunsgesamt 3661 Einsätze. Darunter waren 2218 Notfälle, 555 Krankentransporte und 888 Einsätze mit Notarzt.

Rettungswache: Neuer Standort in Selm im Gespräch

In Gesprächen mit der Verwaltung der Stadt Selm sei heraus gekommen, dass es ein alternatives Grundstück für eine Rettungswache gebe: im Bereich Bundesstraße 236 (Kreisstraße) und K44n (Zeche-Hermann-Wall). Von diesem Standort aus seien alle Bereiche Selms gut zu erreichen. Der Kreis favorisiere diesen Standort für eine neue Rettungswache.

Rettungswagen erreichen große Teile Selms nicht innerhalb der geforderten Frist

Auf diesem Gelände könnte eine neue Rettungswache gebaut werden. © Arndt Brede

„Wir sind guter Hoffnung, dass wir mit einem Grundstückseigentümer handelseinig werden“, erklärte Stephan Schwager, zuständiger Dezernent bei der Stadt Selm. Die bisherigen Planungen für einen Neubau am Standort Bork neben der bestehenden Rettungswache müssen laut Schwager überarbeitet werden.

Rettungswagen erreichen große Teile Selms nicht innerhalb der geforderten Frist

Ursprünglich sollte auf der Wiese neben der Rettungswache in Bork eine neue Rettungswache gebaut werden. © Oskar Neubauer

Eine weitere Empfehlung des Kreises Unna für die Fortschreibung des Rettungsdienstbedarfsplans: Künftig müssen zwei Rettungswagen rund um die Uhr einsatzbereit sein. Der Rettungsdienstbedarfsplan soll politisch im Kreistag innerhalb des ersten Quartals 2020 verabschiedet werden.

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