Rethmann investiert in Eisenbahn-Markt

Übernahme

Es ist erst wenige Tage her, da verkündete der zur Rethmann-Gruppe (Selm) gehörende Remondis-Konzern (Lünen) den Kauf des „Grünen Punkts“ vom Duales System Deutschland. Nun folgt der nächste Coup.

Lünen, Selm

, 03.10.2018, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rethmann investiert in Eisenbahn-Markt

Ludger Rethmann, (Vorstandsmitglied der Gruppe, v.l.), Thierry Mallet (Präsident von Transdev) und Eric Lombard (Chef der Caisse des Dépôts-Gruppe) nach der Vertragsunterzeichnung in Paris. © Rethmann-Gruppe

Während die Kartellbehörden noch die Übernahme des „Grünen Punkts“ prüfen, hat die milliardenschwere Rethmann-Gruppe erneut zugeschlagen: Wie der Konzern am Dienstag (2. Oktober) bestätigte, will sie beim französischen Transportkonzern Transdev einsteigen. Rethmann solle den 30-Prozent-Anteil des französichen Mischkonzerns Veolia für 340 Millionen Euro übernehmen, teilte Veolia am Dienstag in Paris mit.

Es sei geplant, den Verkauf noch im laufenden Jahr abzuschließen. Mehrheitseigner von Transdev bleibt demnach die öffentliche französische Förderbank Caisse des dépôts.

Personennahverkehr

Im Zuge des Einstiegs bei Transdev will Rethmann seine in der Tochtergesellschaft Rhenus Veniro (Moers) gebündelten Aktivitäten im öffentlichen Personennahverkehr in Deutschland in die Transdev-Gruppe einbringen. Dadurch werde der Anteil von Rethmann an Transdev bei 34 Prozent liegen, hieß es.

Der geplante Einstieg der Remondis-Mutter bei Transdev steht ebenfalls noch unter Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigungen. „Wir wollen unsere Expertise in der internationalen Logistik, in den Dienstleistungen für die öffentliche Hand und unser langfristig ausgerichtetes Modell einer Unternehmensgruppe in Familienhand im Dienste von Transdev einsetzen, um optimale, auf die Kunden ausgerichtete Mobilitätslösungen weiterzuentwickeln“, sagte Ludger Rethmann bei der Vertragsunterzeichnung in Paris.

Die Transdev-Gruppe erzielt bereits jetzt 60 Prozent ihres Gesamtumsatzes von rund 6,6 Milliarden Euro außerhalb Frankreichs. Allein in Deutschland liegt der Umsatz bei 900 Mio Euro, womit das Unternehmen den Angaben zufolge hinter der Deutschen Bahn der zweitgrößte Akteur auf dem regionalen Eisenbahnmarkt ist. Die Aktivitäten von Transdev sollen durch den Einstieg von Rethmann noch stärker international ausgerichtet werden. Neben dem Ausbau in Deutschland sollen auch die Aktivitäten in Osteuropa vorangetrieben werden, wobei man auch dort auf die Erfahrungen von Rethmann setzen will.

Drei Sparten

Die Rethmann-Gruppe erzielt nach eigenen Angaben mit seinen drei Sparten Remondis (Lünen), Rhenus Logistics (Holzwickede) und Saria (Selm) einen Gesamtumsatz von 14,4 Milliarden Euro (2017). Durch den geplanten Einstieg bei Transdev sowie die Ende vergangener Woche angekündigte Übernahme des Grünen Punkts dürften die Umsatzerlöse des Familienunternehmens nach Einschätzung von Branchenexperten um weitere 2,5 Mrd Euro steigen.

Geld für weitere Expansionen soll trotz der geplanten Übernahmen dennoch weiterhin vorhanden sein. Das Eigenkapital des Konzerns soll Ende 2016 rund 3 Milliarden Euro betragen haben. Zur Strategie der Rethmann-Gruppe und ihrer Unternehmen zählen seit Jahren Firmenübernahmen. Dazu hatte Remondis-Manager Herwart Wilms Ende 2017 im Interview mit unserer Redaktion erklärt: „Es ist die Philosophie des Unternehmens, dass wir weiter wachsen wollen. Wir können das auch. Das liegt daran, dass die Gesellschafter des Unternehmens sich entschieden haben, die Gewinne nicht zu entnehmen. Mehr als 90 Prozent der Gewinne bleiben im Unternehmen. Damit verfügen wir über ein sehr großes Eigenkapital, sodass wir die Wachstumsstrategie ohne Banken umsetzen können.“

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