Regisseurin Caroline Link: „Die Tour untertage hat mich nachhaltig beeindruckt“

dz30. Lüner Kinofest

Caroline Link gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Regisseurinnen. Sieben Jahre, bevor sie einen Oscar gewann, war sie in Lünen zu Gast und erinnert sich heute an etwas Besonderes.

Lünen

, 23.09.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit ihrem wunderbaren Film „Jenseits der Stille“ eröffnete die damals 32-jährige Caroline Link 1996 das Lüner Kinofest in der „Lichtburg“ und beeindruckte das Publikum. Was diese Regisseurin kann, blieb auch Hollywood nicht verborgen. 2003 gewann ihr Film „Nirgendwo in Afrika“ den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Und in diesem Jahr begeistert sie zahlreiche Kinobesucher mit ihrer Verfilmung des Hape-Kerkeling-Bestsellers „Der Junge muss an die frische Luft“, gewann damit den Deutschen Filmpreis für den besucherstärksten Film.

Kollege Dominik Graf ist ihr Lebensgefährte

Ihr Lebensgefährte ist der bekannte deutsche Regisseur Dominik Graf, der auch schon mehrmals in Lünen zu Gast war und dessen Unterschrift eine der Platten auf der Promi-Meile vor der Cineworld ziert.

Sie waren mit ihrem wunderbaren Spielfilm „Jenseits der Stille“ vor einigen Jahren beim Kinofest zu Gast. Erinnern Sie sich noch an Ihren Besuch in Lünen?

Ich erinnere mich vor allem an die tolle Fahrt untertage, mit Helm und am Ende mit schwarzen Gesichtern. Das hat mich nachhaltig beeindruckt. Ich weiß auch nicht, ob ich mich das heute noch trauen würde. Es war ganz schön beklemmend durch die sehr engen und warmen Gänge zu gehen, in denen ganze Generationen gearbeitet haben. Diese Tour werde ich nicht vergessen.

In der Zwischenzeit ist viel passiert, Sie haben den Oscar gewonnen und in diesem Jahr mit „Der Junge muss an die frische Luft“ wieder einen großen Kinoerfolg gelandet. Hat sich Ihre Arbeitsweise als Regisseurin auch im Laufe der Jahre geändert?

Es wäre ja schlimm, wenn ich in all den Jahren nichts dazu gelernt hätte. Aber auch durch die digitale Technik heute hat sich vieles verändert. Meiner Meinung nach nicht nur zum Vorteil. Ich versuche immer noch konzentriert zu drehen für den Moment. Als wir noch auf 35 mm Film gedreht haben, war das Material teuer, das ist schon ein großer Unterschied zu heute. Man konnte die Kamera nicht einfach laufen lassen.

Regisseurin Caroline Link: „Die Tour untertage hat mich nachhaltig beeindruckt“

Caroline Link erhielt im Januar 1997 im Münchner Cuvillies-Theater den mit 40 000 Mark dotierten Nachwuchsregiepreis für ihr Erstlingswerk "Jenseits der Stille", der 1996 das Kinofest eröffnete. © picture-alliance / dpa

Wenn Sie heute „Jenseits der Stille“ noch einmal drehen würden, würden Sie es genauso machen wie damals vor 23 Jahren?

Ich mag den Film immer noch gern. Vielleicht ist er mir heute ein bisschen zu süßlich. Mittlerweile glaube ich selbst nicht mehr so recht daran, dass am Ende alles gut wird. Mein Blick auf die Familie und auf das Leben ist heute sicher komplizierter als mit 30. Trotzdem interessiert mich das Thema Kindheit und damit verbunden eben auch Familie immer noch sehr in meinen Filmen. Die Familie ist der Ursprung all unserer Eigenheiten und unseres Selbstwertgefühls.

Beispielsweise in Ihrem sehr erfolgreichen Film „Der Junge muss an die frische Luft“.

Das stimmt. Da geht es natürlich auch um das Thema Familie. Ruth Toma hat ein wunderbares Drehbuch geschrieben. Die Sätze, für die unser junger Hauptdarsteller Julius Weckauf vom Publikum gefeiert wird, stammen ja schließlich von ihr.

Regisseurin Caroline Link: „Die Tour untertage hat mich nachhaltig beeindruckt“

Caroline Link und Hape Kerkeling bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises im Prinzregententheater. Link wurde mit dem Preis für die beste Regie für den Film „Der Junge muss an die frische Luft" ausgezeichnet. Beim Deutschen Filmpreis gab es die Auszeichnung für den besucherstärksten Film. © picture alliance/dpa

Mögen Sie eigentlich Film-Festivals, besuchen Sie sie gerne?

Ja, sehr Ich bin mit meinen Filmen „Jenseits der Stille“ und „Pünktchen und Anton“ auf vielen internationalen Festivals gewesen. Das Goethe-Institut hat uns durch die ganze Welt geschickt. Mittlerweile würde ich schon überlegen, ob es Sinn macht, für drei Tage nach Rio de Janeiro zu fliegen. Was mir immer gut gefallen hat, war der Austausch mit Regisseuren aus anderen Ländern. Es ist auch immer spannend, ob und wie deutsche Filme im Ausland funktionieren. Das werden wir jetzt auch bei „Der Junge muss an die frische Luft“ sehen. Wir zeigen ihn auf verschiedenen internationalen Filmfestivals und schauen mal, wie er ankommt.

Als Sie vor 16 Jahren den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film gewonnen haben – was war das für ein Gefühl? Mehr geht nicht, was soll jetzt noch kommen?

Das ist eine Frage, die mir schon oft gestellt wurde. Natürlich hab ich mich sehr gefreut, dass ich den Oscar gewonnen habe. Aber er ist für mich nicht das Maß aller Dinge. Damals wurden die fremdsprachigen Filme von einer sehr kleinen Gruppe der Academy ausgewählt. Die Emotionalität meiner Filme hat bei dieser Gruppe, die damals vor allem aus älteren Mitgliedern bestand, gut funktioniert.

Regisseurin Caroline Link: „Die Tour untertage hat mich nachhaltig beeindruckt“

Regisseurin Caroline Link zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Regisseur Dominik Graf. Beide waren schon beim Lüner Kinofest zu Gast. © picture alliance / dpa

Können Sie schon etwas über Ihre weiteren beruflichen Pläne verraten?

Ich habe im vergangenen Sommer das Buch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Judith Kerr verfilmt. Jetzt sind wir dabei, den Film zu schneiden. Weihnachten soll er in die Kinos kommen.

Was wünschen Sie dem Lüner Kinofest zum 30. Geburtstag?

Ich wünsche dem Kinofest starke deutsche Filme für ein erwachsenes Publikum. Wir haben viele lustige Filme für junge Leute. Mit fehlen Filme mit erwachsenen Figuren, die mir auch in meinem Alter mit Mitte 50 unter die Haut gehen. Und ich wünsche dem Kinofest ein anspruchsvolles und kritisches Publikum.

Hier geht es zu allen bisher erschienen Interviews:

Biopgraphie

Drehbuchautorin und Regisseurin

  • Caroline Link studierte von 1986 bis 1990 an der Hochschule für Fernsehen und Film München in der Abteilung Dokumentarfilm und arbeitete danach als Regieassistentin und Drehbuchautorin.
  • Als Abschlussfilm an der HFF legte sie 1990 den Spielfilm „Sommertage“ vor, der von der ersten Liebe eines 16-jährigen Jungen erzählt. Der Film wurde bei den Hofer Filmtagen mit dem Kodak-Förderpreis ausgezeichnet.
  • Nach ihrem Studium arbeitete Link als Drehbuchautorin. 1992 begann sie mit ersten Recherchearbeiten für das Drehbuch zum Film „Jenseits der Stille“, den sie 1996 vorstellte und der in Folge verschiedene Preise (Bayerischer Filmpreis, Bundesfilmpreis, Deutscher Filmpreis, Deutscher Videopreis) gewann. Er wurde 1998 auch als deutscher Beitrag für den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert.
  • Nach dem Kinderfilm „Pünktchen und Anton“ (1999) war Links nächster großer Kinoerfolg „Nirgendwo in Afrika“ (2001), der 2003 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewann. Wegen einer Erkrankung ihrer Tochter konnte sie den Preis nicht selbst entgegennehmen.
  • Weitere Filme waren „Im Winter ein Jahr“, das Roadmovie „Exit Marrakech“, und im Dezember 2018 kam ihr bisher erfolgreichster Film ‚Der Junge muss an die frische Luft“ in die Kinos.
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