Rede von Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe

dzHintergrund

19.10.2018, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Eine Feier zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gehört sicherlich zu einer der schönsten Veranstaltungen für einen Bürgermeister, besonders wenn es sich um einen Bürger der eigenen Stadt handelt.

Dabei kennen wir uns noch gar nicht so lange. Es war die Familie Ursula und Manfred Hülsmann, die mich 2015 aufsuchten und mich auf Ihr großartiges ehrenamtliches Engagement aufmerksam machten.

Lieber Dr. Kramme, Sie leben seit mehr als 20 Jahre in Fröndenberg, doch Ihr beruflicher Wirkungskreis waren umliegende Städte wie Werl, Soest, Hamm und Warstein. In der Presse wurde über ihr ehrenamtliches Engagement in Eritrea eher in diesen Orten berichtet. So war und bin ich dem Ehepaar Hülsmann außerordentlich dankbar, von Ihnen und Ihrem Wirken erfahren zu haben.

Im Juli 2015 lernte ich Sie und Ihre liebe Frau Martina schließlich kennen. Es war Ihnen nicht so ganz recht, anlässlich einer kleinen Feierstunde selbst im Rampenlicht zu stehen. Sie sind persönlich eher bescheiden; aber in der Sache hochmotiviert, so habe ich sie kennengelernt.

Zugang zu Bildung einzige Chance auf ein menschenwürdiges Leben

Ihre Berichte von der Gehörlosenschule in Asmara haben mich sehr beeindruckt. Gehörlose sind in Eritrea stigmatisiert, und ein Leben in Elend ist für sie vorprogrammiert. Und immer wieder müssen Lehrer und Schüler mit großen Problemen kämpfen. Wenn der Staat zum Beispiel den Lehrern über einen längeren Zeitraum keine Gehälter auszahlt, entsteht für sie existenznotwendig die ständige Gefahr, dass Lehrer die Schule verlassen. Das kann für die Gehörlosen fatale Folgen haben, denn das Erlernen der Gehörlosensprache und der damit verbundene Zugang zu Bildung ist die einzige Chance ein menschenwürdiges Leben zu führen.

Sie, lieber Dr. Kramme, und ihre Mitstreiter, haben für diese Schule zahlreiche Projekte realisiert: ein Solarprojekt zur Gewinnung von Energie und Wärme, Abhilfe beim Trinkwasserproblem durch transportable Wasseraufbereitungsanlagen (Paul), die Errichtung von Toiletten.

Immer wieder sind es auch ganz praktische einfache Dinge, um deren Beschaffung sich Doktor Kramme kümmert: Wärmende Decken oder Fahrräder oder die Errichtung einer Fahrradwerkstatt zur Sicherung der Mobilität.

“Auferlegte Zölle können Sie kaum aus der Ruhe bringen“

Ihre Arbeit, Ihr Engagement ist nicht möglich ohne Freunde und Familie, die sie dabei unterstützen, Ihnen den Rücken freihalten und für die selbstverständlich ist, dass sie viel Zeit für das Engagement aufwenden. Viel Zeit und Geld kosten die Flüge und der Aufenthalt in Eritrea. Komplizierte Export- und Importbedingungen, willkürlich auferlegte Zölle können Sie kaum aus der Ruhe bringen. Es ist Ihr erklärtes Ziel, dass die Inhalte der Container bei den Bedürftigen ankommen. Für dieses Ziel nehmen Sie Konflikte und Strapazen auf sich.

Sie scheuen keine Umwege, keine Probleme. Allen Widerständen zum Trotz verfolgen Sie Ihren Weg. Dabei bringen Sie sich durchaus auch selbst in Gefahr in einem Land in dem kriegerische Auseinandersetzungen an der Tagesordnung sind.

Unter schwierigsten Bedingungen haben Sie praktische medizinische Hilfe als Chirurg und Facharzt für Orthopädie geleistet. Sie operierten viele Jahre unter primitivsten Umständen und haben Krankenhäuser mit Medikamenten und Geräten versorgt. Sie linderten menschliches Leid in einem Land, in dem Menschen sich keine ärztliche Hilfe leisten können. Sie tun das alles selbstverständlich, ohne großes Aufheben darum zu machen.

Situation der Flüchtlinge aus Kriegsgebieten der Öffentlichkeit geschildert

Lieber Dr. Kramme, als wir uns 2015 kennen lernten, erlebten wir gerade den Höhepunkt der Flüchtlingswelle und es war unser Anliegen, die Flüchtlingsarbeit auf unterschiedliche Weise zu unterstützen. Während eines von mir organisierten Benefizkonzertes in der Aula der Gesamtschule Fröndenberg übernahmen Sie die einführenden Worte und schilderten die Situation der Flüchtlinge aus den Kriegswirren der unterschiedlichen Länder.

Ich möchte Ihnen und Ihrer Familie von Herzen für Ihr großartiges Engagement danken und Ihnen zu der Würdigung Ihrer ehrenamtlichen Arbeit durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Namen der Stadt Fröndenberg aber auch persönlich sehr herzlich gratulieren.“

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