Netto-Werbung: „Geht nicht um Fragen des schlechten Geschmacks, sondern um Respekt“

dzFrauenfeindliche Werbung

Die Selmer Gleichstellungsbeauftragte Maja Werlich bezieht Stellung zur Werbekampagne von Netto, die mit nackten Menschen für unverpackte Lebensmittel wirbt.

Selm

, 18.11.2019, 13:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Frau, die sich in der Netto-Werbung Äpfel vor den sonst unbekleideten Körper hält, hat im Kreis Unna Wellen geschlagen. Wie berichtet wirbt die Supermarktkette, die auch in Selm eine Filiale hat, auf großen Werbeplakaten - in Bork an der Hauptstraße hängt beispielsweise eins - mit unverpackten Menschen für unverpackte Produkte.

Netto hat für die Werbekampagne, bei der nicht nur nackte Frauen, sondern auch nackte Männer zu sehen sind, viel Kritik einstecken müssen: Vor allem über die Sozialen Medien hagelte es Kritik.

„Warum verzichten Werbefachleute nicht endlich darauf?“

Auch Maja Werlich, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Selm, verurteilt diese Art von Werbung deutlich. „Fragwürdig ist, warum Werbefachleute nicht endlich auf Werbung verzichten, die in irgendeiner Weise die Würde der Frauen (die Würde des Menschen ist unantastbar) missachtet, oder auf Werbung verzichten die ein einseitiges, einschränkendes Frauenbild vermitteln. Bei frauenfeindlicher Werbung geht es nicht um Fragen des guten oder schlechten Geschmacks, sondern um Respekt“, erklärt sie.

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Sie formuliert außerdem eine Forderung: „Werbefachleute sind aufgefordert, auf die Präsentation von weiblichen Körperteilen als Verkaufsargument für alle möglichen Artikel, wie aktuell unverpacktes Obst und Gemüse, zu verzichten.“

Aufruf, Unmut über sexistische Werbung öffentlich zu machen

Das sei Konsens gewesen auf der letzten Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Unna, bei der dieses Thema diskutiert wurde. Sie rufen deshalb dazu auf, Produkte, die so beworben werden, nicht in Anspruch zu nehmen, und den Unmut über sexistische Werbung weiter öffentlich zu machen - etwa durch eine Beschwerde beim Werberat oder beim Unternehmen selbst.

„Gewalt hat viele Gesichter“

Sie weisen außerdem auf den 25. November hin: dem Aktionstag „Nein zu Gewalt an Frauen“. „Denn Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter und sexistische Werbung gehört eindeutig dazu“, so Maja Werlich.

Netto-Werbung: „Geht nicht um Fragen des schlechten Geschmacks, sondern um Respekt“

Die Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Unna zeigen Flagge: Sie werben für den Aktionstag "Nein zu Gewalt an Frauen", der am 25. November stattfindet. © Kreis Unna

Und weiter: „Gendermarketing liegt im Trend, Produkte werden klischeehaft und stereotyp männlich und weiblich eingeteilt um den Umsatz zu steigern. Zwar werden heute vereinzelt auch Männer in entwürdigender Weise dargestellt. Dennoch ist frauenfeindliche Werbung immer noch weit verbreitet. Trotz des Engagements vieler Institutionen und Personen, die für ein Verbot sexistischer, diskriminierender und frauenfeindlicher Werbung eintreten, gibt es nur in wenigen Bundesländern ein Verbot. NRW gehört leider nicht dazu!“

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