Chinesen illegal eingeschleust: Razzien in Thüringen und NRW

Eine Chinesin soll Landsleute illegal nach Deutschland geschleust haben. Dafür hat sie nach Erkenntnissen der Ermittler 20 000 bis 200 000 Euro verlangt. Nun ist die Bundespolizei angerückt.

05.12.2019, 09:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei Razzien gegen Schleuserkriminalität hat die Bundespolizei am Donnerstag in Thüringen und Nordrhein-Westfalen mehrere 10 000 Euro sowie drei Immobilien beschlagnahmt. Die Ermittlungen richten sich gegen eine 55 Jahre alte Chinesin und einen 40-jährigen Deutschen, teilte die Bundespolizeiinspektion Halle mit. Die Hauptbeschuldigte soll vorwiegend gut situierten Chinesen geholfen haben, deutsche Visa zu erschleichen, oder mit Hilfe von Scheinfirmen einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland zu bekommen. Die Rede war von mindestens rund 25 Menschen, die so illegal nach Deutschland gekommen sind oder dies vorhatten. Die Verdächtige hätte für ihre Leistungen zwischen 20 000 und 200 000 Euro verlangt.

Der Fall zeige, dass Schleusernetzwerke ihre Kunden nicht nur in Staaten mit instabiler politischer oder wirtschaftlicher Lage suchten, erklärte Polizeidirektor Markus Pfau. „Sie gestalten ihre gut organisierten Dienste auch zu Gunsten zahlungskräftiger Kunden; dies mit Bezügen in die Wirtschaftskriminalität.“

Im Zuge der Ermittlungen wurden am Donnerstagvormittag Gebäude in Bad Liebenstein (Wartburgkreis) und im nordrhein-westfälischen Hennef durchsucht. Dabei waren 65 Polizisten im Einsatz - im Auftrag der auf organisierte Kriminalität spezialisierten Staatsanwaltschaft Gera. Sie hätten bei der Aktion zahlreiche Beweismittel gesichert und Vermögenswerte beschlagnahmt, hieß es. Das Amtsgericht Gera hatte den Angaben zufolge einen sogenannten Vermögensarrest von 1,1 Millionen Euro gegen die Beschuldigte erlassen.

Zu den betroffenen Objekten gehört das alte Kurkrankenhaus von Bad Liebenstein. Die in Verdacht stehende Geschäftsfrau habe diese Immobilie 2015 gekauft und damals angekündigt, dort ein Hotel, eine Sprachschule und eine Klinik für Fernöstliche Heilmedizin einrichten zu wollen, berichtete der MDR Thüringen. Ob es dort tatsächlich derartige Geschäftstätigkeiten gebe, sei unklar. Dem Sender zufolge haben sich unter der Adresse seit 2016 mindestens 14 Unternehmen angesiedelt.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Scheinfirmen gegründet wurden, um eine Selbstständigkeit der Ausländer vorzutäuschen. Die 55-Jährige habe dazu mit den Einreisewilligen Verträge geschlossen. Darin sei neben dem Aufbau einer Scheinselbstständigkeit auch immer der Kauf einer Immobilie vorgesehen gewesen. Die beiden Beschuldigten blieben den Angaben zufolge vorerst auf freiem Fuß.

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