Raucher ärgern sich über gelbe Karten und langes Warten bei Party im Kolpingsaal

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Wer am Dienstag auf der 80er und 90er Party im Kolpingsaal eine Zigarette rauchen wollte, musste lange anstehen, um nach draußen zu kommen. Weil es Ärger um Lärm gab, gibt es nun diskussionswürdige Regeln.

Werne

, 04.10.2018, 17:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mal eben eine dampfen gehen und dann wieder weiter tanzen: Das war im Kolpingsaal bei der 80er und 90er Party am Dienstagabend, 2. Oktober, unmöglich. Denn Raucher mussten sich in Geduld üben. Sie mussten lange auf eine gelbe Karte warten. Diese benötigten sie, damit sie den Saal zum Rauchen verlassen und danach wieder betreten konnten. Der Hintergrund: Maximal 15 Personen sollten sich vor dem Kolpingsaal gleichzeitig aufhalten, damit es nicht zu laut wird.

Beschwerden um zu laute Gespräche während des Rauchens hätten den Pächter des Kolpingsaals, die Stadt Werne, zu neuen Regeln gezwungen. „Das Rauchen ist nicht das Problem, sondern das laute Unterhalten währenddessen“, sagt Werner Kneip aus dem Ordnungsamt der Stadt Werne. Nun muss der Veranstalter dafür Sorge tragen, dass weniger Krach entsteht. Aber Kneip sieht auch die Raucher selbst in der Pflicht. „Sie müssen sich vor Augen führen, dass sie sich ruhiger verhalten müssen.“

Raucher ärgern sich über gelbe Karten und langes Warten bei Party im Kolpingsaal

Kirsten Mengelkamp-Bleiber hat die Party am Dienstagabend vorzeitig verlassen. Die 50-Jährige hatte sich zweimal lange anstellen müssen, bis sie in den Raucherbereich gehen konnte. „Es ist vielleicht gut für uns, weil wir dann weniger rauchen. Aber bevormunden lassen möchte ich mich nicht“, sagt die Wernerin. © Andrea Wellerdiek

Die Neuregelung sorgt für Unverständnis bei vielen Gästen. „Das ist sowas von lächerlich. Ich habe kein Problem damit, als Raucher rauszugehen. Aber jetzt muss man auf die gelbe Karte warten. Das ist eine Art Bevormundung“, sagt Kirsten Mengelkamp-Bleiber, die an diesem Abend zweimal geraucht und einmal sogar 40 Minuten angestanden habe. Im sozialen Netzwerk Facebook schilderte sie die Situation, kurz bevor sie die Party frühzeitig um kurz nach Mitternacht verlassen hat. In den mehr als 60 Kommentaren der anderen Partygäste schwingt viel Ärger mit.

Und den haben auch schon die Veranstalter von MS-Musik am Dienstagabend während der Veranstaltung gespürt. „Wir kriegen die Kritik ab. Die Regelung ist sehr, sehr unglücklich. Wir sind damit nicht zufrieden“, sagt Geschäftsführer Marc Hölscher. Ständig stehe er mit dem Ordnungsamt der Stadt Werne in Kontakt, um alternative Orte zum Rauchen zu finden. Doch das gestalte sich schwierig. Vor dem kleinen Saal sei eine Feuerwehrzufahrt. Die Seitengasse sei mittlerweile nicht mehr praktikabel, weil sie nun zum Hotelbetrieb gehört.

Langes Schlangestehen sorgt für Ärger

Also bleibt nur die Lösung, dass die Raucher vor dem Veranstaltungsgelände qualmen dürfen. „Wir befinden uns ja mitten in der Stadt. Bei einer geringen Personenanzahl ist die Lautstärke noch okay“, sagt Hölscher. Nun dürfen maximal 15 Personen nach draußen gehen. Das hatte am Dienstagabend ein langes Schlangestehen zur Folge.

Es läuft folgendermaßen: Wer eine Zigarette qualmen möchte, bekommt eine gelbe Karte vom Sicherheitspersonal. Sind diese vergriffen, muss man warten, bis ein anderer Raucher wieder reinkommt. „Das ist schon frustrierend, wenn man 30 Minuten in der Schlange stehen muss, um mal eine rauchen zu gehen. Ich kann den Ärger nachvollziehen“, sagt Marc Hölscher.

Raucher ärgern sich über gelbe Karten und langes Warten bei Party im Kolpingsaal

Bis zu 45 Minuten mussten einige Raucher laut Besucherin Kirsten Mengelkamp-Bleiber warten, bis sie den Kolpingsaal zum Rauchen verlassen konnten. © Kirsten Mengelkamp-Bleiber

Einige Raucher ließen am Dienstagabend auf ihre Weise Dampf ab. Sie qualmten auf der Toilette. „Das war leider nicht vermeidbar. Ich kann verstehen, dass sie irgendwann die Schnauze voll hatten“, sagt Hölscher. Um dem entgegenzutreten, habe man kurzfristig zwei weitere Sicherheitskräfte eingesetzt. Die Party war mit 800 Besuchern ausverkauft.

„Ankommenden Gäste machen mehr Lärm“

Auch Besucherin Kirsten Mengelkamp-Bleiber ist irgendwann die Hutschnur geplatzt, wie sie selbst sagt. „Es war eine klasse Veranstaltung. Aber irgendwann haben viele das Weite gesucht. Das ist schade“, sagt die 50-Jährige. Als Veranstalter habe man im Kolpingsaal derzeit große Probleme, seine Raucher unterzubringen, erklärt Veranstalter Marc Hölscher weiter.

„Wir würden gern alle Raucher rauslassen und hinter dem Saal ein Zelt aufbauen. Aber das ist alles nicht möglich“, sagt Hölscher. Vor einigen Jahren haben die Raucher noch hinter dem Kolpingsaal geraucht. „Da waren es mal 100 Leute. Die waren sicherlich laut. Da gab es aber nie Probleme“, sagt Kirsten Mengelkamp-Bleiber.

Neue Regeln nach dem Pächterwechsel

Seit November 2017 ist die Stadt Werne Pächter des Kolpingsaals. Das angrenzende Stadthotel im Kolpinghaus hat Horst Nußbaum gepachtet. Vor dem Pächterwechsel haben die Raucher stets in der Seitengasse zwischen Hotel und Kolpingsaal geraucht. Auch das ist nun nicht mehr erlaubt. Nun geht es also zum Rauchen vor den Kolpingsaal. „Da ist gleichzeitig auch der Eingang. Da haben die ankommenden Gäste mehr Lärm gemacht als die Raucher, die daneben standen“, sagt Kirsten Mengelkamp-Bleiber.

Die Raucher stehen dort mit gelber Karte, versteht sich. „Ich habe schon gedacht, ob man bei drei gelben Karten dann eine rote Karte bekommt“, sagt Kirsten Mengelkamp-Bleiber. Marc Hölscher erklärt: „Wir müssen irgendwie den Überblick über die Anzahl der Raucher behalten. Wir hatten noch gelbe Karten im Lager.“ Die habe man dann einfach für die Raucher genommen.

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