Die schnellste Taube Deutschlands kommt aus Selm

dzRekord-Taube

Jeder kennt sie: Speedy Gonzales, die schnellste Maus von Mexico. Die schnellste Brieftaube aus Deutschland könnte auch Speedy heißen - wenn sie einen Namen hätte.

Selm

, 17.10.2018, 07:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nr 634 ist es, die die Augen von Karl-Heinz und Tobias Hoppe aus Selm zum Glänzen bringt. „So etwas erlebt man nicht alle Tage“, schwärmt Karl-Heinz Hoppe. Seit über 50 Jahren züchtet er Tauben in seinem Garten, die er regelmäßig zu Wettkämpfen schickt. 160 Stück an der Zahl, dazu eine kleine Taubenzucht.

Doch dass eine seiner Tauben die schnellste Taube Deutschlands wird, hätte er bis vor kurzem nicht für möglich gehalten. Jetzt hat die Nummer 634 die Gesamtwertung über alle fünf Wertungsflüge gewonnen. „Das ist der Traum eines jeden Züchters!“

Insgesamt 495,85 von 500 möglichen Punkten sammelte das Weibchen aus Selm. Die fünf Flüge, die in die Wertung einbezogen wurden, waren von drei Mal 400, einmal über 500 und einmal sogar 600 Kilometer lang. Eine Strecke, die Tauben schneller zurücklegen, als manch einer denken würde: Denn eine schnelle Taube kann bei guten Bedingungen 80 oder 90 Stundenkilometer fliegen - mit Rückenwind sogar an die hundert Kilometer pro Stunde.

Junger Züchter

Beim letzten Flug, den 600 Kilometern, waren die Tauben von Hoppes an der deutsch-österreichischen Grenze ausgesetzt worden. Mit Freunden, Verwandten und ehemaligen Züchtern hatte das Vater-Sohn-Duo da im Garten gesessen und voller Vorfreude auf die Ankunft der Tauben gewartet. Die hatten sie vorher schon anhand von Wetterdaten ungefähr berechnen können. Und dennoch: So richtig konnten sie sich dann erst nach dem offiziellen Ranking über ihren Sieg freuen. „Wenn nur ein Flug nicht gepasst hätte, wäre der Traum vorbei gewesen. Finito“, so Karl-Heinz Hoppe.

Die schnellste Taube Deutschlands kommt aus Selm

Insgesamt 160 Tauben sind bei Karl-Heinz und Tobias Hoppe im Taubenschlag - viele von ihnen haben bereits zahlreiche Preise abgeräumt. © Viktoria Michelt

Klar, bei so etwas gehört immer Glück dazu. Aber auch Erfahrung und das richtige Flugtraining der Tauben spielen dabei eine wichtige Rolle. Doch das wichtigste, das Orientierungsvermögen, kann nicht trainiert werden. „Das ist schon faszinierend, dass die Tiere immer wieder nach Hause finden. Kein Wissenschaftler hat je herausgefunden, woher die Tauben diesen Orientierungssinn haben“, erklärt Tobias Hoppe begeistert.

Der Bankbetriebswirt ist mit seinen 30 Jahren mit Abstand einer der jüngsten Taubenzüchter in der Region. Das Durchschnittsalter liegt bei über 60 Jahren. Für ihn nichts Ungewöhnliches: „Im Ruhrgebiet ist das ein Hobby, was bekannt ist“, sagt er. Niemand wundere sich darüber. Tauben, die seien einfach seine Leidenschaft – und die wurde ihm in die Wiege gelegt. „Ich war schon als kleines Kind im Taubenschlag dabei“, sagt Hoppe. Mit 15 Jahren hat er mit seinem Hobby angefangen – ganz offiziell ist er seit sechs Jahren dabei.

Viel Training

Natürlich sind Tauben auch ein zeitaufwendiges Hobby. Vater und Sohn trainieren ihre Tauben nämlich regelmäßig. Das ist wie bei einem Leistungssportler. „Auch Tauben müssen ihre Muskeln und ihre Kondition erst aufbauen“, erklärt Karl-Heinz Hoppe. Zudem bekommen sie Aufbaufutter und Zusatzstoffe, schließlich müssen die Tauben 13 Flüge pro Saison durchhalten. Und dennoch betreiben Hoppes den Taubensport nicht so professionell wie manch andere. „Es gibt auch den FC Bayern München im Taubensport“, scherzt Karl-Heinz Hoppe. Umso mehr freue es ihn, dass - wie beim Fußball - „die Kleinen auch manchmal die Großen schlagen“.

Man merkt: Karl-Heinz und Tobias Hoppe leben ihr Hobby. Karl-Heinz Hoppe kann die jeweiligen Tauben sogar schon in der Luft erkennen. Namen haben sie aber trotzdem keine, nicht einmal die Preisgekrönten. „Da würden wir noch verrückt werden“, lacht Tobias Hoppe. Lieber erkennen sie die Tauben mit ihren Nummern. Doch das schmälert die Liebe zu ihrem Hobby und den Tauben nicht. Karl-Heinz Hoppe drückt es so aus: „Das Schönste ist, wenn die Tauben nach einem Flug vom Himmel schießen und nach ihrer Reise heim kommen.“

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