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Er kommt mit den ganz Jungen klar, und mit den ganz Alten auch. Rainer Strehl hat Generationen von Lünern in Sachen Verkehrssicherheit auf den Stand gebracht. Sein Prinzip ist ganz einfach.

Lünen

, 05.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Das Radfahren hat Rainer Strehl auf die ganz klassische Art gelernt, auf Brambauers Straßen und Seitenwegen: Sein Vater hat anfangs noch angeschoben, dann den Gepäckträger gehalten und irgendwann einfach losgelassen. „Das war so mit fünf“, erinnert sich der 58-jährige Polizeihauptkommissar.

Strehl wollte schon früh Polizist werden


Dann blickt der Polizei-Hauptkommissar über den Fahrradparcours auf dem Gelände der Jugendverkehrsschule an der Dammwiese, wo gerade viele Kinder mit dem Rad unterwegs sind und ihre Übungen machen. Unter ihnen sind sogar schon Zwei- und Dreijährige. „Das ist zwar selten, aber manche können es schon. Das liegt an den Laufrädern, da lernt man die Balance früh“, sagt Strehl.

Der „Brambauer Junge“ ist heute Verkehrssicherheitsberater und zuständig für den Bereich Lünen. Schon früh hatte er den Wunsch, Polizist zu werden. „Ich war immer sehr sportlich, habe lange beim BV Brambauer Fußball gespielt, auch in der ersten Mannschaft.“

Die Ausbildung beginnt er mit 17 Jahren in Bork. Es folgen Tätigkeiten im Wach- und Wechseldienst, dann kommt der Wechsel zurück zur Bereitschaftspolizei. Strehl wird Ausbilder und Gruppenführer in Bork.

Einsätze bei Demos auf dem Wasserwerfer

Richtig gern erinnert sich Rainer Strehl an die Jahre zurück, in denen er auf Sonderwagen und Wasserwerfern bei Demos mitgefahren ist. „Das war schon eindrucksvoll, wenn wir ankamen. Da hat sich der ein oder andere schon mal überlegt, lieber doch keine Steine zu werfen“, sagt er und grinst.

Von 1996 bis 2002 ist der Polizist als Gruppenführer in der Hundertschaft in Dortmund tätig. Ein besonderer Einsatz erscheint allerdings nicht so ganz dienstlich: „Bei der Südtribünenmeisterschaft 1999 haben wir von der Hundertschaft eine Mannschaft gebildet und mitgemacht. Wir haben auch gewonnen“, sagt Strehl und lacht wieder. „Ist ja klar: Wir waren alle gut durchtrainiert und konnten richtig Fußball spielen.“

Manche der Fanclubs seien dann etwas angesäuert gewesen, als sich herausstellte, dass es Polizisten waren, die gewonnen hatten. „Wir haben dann beim nächsten Mal nicht wieder teilgenommen“, erzählt er augenzwinkernd.

„Wir setzen ALLE einen Helm auf“

Zwischendurch hat Strehl immer ein Auge auf die Kinder und ihre Räder. „Wir setzen hier ALLE einen Helm auf“, ruft er unvermittelt mit ganz schön lauter Stimme. Der Übeltäter hopst sofort vom Rad herunter und gehorcht. „ASTREIN“, ruft Strehl dem kleinen Jungen zu und zeigt ihm den Daumen nach oben.

Der Umgang mit Kindern liegt dem Polizisten, der selbst zweifacher Vater ist.

Die Kleinen schauen zu ihm auf, wollen ihm alles Recht machen. Wer vom Rad stürzt und sich die Knie aufschrappt, steht hier schnell wieder auf. Und das liegt nicht an der Uniform: Rainer Strehl hat eine besondere Art, jedes Kind ernstzunehmen.

„Wenn man offen auf ein Kind zugeht und es wertschätzt, dann kommt etwas zurück. Alle sind gleich wichtig und verdienen den gleichen Respekt“, sagt er. Und man merkt, dass das keine leeren Worte sind: Es gibt kein Kind, und sei es noch so klein, bei dem der Polizeihauptkommissar im Gespräch nicht in die Hocke geht. Geredet wird auf Augenhöhe.

Was bei den Kleinen funktioniert, klappt auch bei der älteren Generation: Rainer Strehl und sein Kollege Andreas Schlüter kümmern sich um die Sicherheit der Lüner Senioren. Die beiden halten Vorträge, bieten Pedelec-Trainings an oder zeigen den Verkehrsteilnehmern, wie gefährlich der „Tote Winkel“ am Lkw ist.

„In den Vorträgen geht es oft um Neuerungen, zum Beispiel das Fahren im Kreisverkehr. Das hat die ältere Generation ja gar nicht gelernt.“ Viele Großeltern möchten auch rechtliche Fragen klären, wenn sie mit dem Enkelkind eine Radtour unternehmen. „Wann darf das Kind auf die Straße, wann auf den Bürgersteig? Das kann nicht jeder wissen.“

„Unbezahlbar“

Noch heute wohnt Rainer Strehl mit seiner Frau Christine im Brambauer Elternhaus. Er freut sich schon auf die anstehende Silberhochzeit, die erst im Familienkreis und dann später mit einer Reise gefeiert werden soll. Seine Kinder werden auch dabei sein: „Meine Tochter ist 20 und studiert, mein Sohn ist 23 und auch bei der Polizei.“

Und dann sieht Rainer Strehl wieder zu, dass es mit dem Fahrradtraining weitergeht. Schließlich steht der kleine Helmsünder gerade vor ihm und fragt ihn, wann er weitermacht. Ganz ohne Scheu. „Das ist doch herrlich,“ sagt Strehl zum Abschluss. „Den Job, den ich hier habe, kann man mit Geld nicht bezahlen.“